Krisen-Investment Morgan Stanley schließt Immobilienfonds

Einst galten Immobilienfonds als krisensicher - doch zusehends geraten immer mehr Investments in Schieflage. Jetzt trifft es auch Morgan Stanley: Die US-Großbank muss ihren Fonds P2 Value dichtmachen.

AP

Frankfurt am Main - Schon lange haben die offenen Immobilienfonds ihren Ruf als krisensichere Anlage eingebüßt. Nun droht immer mehr Anlegern zumindest ein Teilverlust. Am Montag hat nach KanAm und Aberdeen bereits der dritte Anbieter die Abwicklung eines Fonds verkündet: Die US-Bank Morgan Stanley Chart zeigen löst ihren P2 Value auf - und reagiert damit auf die zahlreichen Rückgabewünsche der Anleger. Der P2 Value war im November 2005 mit einem Volumen von knapp 1,7 Milliarden Euro gestartet.

Im Zuge der Finanzkrise geriet der Fonds in Liquiditätsnöte und setzte deshalb im Oktober 2008 die Anteilsscheinrücknahme vorübergehend aus. Laut Gesetz können offene Immobilienfonds maximal zwei Jahre eingefroren werden. Eine Öffnung hätte der P2 Value aber nicht verkraftet. Von dem ursprünglichen Volumen von knapp 1,7 Milliarden Euro sind nur noch 852 Millionen Euro übrig.

Morgan Stanley kündigte am Dienstag an, die noch im Fonds verbliebenen 34 Immobilien über einen Zeitraum von drei Jahren zu verkaufen. Die Erlöse sollen mindestens halbjährlich an die Anleger ausgeschüttet werden. Wie hoch die Rückzahlung letztlich ausfällt, ist unklar.

Drei Millionen Deutsche haben Geld in die Fonds investiert

Grundsätzlich funktionieren die Fonds so: Das Geld der Anleger wird nicht nur in Grundstücke, Hotels, Büropaläste und Gewerbeobjekte investiert, sondern auch in Zinspapiere oder andere schnell verfügbare Anlagen. Dadurch soll gesichert sein, dass Investoren jederzeit Fondsanteile verkaufen können.

Bis zum Ausbruch der Immobilienkrise in den USA galten die Fonds als grundsolide. Rund drei Millionen Deutsche haben ihr Geld in diesem Segment angelegt. Werden allerdings zu viele Anteile abgezogen, reichen die flüssigen Mittel nicht mehr aus, die Fonds geraten in Schieflage.

Wie jetzt bei Morgan Stanley. Man habe bis zuletzt eine Weiterführung des Fonds präferiert, sagte das Mitglied der Geschäftsführung Marc Weinstock. Allerdings hätten in dem für den P2 Value ohnehin schwierigen Umfeld die Regulierungsvorschläge der Bundesregierung, Rückflüsse von Immobiliendachfonds und die Auflösung der beiden anderen offenen Immobilienfonds das Umfeld weiter verschlechtert.

Experten erwarten keinen Flächenbrand

Möglicherweise trifft es im kommenden Jahr weitere Produkte dieser Art. Einen Flächenbrand für die gesamte Anlageklasse erwarten Experten aber nicht. Vielmehr dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen: Überleben werden Fonds mit einem starken Vertrieb, breit gestreuten Immobilienanlagen und einer klaren Unterteilung in private und institutionelle Investoren.

Die Ratingagentur Scope fand zu den Umwälzungen in der Branche unlängst klare Worte: "Je schneller die 'Sorgenkinder' vom Markt verschwinden, desto eher nehmen schlechte Nachrichten ein Ende." Dies sei die Voraussetzung dafür, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

cte/Reuters



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larousse heute, 11:16 Uhr
1. Fonds P2 Value
Zitat von sysopEinst galten Immobilienfonds als krisensicher - doch zusehends geraten immer mehr Investments in die Schieflage. Jetzt trifft es auch Morgan Stanley: Die US-Großbank muss ihren Fonds P2 Value dichtmachen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725327,00.html
P steht für Pleite - die Verluste werden "sozialisiert", die "Fondsmanager" haben sicher eine schöne Prämie verdient !
pragmat 26.10.2010
2. Spreu?
Zitat von sysopEinst galten Immobilienfonds als krisensicher - doch zusehends geraten immer mehr Investments in die Schieflage. Jetzt trifft es auch Morgan Stanley: Die US-Großbank muss ihren Fonds P2 Value dichtmachen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725327,00.html
Wer sagt denn, dass hier wirklich die Spreu vom Weizen getrennt wird? Der Einblick der Anleger in die Plazierungen der Fonds ist minimal. Hier geht es in Wirklichkeit wohl ums Geldsammeln, das die Fondsmanager verzockt haben. Man verkauft doch nicht die Gans, die goldene Eier legt. Lieber sammelt man Schrottimmobilien in Bad Fonds, die man pleite gehen lässt. Der Dumme ist wieder mal der Anleger.
ratxi 26.10.2010
3. Und...
Zitat von larousseP steht für Pleite - die Verluste werden "sozialisiert", die "Fondsmanager" haben sicher eine schöne Prämie verdient !
...2 value wahrscheinlich für doppelt wertvoll. Weil sie sich ja nun auch das Doppelte verdient haben, die Manager. Haben ja vorher genug heraus gezogen aus dem Fond...
critique 26.10.2010
4. normaler Prozeß
Zitat von pragmatWer sagt denn, dass hier wirklich die Spreu vom Weizen getrennt wird? Der Einblick der Anleger in die Plazierungen der Fonds ist minimal. Hier geht es in Wirklichkeit wohl ums Geldsammeln, das die Fondsmanager verzockt haben. Man verkauft doch nicht die Gans, die goldene Eier legt. Lieber sammelt man Schrottimmobilien in Bad Fonds, die man pleite gehen lässt. Der Dumme ist wieder mal der Anleger.
Durch die emotionale Flucht der Anlager aus den Fonds müssen tatsächlich auch echte Immobilien-Sahnestücke schnell verkauft werden. Verlierer ist das Herdentier Mensch (Anleger), Gewinner die Aasfresser und man kann es ihnen nicht mal übel nehmen. Wenn ich eine Traumimmobilie bei einer Zwangsversteigerung als Schnäppchen bekommen könnte, würde ich auch zugreifen. Wer nicht?
sina01 26.10.2010
5. so,so...
... die Fonds Degi Europa und Morgan Stanley sind also "die Spreu", die sich zunmehr vom "Weizen" trennt... Ansonsten, wenn auch somewhat off topic: meine Anlage in Degi Europa geht eindeutig auf eine kapitale Falschberatung (um nicht zu sagen: absichtliche Täuscherei) des damaligen Dresdner Bank-Beraters zurück. Ich gedenke zu klagen. Mitstreiter irgendwo?
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