Wirtschaft


Krisentreffen zur City BKK: Kassenchefs kämpfen gegen Imagedesaster

Wohin mit 170.000 Versicherten? Diese Frage müssen Krankenkassenvertreter nach der Pleite der City BKK klären. Gesundheitsminister Bahr droht der Branche mit Konsequenzen - doch sein Vorgänger Rösler erinnert an eine unangenehme Wahrheit: Das Kassensterben ist politisch gewollt.

Seniorin vor City-BKK-Filiale in Berlin: "Unwürdiges Verhalten"Zur Großansicht
dapd

Seniorin vor City-BKK-Filiale in Berlin: "Unwürdiges Verhalten"

Hamburg/Berlin - Sie werden viel zu besprechen haben: Am Donnerstag treffen sich Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen in Berlin. Einziger Tagesordnungspunkt: Eine Lösung für rund 170.000 Versicherte, die durch die Insolvenz der Betriebskrankenkasse City BKK heimatlos geworden sind. Die Kassen stehen unter Druck: Denn in den vergangenen Tagen häufen sich Berichte über Mitglieder der Pleite-Kasse, die vor allem in Hamburg und Berlin von anderen Versicherungen abgewiesen werden.

Sowohl Politiker als auch Vertreter anderer Kassen kritisierten die Ablehnungen scharf. Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) sprach in der "Financial Times Deutschland" von einem "unwürdigen Verhalten". Die Koalition prüfe eine schnelle Gesetzesänderung, um Kassenvorstände zur Verantwortung ziehen zu können.

Auch der FDP-Gesundheitsexperte Lars Lindemann fordert Konsequenzen für Vorstände. "Man muss sich fragen, ob gesetzliche Kassen, die ihre öffentlich-rechtlichen Aufgaben nicht erfüllen, in diesem Gesundheitssystem noch etwas zu suchen haben", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, sprach in der Zeitung von einer "echten Blamage". Einige wenige hätte "dem Ruf einer ganzen Branche geschadet." Der Chef der Securvita-Krankenkasse, Ellis Huber, forderte, gegen verantwortliche Vorstände "konsequent vorzugehen." Auch die Ärzteorganisation Marburger Bund sprach von einem Skandal. Wenn Krankenkassen "ältere Versicherte abwimmeln, weil sie ihnen zu teuer sind, verspielen sie jede Glaubwürdigkeit", sagte der Vorsitzende Rudolf Henke.

Auch der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kritisierte den Umgang mit Patienten der City BKK scharf und mahnte die Branche zum Handeln. "Wenn die Krankenkassen nicht weiterkommen und auch heute keine konkreten Lösungen bieten, dann kann ich natürlich Konsequenzen nicht ausschließen, dann müssen wir als Politik handeln", sagte Bahr im ZDF. Zugleich bezeichnete er es als unwahrscheinlich, dass in der nächsten Zeit weitere Krankenkassen Insolvenz anmelden könnten. Die City BKK sei ein Sonderfall, der bereits seit geraumer Zeit "Sorgen" bereitet habe.

Bahrs Vorgänger Philipp Rösler (FDP) wies bei der Amtsübergabe an seinen Nachfolger jedoch darauf hin, dass die Möglichkeit von Kassenschließungen politisch immer gewollt gewesen sei. Zum Start des Gesundheitsfonds Anfang 2009 gab es noch rund 200 Krankenkassen. Die damalige Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) sagte: "Auf lange Sicht wären auch 50 bis 80 Kassen in Ordnung." Derzeit gibt es noch 155 Krankenkassen.

