Krisenbank Hypo Real Estate macht erneut Milliardenverlust

Die Hypo Real Estate schreibt weiter rote Zahlen - und so schnell wird der angeschlagene Geldkonzern nicht aus der Verlustzone kommen. Frühestens 2012 könnte die Wende gelingen. Verschärft wird die Krise durch den Ad-hoc-Abgang von Vorstandschef Wieandt.

Zentrale der Hypo Real Estate: Kreditrisikovorsorge belastet
REUTERS

Zentrale der Hypo Real Estate: Kreditrisikovorsorge belastet


München - Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,24 Milliarden Euro eingefahren. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch die um 26,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegene Kreditrisikovorsorge, teilte das Geldinstitut am Freitag mit. Auch Kosten in Höhe von 741 Millionen für staatliche Milliardengarantien, die dem Unternehmen seit 2008 das Überleben sichern, hätten das Zahlenwerk belastet.

Noch im Herbst hatte die Bank ein Vorsteuerminus von 2,6 Milliarden Euro erwartet. Im operativen Geschäft konnte die HRE sich um eine Milliarde verbessern und kehrte ins Plus zurück. Der Ertrag lag bei 419 Millionen.

Schwarze Zahlen erwartet das Institut jedoch frühestens in zwei Jahren. Im laufenden Jahr würden vor allem die Kosten für die Einrichtung einer Bad Bank das Ergebnis belasten, erklärte die Übergangschefin Manuela Better, die nach dem überraschenden Rücktritt von Vorstandschef Axel Wieandt an die Spitze rückte, am Freitag. "So lange über Umfang und Ausgestaltung der geplanten Abwicklungsanstalt nicht entschieden ist, müssen wir weiter davon ausgehen, dass der Konzern nicht vor dem Jahr 2012 in die Gewinnzone zurückkehren kann."

Neuanfang ohne Wieandt

Am Donnerstag hatte HRE-Vorstandschef Axel Wieandt überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Als Grund nannte die Bank unterschiedliche Auffassungen zwischen ihm und dem Bankenrettungsfonds SoFFin "bezüglich der Geschäftsleitung". Insidern zufolge hatte Wieandt, bei der Deutschen Bank früher Strategie-Chef unter Josef Ackermann, mehr Freiheit gegenüber dem SoFFin gefordert. Auch zur Vergütung habe es unterschiedliche Positionen gegeben. Wieandt durfte wegen der Staatshilfen für die Bank dort nur 500.000 Euro im Jahr verdienen.

Sein Vorgänger Georg Funke hatte seinen Posten nach dem Milliardendebakel in der Finanzkrise räumen müssen. Die Bank musste damals mit Hilfen und Garantien von rund 100 Milliarden Euro, die zum Großteil vom Staat kamen, gerettet werden und gilt als Symbol dafür, wie Gier und Selbstüberschätzung zu einer der schwersten Krise der Banken in der jüngeren Geschichte geführt haben.

Die Fehlspekulationen der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa hatten die HRE gleich mehrfach an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Sie ist in Deutschland der größte Sanierungsfall der Finanzkrise. Eine Pleite hätte viele andere Geldhäuser mit in den Abgrund gerissen. Vorstand und Aufsichtsrat wurden seit der Rettung komplett erneuert.

Wie die WestLB will die HRE als zweite Bank in Deutschland ganze Geschäftsbereiche sowie toxische Wertpapiere in eine Bad Bank auslagern. In die Abwicklungsanstalt soll ein Volumen von bis zu 210 Milliarden Euro eingebracht werden. Das als zukunftsträchtig erachtete Geschäft mit Immobilien- und Staatsfinanzierungen in Europa ist in der HRE-Tochter Deutsche Pfandbriefbank gebündelt worden. Diese hat noch ein Volumen von rund 130 Milliarden Euro - etwa ein Drittel der einstigen Größe.

mik/dpa/dpa-AFX/Reuters



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sinn-finder 26.03.2010
1. MIlliardenverluste
"Schwarze Zahlen erwartet das Institut jedoch frühestens in zwei Jahren." Milliardenverluste und "schwarze Zahlen" mit etwas Glück am Sankt Nimmerleinstag... jeder Start-Up-Bude und jedem Mittelständler hätte man bei dieser Pespektive den Geldhahn abgedreht.
genugistgenug 26.03.2010
2. Abtritt
Zitat von sysopDie Hypo Real Estate schreibt weiter rote Zahlen - und so schnell wird der angeschlagene Geldkonzern nicht aus der Verlustzone kommen. Frühestens 2012 könnte die Wende gelingen. Verschärft wird die Krise durch den Ad-hoc-Abgang von Vorstandschef Wieandt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,685761,00.html
jetzt ist wenigstens klar wieso der Vorstandschef geflüchtet ist - der wollte diese schlechten Zahlen nicht an der Backe haben (also präsentieren müssen) und sich damit Minuspunkte einhandeln. Jeder Cent der da reinkommt war verloren und jeder neue Cent ist verloren. Doch da geht es auch um politische Entscheidungen und nur deshalb durften die Bankster weitermachen.
frubi 26.03.2010
3. .
Zitat von sinn-finder"Schwarze Zahlen erwartet das Institut jedoch frühestens in zwei Jahren." Milliardenverluste und "schwarze Zahlen" mit etwas Glück am Sankt Nimmerleinstag... jeder Start-Up-Bude und jedem Mittelständler hätte man bei dieser Pespektive den Geldhahn abgedreht.
Aber wir leben halt nicht in einer freien Demokratie wo jeder gleich behandelt wird. Wer leben in einem Land, in dem nicht die Politiker das Sagen haben sondern die wirklich mächtigen Unternehmer bestimmen wo es lang geht. Das einzige was ich unserer aktuellen und der letzten Regierung zu Gute halten muss ist die Tatsache, dass die das nun auch offen zeigen und es jeder erkennen kann. Ist man eine große Bank dann ist man Systemrelevant und kriegt das Geld mit der Schuppkarre ins Büro gefahren. Ist man ein mittelständisches Unternehmen dann muss man halt mit überteuerten Krediten klar kommen. Welch Gerechtigkeit.
Horst Bürger 26.03.2010
4. ... schwer kriminell.....
Die Zustände werden immer krimineller! Einer nach dem anderen begeht "Fahrerflucht" - zum Schluß tut es Frau Merkel und ihre Lakaien aus diesem Berliner Kabarett aus dem Spreebogen. In Berlin hieß schon einmal vor nicht allzu langer Zeit "...und der letzte knippst das Licht aus "
mathey, 26.03.2010
5. Personalauswahl gescheitert
"Vorstand und Aufsichtsrat wurden seit der Rettung komplett erneuert" - man hat die Leitungsgremien offenbar auf gleiche Weise besetzt wie die Sitze im Europaparlament: mit Koryphäen, die irgendwer gerade dringend entsorgen wollte.
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