Geflügelhaltung Minister schon wieder mit neuer Technik gegen das Kükenschreddern

Die massenhafte Tötung männlicher Küken versucht Agrarminister Schmidt seit Jahren zu stoppen. Nun hat er einen neuen Ansatz ins Spiel gebracht - doch Skepsis bleibt.

Männliche Küken in Mecklenburg-Vorpommern
DPA

Männliche Küken in Mecklenburg-Vorpommern


Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt will dem massenhaften Töten männlicher Küken mit einer neuen Technik begegnen. "Was wir heute sehen, ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Praxis des Tötens männlicher Eintagsküken", sagte der CSU-Politiker beim Besuch einer Brüterei im niedersächsischen Großenkneten.

Der Grund für Schmidts Zuversicht ist ein an der Universität Leipzig entwickelter Test. Bei diesem wird Eiern Flüssigkeit entnommen, um das Geschlecht des künftigen Kükens zu bestimmen.

Pro Jahr werden nach Angaben der am Test beteiligten Supermarktkette Rewe allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen. Die männlichen Küken der zum Eierlegen gezüchteten Rassen zu mästen, ist demnach unwirtschaftlich.

Deutschland übernehme mit dem Test eine Vorreiterrolle, sagte Schmidt. "Wir sind auf dem Weg, eine ethisch und auch rechtlich fragwürdige Praxis in Deutschland zu beenden." Mit Forschung und Technik würden die Voraussetzungen geschaffen, um das Kükentöten auch international zu stoppen.

Minister Schmidt will das massenhafte Töten männlicher Küken schon länger beenden. Ein Verbot des Schredderns oder Vergasens der Tiere schloss er aber stets aus. Erstmals hatte er neue Maschinen dafür im Mai 2015 angekündigt - Ende 2016 sollte die neue Technik bereits zur Verfügung stehen. Zuletzt hatte er im Januar ein Verfahren vorgeführt, das per Laser das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen bestimmen können soll.

Auch hinsichtlich der neuesten Methode dämpfte der zuständige Rewe-Manager Ludger Breloh nun Schmidts Hoffnungen. Es sei noch ein weiter Weg zur Praxisreife, sagte er. Angesichts der großen Menge an Eiern müssten die Geschwindigkeit und der Erfolg bei der Geschlechtsbestimmung erhöht werden. Aktuell könnten nur einige Eier pro Stunde untersucht werden. Bei 100 Millionen Eiern, die in Deutschland pro Jahr bestimmt werden müssten, sei das zu langsam. Wenn die Technik marktreif sei, solle sie auch der Konkurrenz zugänglich gemacht werden, sagte Breloh.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, kritisierte Schmidts abermaligen Vorstoß. "Es gleicht einem Déjà-vu, wie Minister Schmidt nun wieder vom 'Einstieg in den Ausstieg' fabuliert", sagte Ostendorff. "Seine Wortakrobatik täuscht nicht darüber hinweg, dass er das Problem nicht gelöst hat." Die Bilanz von Schmidts Amtszeit sei desaströs: Kein Minister vor ihm habe so viel angekündigt und so wenig eingehalten.

apr/dpa/AFP

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otto_lustig 06.07.2017
1. Wenn eine größere Anzahl Verbraucher über einen längeren Zeitraum
keine Eier kaufen würde und damit Druck auf die Produzenten ausüben würde, sähe die Situation anders aus. Wieso kann ich "Brathähnchen" kaufen, wenn die alle geschreddert werden? Weil das gar keine Hähnchen sind! Ist diese Lüge zulässig? Im Übrigen werden diese angeblichen Brathähnchen bei den rollenden Anbietern immer kleiner, aber trotzdem teurer. Eine angebliche "Hähnchenhälfte" ist bei Aldi fast dreimal so groß, wie bei einer mobilen "Hähnchenbraterei". Hier geht es nur um schnelles Geld.
Circular 06.07.2017
2. Legehennen werden nicht zu Brathähnchen
Zitat von otto_lustigkeine Eier kaufen würde und damit Druck auf die Produzenten ausüben würde, sähe die Situation anders aus. Wieso kann ich "Brathähnchen" kaufen, wenn die alle geschreddert werden? Weil das gar keine Hähnchen sind! Ist diese Lüge zulässig? Im Übrigen werden diese angeblichen Brathähnchen bei den rollenden Anbietern immer kleiner, aber trotzdem teurer. Eine angebliche "Hähnchenhälfte" ist bei Aldi fast dreimal so groß, wie bei einer mobilen "Hähnchenbraterei". Hier geht es nur um schnelles Geld.
Es handet es sich um unterschiedliche Züchtungen. Was im Angebot der Hähnchenbrater ist, stammt nicht aus den Legehennenställen, sondern ist Mastgeflügel.
Steve1982 06.07.2017
3. Das ist alles ein Skandal!!
Die grossen Parteien reden viel und machen wenig! Das kann nicht so schwer sein, hier ruck zuck etwas gegen das Küken-Morden zu tun! In Deutschland wird viel zu oft die Industrie mit Samt-Handschuhen angefasst (siehe auch Thema Abgase); wir haben aber auch noch andere Werte! Die Wirtschaft ist auch stark genug, alternative Konzepte zu entwickeln!
Moonshine42 06.07.2017
4. Spitz und Bub bei Rewe
Bei Rewe gibt es "Spitz und Bub"-Eier, bei denen der männliche Nachwuchs aufgezogen und den Hühnern die Schnäbel nicht gestutzt werden. Sie sind etwas teurer, aber eine gute Alternative. Lieber weniger Eier essen, dafür aber dann tierschonend hergestellte!
helro56 06.07.2017
5. Bundeslandwirtschaftsminister zu sein, bedeutet eben nicht...
irgendwelche Ahnung von seinem Gewerk zu verstehen, geschweige Lösungen zu liefern die nachhaltig zu einem akzeptablen Ergebniss führen! Minister Schmidt ist nun wieder ein Beispiel dafür, wie Posten in der deutschen Bundespolitik an Politiker ohne jede Vorkenntnisse vergeben werden, die zu einer Lösung beitragen! Hauptsache die Parteiensitze durch die Wahlen sind gefüllt und NICHTS anderes scheint wichtig zu sein! Fachwissen für das Ressort ist Nebensache!
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