Roboterproduzent Chinesisches Angebot für Kuka spaltet Aktionäre

Der chinesische Midea-Konzern will den Roboterhersteller Kuka übernehmen. Doch das erzürnt Kleinanleger und Aktionärsverbände. Sie befürchten den Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologie.

Roboter-Produktion in Augsburg
DPA

Roboter-Produktion in Augsburg


Das milliardenschwere Kaufangebot des chinesischen Unternehmens Midea für den Roboterbauer Kuka Chart zeigen treibt einen Keil zwischen die Firmenspitze und die Kleinaktionäre. Während sich Vorstandschef Till Reuter vorsichtig positiv über den Vorstoß der Chinesen äußerte, dominierte unter den Kleinanlegern auf der Hauptversammlung Skepsis.

"Grundsätzlich kann ich heute sagen, dass das Angebot, so wie es angekündigt wurde, unsere Strategie unterstützen kann", sagte Reuter in der Augsburger Firmenzentrale. Insbesondere bei der Eroberung des chinesischen Markts könne Midea helfen. "In unserer Strategie haben wir uns das Ziel gesetzt, 2020 einen Wert von einer Milliarde Euro Umsatz zu erreichen. Ein Partner, der diese Strategie unterstützt und uns einen besseren Marktzugang verschafft, könnte für Kuka ein erheblicher Wachstumstreiber sein."

Ein Regierungsvertreter warnte jedoch: "Wir unterstützen Investitionen in Deutschland, aber wir müssen darauf achten, dass kein Technologie-Abfluss stattfindet", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Aktivitäten chinesischer Unternehmen haben zugenommen. Wir beobachten diese Entwicklungen intensiv."

Chinesen auf Einkaufstour in Deutschland

Die mögliche Übernahme von Kuka durch Midea wäre ein weiteres prominentes Beispiel für die Einkaufstour chinesischer Firmen in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren nach einer Auswertung der Beratungsfirma Ginkgo Tree Advisors 36 deutsche Unternehmen von chinesischen Firmen übernommen worden - nach 30 im Jahr 2014.

Vergangene Woche hatte Midea angekündigt, bis zu 4,5 Milliarden Euro für den schwäbischen Automatisierungs-Spezialisten bieten zu wollen. Der Kühlschrank- und Klimaanlagenhersteller hält bereits knapp zehn Prozent an Kuka. Auf der offiziellen Tagesordnung steht die Offerte der Chinesen am Freitag nicht.

Kuka-Chef Reuter sagte, Midea habe den Erhalt des Hauptsitzes in Augsburg, der anderen Standorte und Mitarbeiterzahlen sowie den Verbleib der Patente und Kundendaten bei Kuka in Aussicht gestellt. Ob und wie das wasserdicht verankert werden könne, werde noch ausgelotet. Reuter räumte zugleich ein, sich mit Midea-Vertretern über die Aktionärsstruktur und die Besetzung des Aufsichtsrats ausgetauscht zu haben. Die bisherigen Großaktionäre Voith und Friedhelm Loh halten sich über ihre Zukunftspläne als Kuka-Eigner bedeckt. Voith hält gut ein Viertel an Kuka, Loh gut ein Zehntel.

Aktionärsverbände und Kleinaktionäre äußerten sich skeptisch über das Vorhaben von Midea. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnte vor einem Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien ins Ausland. "So etwas wäre in den USA nicht möglich, vermutlich auch nicht in Frankreich und wahrscheinlich auch nicht in China", sagte er. Angesichts der Bedeutung des Roboterbauers für die deutsche Industrie sollte das Übernahmeangebot kritisch betrachtet werden. Es sei zu wünschen, dass Minister "Gabriel aufwacht", sagte Klose unter dem Beifall vieler Kleinanleger.

Angebot dürfte für viele Aktionäre attraktiv sein

Sein Kollege Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger äußerte sich ähnlich. "Ich sehe viele Risiken", sagte Bauer. Angesichts des sich abzeichnenden Einstiegs von Midea hätten sowohl deutsche Industrie als auch Regierung geschlafen, wenn es um die Sicherung von Industrieperlen gehe. Für viele Aktionäre dürfte das Angebot aus Guangdong - 115 Euro je Kuka-Aktie - dennoch attraktiv genug sein, um zu verkaufen, glauben Experten. 30 Prozent hat sich Midea mindestens vorgenommen.

Auch ein Gegenangebot zur Midea-Offerte halten Fachleute für denkbar. Ein Kandidat, dem in der Vergangenheit immer wieder Interesse an Kuka nachgesagt wurde, hat Insidern zufolge schon abgewunken: Der größte deutsche Technologiekonzern Siemens habe die Idee geprüft und verworfen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Kuka-Chef Reuter hat sich damit nach eigener Auskunft noch nicht beschäftigt. "Wir haben bisher nicht aktiv nach einem Partner gesucht, daher stellt sich die Frage nach einem 'weißen Ritter' nicht", sagte er. "Letztlich müssen die Aktionäre entscheiden, wie sie mit der Offerte umgehen."

msc/Reuters/dpa

insgesamt 26 Beiträge
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udo l 27.05.2016
1. Wie wohl
die Zukunft in den heute tech. führenden Industriestaaten aussehen wird? Mir jedenfalls wird bange bei diesen Transaktionen. Ich dachte mal ich würde das nicht erleben, aber bei dieser Geschwindigkeit zweifele ich daran. Die Argumentation kommt mir so bekannt vor, die möchten bis 2020 1Millarde Umsatz machen. Sagte Winterkorn nicht vor drm Skandal er möchte VW zum größten Automobilkonzern machen? Irgenswie scheinen sich die Dinge immer schneller zu wiederholen.
Scum 27.05.2016
2. Komische Verhältnisse
Ich bin doch sehr verwundert, dass es westliche Länder noch einfach zulassen, dass ihre Unternehmen von einem Land aufgekauft werden, dass eigener Aussage nach ein kommunistischer Staat ist. Hätte die Sowjetunion während des Kalten Kriegs auch so einfach westliche Schlüsselindustrien aufkaufen können? Es ist erschreckend, was unsere Unternehmen und Poltiker bereit sind zu tun, nur um ihre Gier zu befriedigen. Das die dahinterliegende Problematik nicht von der Politik gesehen wird, ist ein weiteres Zeichen für die mangelnde Intelligenz, die in diesen Kreisen verbreitet ist.
hisch88 27.05.2016
3. Ob und wie das wasserdicht verankert werden könne, werde noch ausgelotet.
Vergessen Sie es. Chinesische Mentalität ist mit unserer nicht zu vergleichen. Vertragsbrüche gehören in China zum Alltag und aufgrund abhängiger Gerichte besteht dort auch nicht die Möglichkeit sein Recht einzuklagen. Auch die Chinesische Regierung ist nicht und war nie Vertragstreu - Siehe Beispiel Hongkong -. Meine Erfahrung: 25 Jahre China.
INGXXL 27.05.2016
4. Das die Chinesen auf Einkaufstour gehen ist nicht verwunderlich
Schließlich verdienen Sie genug Geld u müssen das Anlegen. Das wird aber langfristig Arbeitsplätze in Deutschland kosten
smartphone 27.05.2016
5. Aktionärsspaltung
Nun , das ist doch völlig logisch: Es wird Zeit ,da? die Chinesen die Brocken übernehmen in welchen solchr HR Profis sitzen die mit " WIr liegen unter dem Tisch vor Lachen, wenn sich bei uns ein Hochqualifizierter bewirbt .." losgeht .... Tee statt Schnaps wäre angesagt
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