dab/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 94 Beiträge
Bala Clava 19.05.2011
Braucht man mehr als eine Krankenkasse? Die Beiträge sind doch, wenn ich das richtig verstehe (bin in keiner Kasse) überall gleich. Was man da an Kosten sparen könnte - diese ganzen Gehälter für die Kassenwarte alleine, die sich [...]
Braucht man mehr als eine Krankenkasse? Die Beiträge sind doch, wenn ich das richtig verstehe (bin in keiner Kasse) überall gleich. Was man da an Kosten sparen könnte - diese ganzen Gehälter für die Kassenwarte alleine, die sich wohl Vorstände nennen und ähnlich entlohnt werden.
dykker 19.05.2011
Derzeit ist die Generation 35-55 lediglich angesäuert, weil wir wissen, dass die meisten unserer Problem eigentlich, wenn der Staat es will, leicht lösbar wären. Die Generation 55+ gehört derzeit noch zu den sehr zufriedenen, [...]
Derzeit ist die Generation 35-55 lediglich angesäuert, weil wir wissen, dass die meisten unserer Problem eigentlich, wenn der Staat es will, leicht lösbar wären. Die Generation 55+ gehört derzeit noch zu den sehr zufriedenen, weil die die Vorteile der alten Republik noch in vollen Zügen genießen können. Allerdings sehen auch diese langsame ihre Felle davon schwimmen. Die Generation 20-35 ist aufbruchwillig. Viele verlassen das Land und gehen Konflikten aus dem Weg, weil die Geschichte in Deutschland ihnen zeigt (nehmen wir doch mal die Grünen als ein Beispiel), dass es keinen Sinn macht Alternativen zu schaffen, da diese nach knapp 20 Jahren vom System assimiliert werden und sich binnen kürzester Zeit nicht mehr von jenen unterscheiden, die man eigentlich attackieren wollte. Derartige Zeitverschwendung will hier keiner. Die Alten, die politisch die sogenannten Volksparteien noch tragen sind für diese das größte Risiko. Wenn die Alten sich nicht mehr gut bei den Volksparteien aufgehoben fühlen, dann kann es passieren, dass die extremen Parteien relativ gesehen, deutlich erstarken werden, weil der Wählerschwund der Volksparteien eklatant werden wird. Meine Prognose für die Zukunft ist daher, die, dass die Grünen stärker werden und die anderen deutlich schwächer werden und daher der rechte Rand die 5% Hürde nehmen kann ohne, dass die Zahl der Wähler deutlich ansteigt. Die etablierten Parteien verlieren immer mehr an Boden und zwar in der gesamten Bevölkerung. Das System bebt nicht, es wackelt nicht mehr, es schwankt. Die CIA hat vor 2 Jahren in einem Bericht prognostiziert, dass es spätestens in 2020 in Deutschland zu einem Volksaufstand kommen wird. Das ist eine deutliche Warnung gewesen aber auch vor Osama bin Laden und der Attacke auf das WTC wurde ja angeblich gewarnt. Nur reagiert hat niemals irgendjemand.
Crom 19.05.2011
Dieser "Geheimbericht" liegt Ihnen ja sicher vor, gell? *kopfschüttel*
Zitat von dykkerDie CIA hat vor 2 Jahren in einem Bericht prognostiziert, dass es spätestens in 2020 in Deutschland zu einem Volksaufstand kommen wird.
Dieser "Geheimbericht" liegt Ihnen ja sicher vor, gell? *kopfschüttel*
endbenutzer 19.05.2011
Zitat: „...Bahrs Vorgänger Philipp Rösler (FDP) wies bei der Amtsübergabe an seinen Nachfolger jedoch darauf hin, dass die Möglichkeit von Kassenschließungen politisch immer gewollt gewesen sei....“ Und? Was hat das eine mit dem [...]
Zitat: „...Bahrs Vorgänger Philipp Rösler (FDP) wies bei der Amtsübergabe an seinen Nachfolger jedoch darauf hin, dass die Möglichkeit von Kassenschließungen politisch immer gewollt gewesen sei....“ Und? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, Mitglieder, die zuvor bei einer anderen gesetzlichen Kasse versichert waren, aufzunehmen. Was soll also dieser Blödsinn?
relies 19.05.2011
Der gewählte (im buchstäblichen Sinne der Wortes) Ansatz, Krankenkassen nach und nach absterben zu lassen, wird dazu führen, dass die unsozialsten Organisationen, also die, die am zahlungsunwilligsten sind und die sich die [...]
Der gewählte (im buchstäblichen Sinne der Wortes) Ansatz, Krankenkassen nach und nach absterben zu lassen, wird dazu führen, dass die unsozialsten Organisationen, also die, die am zahlungsunwilligsten sind und die sich die "teuren" Mitglieder am erfolgreichsten vom Hals halten, überleben. Herlichen Glückwunsch zu diesen Aussichten...
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  • Donnerstag, 19.05.2011 – 12:47 Uhr
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Die größten gesetzlichen Kassen
Rang Krankenkasse Zahl der Versicherten in Mio.
1 Barmer GEK 8,50
2 Techniker 7,30
3 DAK 6,30
4 AOK Bayern 4,20
5 AOK Baden-Württemberg 3,70
6 AOL Rheinland/HH 2,80
7 AOK Plus 2,70
8 AOK Niedersachsen 2,40
9 AOK Westfalen-Lippe 2,10
10 KKH Allianz 2,10
Quelle: Dienst für Gesellschaftspolitik, Unternehmensangaben; Stand: 1. April 2010
Chronologie der Gesundheitsreformen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.





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