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Kriseninstitut: HRE will bis zu 200 Milliarden Euro an Schrottpapieren auslagern

Bei der Hypo Real Estate werden die Pläne für eine riesige Bad Bank konkreter: In den nächsten Wochen will die angeschlagene Immobilienbank nach SPIEGEL-Informationen den Antrag stellen - und Schrottpapiere im Wert von bis zu 200 Milliarden Euro auslagern.

Berliner Niederlassung der Hypo Real Estate: Errichtung einer riesigen Bad Bank geplant Zur Großansicht
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Berliner Niederlassung der Hypo Real Estate: Errichtung einer riesigen Bad Bank geplant

Hamburg - Zurzeit überprüfen der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin und das Bundesfinanzministerium, wie viel zusätzliches Eigenkapital und zusätzliche Garantien die im vergangenen Herbst verstaatlichte Bank braucht. In die Bad Bank sollen Schrottpapiere sowie problembehaftete oder nichtstrategische Staatsanleihen und Immobilienkredite mit einem Volumen von 180 bis 200 Milliarden Euro ausgelagert werden.

Zwar können in einer solchen Bad Bank alle Risikopositionen und nichtstrategischen Geschäftsbereiche im Grundsatz zum Buchwert abgespalten werden und müssen dann nicht mehr abgeschrieben werden. Aber dennoch bleibt die HRE der Eigentümer.

Nun wird geprüft, ob ein gutes Rating für die HRE und ihre Bad Bank nicht schon dadurch gewährleistet ist, dass der Soffin und damit letztlich der Staat ihr 100-Prozent-Inhaber ist. Andernfalls müsste der Soffin bei der HRE noch einmal viele Milliarden nachschießen. Bisher sprang der Staat mit einer Eigenkapitalhilfe von sechs Milliarden Euro und Garantien von aktuell 95 Milliarden Euro ein.

Die HRE hatte Ende 2008 wegen Fehlspekulationen der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa vor dem Aus gestanden. Der ehemalige Dax-Konzern wurde schließlich mit Milliardenhilfen anderer Banken und des Bundes gerettet. Im vergangenen Sommer wurde ein Konzernumbau angestoßen: Das als zukunftsträchtig erachtete Geschäft mit Immobilien- und Staatsfinanzierungen in Europa ist seither in der Deutschen Pfandbriefbank gebündelt.

Die EU-Kommission genehmigte im Dezember vorübergehend zwei Staatsgarantien im Umfang von acht und zehn Milliarden Euro für die HRE. Bereits seit einiger Zeit steht fest, dass eine Abwicklungsanstalt ein Volumen im dreistelligen Milliardenbetrag haben dürfte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatte gestanden, die HRE wolle in der nächsten Woche den Antrag stellen. Tatsächlich soll dies in den nächsten Wochen geschehen. SPIEGEL ONLINE bittet, den Fehler zu entschuldigen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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1. Nettes Sümmchen
shokaku 09.01.2010
Das ist das 2,5fache der WestLB Bad Bank Auslagerungen. Da liegt die Vermutung nahe, dass sämtliche staatliche und halbstaatliche Institute so eine halbe bis eine ganze Billion an Schrottpapieren angehäuft haben. Da kann Schäuble schon mal neue Rekordversuche bei der Neuverschuldung anpeilen.
2. wie bitte ??
sic tacuisses 09.01.2010
Bei einem solchen Saftladen (Coca Cola und alle andren bitte ich um Entschuldigung )von Bonität zu reden ist der Witz des Jahrhunderts. Die Frage nach Veantwortlichkeit stelle ich erst garnicht.
3. Verantwortung
wintersommer, 09.01.2010
Da bekommen manche Herren und Damen viel Geld desses hohe Zahl den Mitbürgern und Mitarbeitern immer mit Verantwortung verkauft wird, und am Ende hat keiner die Verantwortung.
4. Fass ohne Boden
kleenermann 09.01.2010
Einmal mehr stelle ich mir die Frage warum man den Laden nicht einfach dicht macht, wer braucht schon eine HRE ich denke unser Bankensystem kommt auch gut ohne Sie zurecht! Es wird Zeit das die Gläubiger das Risiko für ihr Engagement bei diesem Institut tragen und nicht ständig der Steuerzahler einspringt!
5. Bad Bank -Führung?
puter70 09.01.2010
Wer führt eigentlich eine "Bad Bank"? Vermutlich einer dieser "Bad Bankster", die die ganze Sauerei mit ihrer maßlosen Gier und ihrer bodenlosen Dummheit angerichtet, sich dabei in krimineller Weise bereichert haben und die leider niemand zur Rechenschaft/Haftung zieht, verurteilt und einsperrt!
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Immobilienbank in Not
Die Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist ein vergleichsweise junges Unternehmen. Sie ist erst im Jahr 2003 entstanden, als die HypoVereinsbank ihr gewerbliches Immobilienfinanzierungsgeschäft abgespaltet hat. Im Oktober 2003 ging die Hypo Real Estate an die Börse und schaffte es dort gut zwei Jahre später in den Dax. Später stieg das Unternehmen zunächst in den MDax ab, seit der Verstaatlichung ist es an der Börse nicht mehr notiert.
Die Finanzkrise
Von sich reden machte die Hypo Real Estate, als sie die in Irland angesiedelte Depfa Bank für 5,7 Milliarden Euro schluckte. Durch die Übernahme wollten die Münchner Zugang zu staatlichen Projekten bekommen, auf welche die Depfa weltweit spezialisiert ist. Im Visier waren unter anderem die Finanzierung großer Projekte wie Bürogebäude, Flughäfen, Brücken oder Kliniken. Angesichts klammer Kassen bei Bund, Ländern und Gemeinden galt dies als vielversprechendes Geschäftsmodell.
Dann ging es mit dem Unternehmen jedoch steil bergab: Im Jahr 2008 fiel der Vorsteuergewinn wegen der Finanzkrise und der Übernahme der Depfa von 1,06 Milliarden Euro auf 862 Millionen Euro. Unterm Strich ging das Ergebnis von 542 auf 457 Millionen Euro zurück.
Auch der Aktienkurs litt unter den Problemen. Nach gut 57 Euro im Jahr 2006 sackte das Papier auf nur noch knapp 13,50 Euro ab. Den vermeintlich günstigen Kurs nutzte der US-Investor Christopher Flowers und stieg bei der Hypo Real Estate ein. Zuletzt hielt er gut 24 Prozent an der HRE.
Die Verstaatlichung
In den Jahren 2008 und 2009 wurde die HRE zu dem Symbol für die Finanzkrise in Deutschland. Der Immobilienfinanzierer musste mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet worden, die großteils vom Staat kamen. Begründet wurde dies damit, dass die HRE eine systemrelevante Bank sei - ihr Untergang hätte also andere Finanzinstitute und damit womöglich die gesamte Volkswirtschaft mit nach unten gerissen. Aus diesem Grund betrieb der Bund über seinen Bankenrettungsfonds Soffin die Verstaatlichung der HRE. Im Jahr 2009 wurde tatsächlich der letzte private Aktionär aus dem Unternehmen gedrängt, seitdem ist der Soffin der Alleinaktionär der HRE.

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