Aufgezeichnetes Nutzerverhalten: Datenskandal erschüttert Bloomberg

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Screenshot der Bloomberg-Website: Zugriff auf Nutzungsdaten

Der Finanzdienstleister Bloomberg ist wegen des Umgangs mit Kundendaten in die Kritik geraten. Die Journalisten des Nachrichtendienstes hatten Zugang zu vertraulichen Daten von Nutzern. In den USA ermitteln jetzt die Notenbank und das Finanzministerium.

Washington - Die Bloomberg-Computerterminals sind so etwas wie die Standleitung an die Aktienmärkte - für Börsenprofis sind sie das Standardwerkzeug. Wenn sich die Banken, Hedgefonds oder Börsenhändler einloggen, zeichnet Bloomberg eine ganze Reihe von Daten auf. Zum Beispiel, wer sich zuletzt eingeloggt hat, wer wie oft das Messaging-System genutzt hat oder wer sich für welche Themenfelder interessiert, etwa Aktien oder Anleihen. Die Journalisten von Bloomberg News hatten bisher Zugriff auf diese Kundendaten - und das bereitet dem Finanzdienstleister jetzt Probleme.

Die US-Notenbank, das US-Finanzministerium und weitere Kunden kündigten am Wochenende Untersuchungen an, inwieweit der Schutz vertraulicher Informationen verletzt wurde. "Wir schauen uns die Lage an und sind mit Bloomberg in Kontakt, um mehr herauszufinden", sagte eine Sprecherin der Notenbank Fed. Ein konkreter Schaden ist offenbar noch gar nicht entstanden, die Nervosität ist aber hoch. Informationen sind in der Finanzwelt ein äußerst gefragtes Gut - wenn man weiß, wer wann an welchen Aktien oder Anleihen interessiert ist, sie kauft oder verkauft, kann das bares Geld wert sein.

Dass Journalisten von Bloomberg News Zugang zu einigen Kundendaten hatten, stellt der Dienst als Versehen dar: "Als der Fehler erkannt wurde, haben wir unverzüglich gehandelt", schrieb Bloomberg-Chef Daniel Doctoroff in einer Stellungnahme. Journalisten hätten schon seit vergangenem Monat keinen Zugriff mehr auf diese Daten, nachdem sich ein Kunde beschwert hatte. Sie hätten aber auch zuvor nicht sehen können, welche Artikel von Kunden gelesen wurden oder welche Wertpapiere Kunden sich angeschaut haben. Zudem sei die Stelle eines Datenschutzbeauftragten geschaffen worden. Dieser solle sicherstellen, dass Mitarbeiter der Nachrichtenagentur keinen Zugriff auf vertrauliche Kundendaten mehr erhalten.

Begonnen hatte die Untersuchung mit einer Beschwerde von Goldman Sachs. Ein Partner der US-Bank wurde von einem Bloomberg-Reporter nach dem Beschäftigungsverhältnis eines Kollegen befragt - mit dem Hinweis, dass dieser sich schon einige Zeit nicht mehr in seinen Terminal eingeloggt habe. Goldman Sachs war bis dahin nicht bewusst, dass Journalisten Zugang zu solchen Informationen hatten. Für Bloomberg arbeiten weltweit etwa 2400 Journalisten. Der Konzern hat mehr als 315.000 Terminal-Abonnenten. Sie sorgten 2012 für einen Großteil des Jahresumsatzes von 7,9 Milliarden Dollar.

nck/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1. tut mir leid,
gerami 13.05.2013
aber ohne adblock geht spon gar nicht. ich verstehe durchaus die motivation, und gegen dezente werbung hätte ich auch nichts .... aber so? völlig indiskutables gelinke.
2. Na denn!
fellhard 13.05.2013
Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Banken haben sich jahrelang unter das Joch eines Monopolisten wie Bloomberg gestellt und wundern sich jetzt, dass eben dieser auf der Welle von 'Big Data' schwimmt - mit deren hochsensitiven Nutzungsprofilen. Die zum Teil schon aberwitzige Abhängigkeit von Bloomberg's geschlossenem Instant Messaging Service aka Bloomberg Chat ist schon legendär. Und natürlich kein Fall für die Transparenz-Freaks bei den Aufsichtsbehörden weltweit....wie gesagt, ein Schelm....
3. Sicher ist sicher!
drdla 13.05.2013
Wow, nochmal ganz langsam: "Zudem sei die Stelle eines Datenschutzbeauftragten geschaffen worden." Bei so geldwerten Informationen macht Bloomberg das erst, nachdem es Beschwerden gibt?
4. Auch hier gilt
güntilein 13.05.2013
Die Beschwerden müssen offensichtlich von Großunternehmen und nicht von kleinen Usern kommen.
5.
peter2345 13.05.2013
Wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs der noch folgenden Medienskandalen...
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