Kriselnde Großbank: UBS will Investmentsparte radikal zusammenstreichen

Die UBS vollzieht den Strategiewechsel: Nach dem milliardenschweren Handelsskandal will die Schweizer Großbank ihre Investmentsparte massiv stutzen - das Volumen des Bereichs soll um die Hälfte schrumpfen. Stattdessen setzt der Chef Sergio Ermotti stärker auf die sichere Vermögensverwaltung.

UBS-Chef Sergio Ermotti: Niedrigeres Ziel für die Eigenkapitalrendite Zur Großansicht
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UBS-Chef Sergio Ermotti: Niedrigeres Ziel für die Eigenkapitalrendite

Zürich - Bei der UBS setzt man künftig auf Sicherheit - und bescheidenere Gewinnziele: Die Schweizer Großbank will einem Bericht der "Financial Times" zufolge ihr Investmentbanking erheblich zurückfahren. Die Bilanzsumme des Bereichs solle laut Insidern um die Hälfte reduziert werden, im Gegenzug verstärke das Institut die Vermögensverwaltung. Ihre neue Strategie will die Bank auf einem seit langem angekündigten Investorentreffen am Donnerstag offiziell verkünden.

Die Bank reagiert mit dem Schwenk auf einen riesigen Zocker-Skandal: Im September wurde bekannt, dass ein Londoner UBS-Händler durch nicht genehmigte Transaktionen einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar verursacht hatte. In der Folge musste der langjährige Vorstandschef Oswald Grübel Ende September zurücktreten.

Dem Zeitungsbericht zufolge nimmt die UBS Chart zeigen für ihren neuen Sicherheitskurs auch erheblich geringere Gewinnziele in Kauf: Künftig solle eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 14 Prozent angepeilt werden - diese Marke liegt klar unter früheren Werten. Einen weiteren Personalabbau über die bereits vereinbarten Streichungen von 3500 Stellen will die Bank einem Insider zufolge aber auf dem Investorentreffen am Donnerstag nicht ankündigen.

Am Dienstag hatte die UBS mit zwei Entscheidungen für klare Verhältnisse an ihrer Spitze gesorgt. Erstens soll der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber nun doch bereits im Mai 2012 Vorsitzender des UBS-Verwaltungsrats werden. Zudem darf der bislang nur als Übergangschef amtierende Sergio Ermotti die Geschäfte der Bank nun auf Dauer führen.

Die Bank besetzt ihre Spitze früher als geplant neu

Eigentlich war geplant, dass Weber zunächst nur Vizepräsident des Kontrollgremiums werden und nach einem Jahr im Mai 2013 dessen Vorsitz übernehmen sollte. Nun räumt der amtierende Verwaltungsratschef Kaspar Villiger bereits im Mai des kommenden Jahres seinen Posten für Weber. Ursprünglich plante die Bank auch für die Suche nach einem langfristigen Vorstandschef mehr Zeit ein - allerdings wollte die UBS offenbar bei dem lange angekündigten Investorentreffen am Donnerstag nicht mit einer Übergangsspitze antreten.

"Die Nominierungen von Axel Weber und Sergio Ermotti bringen UBS die erforderliche Stabilität und schaffen klare Verhältnisse", sagte Noch-Chefkontrolleur Villiger. So könnten "die zahlreichen wirtschaftlichen Herausforderungen und regulatorischen Veränderungen" bewältigt werden. Villinger lobte die beiden Manager als zwei "hochkompetente, erfahrene Persönlichkeiten mit komplementären Fähigkeiten".

