Kaufangebot für Roboterbauer Chinesen wollen nur 49 Prozent von Kuka

Bei der umstrittenen Übernahme des Roboterbauers Kuka könnte es einen Kompromiss geben: Offenbar will sich der chinesische Investor Midea mit einem Minderheitsanteil an der Firma zufrieden geben.

Kuka-Roboter beim Bier-Einschenken
AFP

Kuka-Roboter beim Bier-Einschenken


Das chinesische Interesse an dem Augsburger Roboterhersteller Kuka sorgt für große Aufregung, bei Aktionären, Beschäftigten und auch der Bundesregierung. Jetzt zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Bundesregierung sehe inzwischen Signale, dass der chinesische Investor Midea nicht mehr als 49 Prozent an Kuka erwerben wolle, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Daneben soll es weiter einen deutschen Ankeraktionär geben.

Bisher hält der Maschinenbauer Voith 25,1 Prozent und kann damit bei wichtigen Unternehmensentscheidungen nicht übergangen werden. Mit dieser Lösung könne sich auch Kuka-Chef Till Reuter anfreunden, hieß es weiter. Reuter hatte auf der Hauptversammlung Ende Mai für das Übernahmeangebot aus China geworben. Midea hält derzeit 13,5 Prozent an Kuka und hat ein Übernahmeangebot für 115 Euro je Aktie angekündigt - ein Drittel über dem Kurs von Mitte Mai.

Unklar sei aber, wie Midea sein Engagement bei Kuka auf 49 Prozent begrenzen könnte, hieß es weiter. Im Umfeld von Midea wurde laut Zeitung betont, es gebe keine Obergrenze, dies sei auch rechtlich nicht möglich. Voraussichtlich werde Midea allen Aktionären ein Angebot vorlegen. Theoretisch wäre es denkbar, dass der chinesische Klimaanlagen- und Hausgeräte-Hersteller Anteile bei Banken parkt oder später an andere Investoren verkauft.

Die geplante Aufstockung ist eines der großen Themen beim China-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel. Mideas Übernahme-Offerte hatte Sorgen über einen zu großen chinesischen Einfluss ausgelöst. Skeptisch zeigten sich unter anderem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und EU-Kommissar Günther Oettinger.

Midea hatte zuletzt bereits betont, dass Kuka unabhängig bleiben solle. Zudem seien Sorgen vor einer Einflussnahme des chinesischen Staates unbegründet. "Wir sind ein Privatunternehmen. Für uns zählt nicht, was die chinesische Regierung fordert", hatte Vizechef Andy Gu der Zeitung am Montag gesagt. "Unser Engagement bei Kuka ist für uns kein politisches Thema, sondern ein wirtschaftliches."

nck/Reuters/dpa-afxp

insgesamt 33 Beiträge
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stefanbodensee 14.06.2016
1. Und wenn wir dort was machen ... ?
Nach wie vor verstehe ich nicht, wieso wir in Deutschland und Europa zulassen, daß die Chinesen Firmen teilübernehmen, Firmen aufkaufen oder Anteile erwerben - während Engagements europäischer Firmen in China immer wieder Behördenwillkür, Einmischungen vom Staat oder diversen Repressalien und Beschränkungen unterworfen sind. Getreu dem Motto: wir dürfen alles (bei Euch), aber Ihr dürft nicht alles (bei uns). Sicherlich ist China ein wichtiger 'Handelspartner' für unsere europäischen Länder, aber deshalb gleich in ewig vorauseilendem Gehorsam permanent alles recht machen zu wollen - während man selbst dort gerne nach Gutsherrenart behandelt wird, ist nicht so prickelnd. Da haben unsere Kanzlerin und unsere Herren Manager wohl leider nicht genug Ar... in der Hose um auch mal etwas forscher aufzutreten bzw. entsprechende Forderungen zu stellen. Das nervt langsam ...
Europa! 14.06.2016
2. Na also!
Einmal mehr beweist sich, dass die deutsch-chinesischen Beziehungen auf Vernunft, Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft beruhen. Gut so!
JJGG 14.06.2016
3. 49 % Reichen aus um...
Das Wissen abzugrasen und danach den laden dicht zu machen.
eule_neu 14.06.2016
4. Ehrliches Handeln oder Hintergedanken?
Man könnte fast vermuten, dass es den Chinesen um die Patente und das "Know how" der Firma geht. Erst in zweiter Reihe stehen die Gewinne aus dem Anteil. Eine schwierige Lösung für die Kuka-Inhaber und eine Angelegenheit für international tätige Juristen, um bestimmte Sachverhalte auszuschließen ...
thomas_gr 14.06.2016
5.
Als ob es bei 49% bleibt und als ob man sich nicht die fehlenden 1.1% auch auf anderen Wegen sichern könnte. Mir ist der Deal egal, weil Europa sich eh zum Weltaffen gemacht hat, aber diese Augenwischerei geht mir auf den Keks.
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