Oberste Priorität der beiden Top-Manager dürfte sein, das volle Vertrauen der vermögenden Privatkunden zurückzugewinnen. An der Börse wurde das neue Führungsduo verhalten begrüßt - die UBS-Aktie verlor knapp drei Prozent, allerdings sanken auch die Kurse der europäischen Konkurrenz ähnlich stark.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Soso
Gani, 16.11.2011
Und um die Boni der Manager zu sichern, muss dann eben die Verzinsung von maximal 0,125% ebenfalls radikal zusammengestrichen werden - wo kommen wir denn da hin wenn der Kunde für den Kredit, den er mit seinem Vermögen der Bank gibt, auch noch faire Zinsen erhält? Und damit as mit den Boni auch wirklich klappt, werden im Gegenzug dann die Zinsen bei Kreditvergabe kräftig nach oben angepasst. Die sogenannte Konkurrenz wird sich freuen, und gleich mitziehen. weiss wirklich nicht warum Schweizer auf ihre Banken so stolz sind. Ich fühle mich sowohl geschäftlich als auch privat von diesen Bankstern bei jeder Gelegenheit nur über den Tisch gezogen. Ich wollte längst mal ein Konto in Deutschland eröffnen, da soll man ja deutlich über einem Prozent Zinsen kriegen! Unglaublich!
2. Luftnummern
inver 16.11.2011
Das muss doch klar sein, dass diese ganzen Spekulationen Luftnummern sind, wenn da keine realen Werte entgegenstehen. Der Wert wird relativ bemessen, das ist dann aber auch der Grund, warum eine Spekulationsblase nach der anderen platzt, ja zwangsläufig platzen muss, weil die Wahrheit immer durchkommt. In der Zwischenzeit haben die Finanz-Spekulanten Aber-Milliarden Gewinne gemacht...und der Steuerzahler muss die Luftnummern finanzieren. Mr. Spock würde sagen: Seltsam diese Erdenbewohner, die glauben wirklich, dass sich mit diesen Zahlen die Wirklichkeit darstellen lässt, aber wir Vulkanier kennen diese Zahlen gar nicht!
3. Als ich...
Das Auge des Betrachters 16.11.2011
...vor mehr als einem Jahr schrieb, Investmentbanking ist Mausetot, da wurde ich verlacht. Wer zuletzt lacht...
4. Schwabentor
Bahnix 16.11.2011
Zitat von GaniUnd um die Boni der Manager zu sichern, muss dann eben die Verzinsung von maximal 0,125% ebenfalls radikal zusammengestrichen werden - wo kommen wir denn da hin wenn der Kunde für den Kredit, den er mit seinem Vermögen der Bank gibt, auch noch faire Zinsen erhält? Und damit as mit den Boni auch wirklich klappt, werden im Gegenzug dann die Zinsen bei Kreditvergabe kräftig nach oben angepasst. Die sogenannte Konkurrenz wird sich freuen, und gleich mitziehen. weiss wirklich nicht warum Schweizer auf ihre Banken so stolz sind. Ich fühle mich sowohl geschäftlich als auch privat von diesen Bankstern bei jeder Gelegenheit nur über den Tisch gezogen. Ich wollte längst mal ein Konto in Deutschland eröffnen, da soll man ja deutlich über einem Prozent Zinsen kriegen! Unglaublich!
Was steht in Schaffhausen am Schwabentor? Richtig: Lappi Tue d Auge uf. Wenn sie 3 Prozent Inflation haben und 2 Prozent Zins haben, verlieren sie Real 1 % ihres Vermögens pro Jahr! Das metkelt sogar ein blondes Milchmädchen. Aussserdem wird der Euro noch unter einen Franken sinken! Dann haben sie nochmals ein Fünftel weg! Viel Spass mit dem hochverzinsten Konto in der EU. Beim andern gebe ich Ihnen Recht: Der Bankräuber 2011 ist inter dem Schalter! Was folgt darauf? Keine Schulden haben, dann ist man von den Banken nicht abhängig!
5. Gute Entscheidung der UBS
nr6527 16.11.2011
Zitat von sysopDie UBS vollzieht den Strategiewechsel: Nach dem milliardenschweren Handelsskandal will die Schweizer Großbank ihre Investment-Sparte massiv stutzen -*das*Volumen*des Bereichs soll um die*Hälfte schrumpfen.*Stattdessen setzt das Institut stärker auf die sichere Vermögensverwaltung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,798080,00.html
Besser spät als nie, die UBS hat ja enorme Verluste über die letzten Jahre angehäuft, besonders im USA Geschäft: http://www.journal21.ch/mit-vollgas-die-n%C3%A4chste-katastrophe Die Banken in Deutschland sollten sich ein Beispiel nehmen und ebenfalls die Teilnahme am Finanzcasino beenden, es sei denn man möchte weitere Milliardenverluste machen.
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