Kuriose Prognosen Boom im Zeichen des Minirocks

Schmale Krawatten, kurze Röcke, starke Wirtschaft - so einfach kann eine Wachstumsprognose sein. Doch selbst skurrile Theorien über den Zusammenhang von Mode und Konjunktur enthalten einen wahren Kern. Ein etwas anderer Ausblick auf das neue Jahr.

Von

REUTERS

Hamburg - Wirtschaftsprognosen haben einen schlechten Ruf: Zu oft müssen sie der Realität angepasst werden. "Die akademischen Kaffeesatzleser befragen die Glaskugelbesitzer", lästerte der Kabarettist Volker Pispers einmal über den Ifo-Geschäftsklimaindex, für den das Ifo-Institut regelmäßig die Einschätzung von Unternehmern zu ihren Geschäftsaussichten erforscht.

Zwar gibt es auch "harte" Indikatoren wie Auftragseingänge oder Einkaufsmanagerindizes, die können aber nur die sehr nahe Zukunft erfassen. Tatsächlich spielen Stimmungen und Erwartungen, so labil sie auch sein mögen, eine große Rolle für die Entscheidungen von Unternehmen und Verbrauchern über Investitionen oder Konsum.

Der Blick in die Zukunft ist ein menschliches und wirtschaftliches Bedürfnis. Wenn schon die amtlichen Prognosen nicht hundertprozentig verlässlich sind, warum nicht auf alternative Indikatoren zurückgreifen, die vielleicht etwas abseitig sind, dafür aber umso anschaulicher?

Selbst renommierte Ökonomen greifen auf Alltagsbeobachtungen zurück, um ihre Sicht der wirtschaftlichen Weltlage zu untermauern. Der langjährige US-Notenbankchef Alan Greenspan brachte in seinem Buch "Zeitalter der Turbulenzen" eine Theorie unter, der zufolge Männer seltener neue Unterwäsche kaufen, wenn sie schwierige Zeiten kommen sehen. Von allen notwendigen Konsumgütern würde daran am ehesten gespart.

Mit der Stimmung heben sich die Rocksäume

Genau umgekehrt verhält es sich mit dem "Lippenstiftindikator", den Kosmetikmogul Leonard Lauder nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorbrachte: Der Absatz von Lippenstiften steige, wenn Frauen einen Stimmungsaufheller brauchten. Das sei kleiner Luxus, den sie sich auf jeden Fall leisten könnten.

Berühmt ist die "Rocksaumtheorie", schon 1926 vorgetragen vom US-Ökonomen George Taylor. Sie ist einprägsam, weil bildlich stimmig: Steigt die Zuversicht, steigen auch die Rocksäume der Frauen und dann die Wirtschaftsleistung. Geht es mit der Wirtschaft dagegen abwärts, sieht man das an längeren Kleidern. Diese Regel wird zwar von vielen Modefachleuten abgelehnt, weil ihnen die Vorstellung widerstrebt, äußere Faktoren überlagerten die freie Kreativität der Modemacher. Doch die Rocksaumtheorie wurde mehrfach empirisch belegt.

"Über viele Jahrzehnte hinweg lässt sich beobachten, dass der Rocksaum sich immer dann nach oben bewegt, wenn die Menschen ein euphorisches Gefühl von Wirtschaftswachstum und Prosperität haben", hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Allensbach herausgefunden. "Jede Rezession ließ auch die Röcke und Kleider länger werden." Bei schlechter Wirtschaftslage werde "die Mode verhaltener, ernster - wenn man will: seriöser".

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ursprung 02.01.2011
1. Die Unterhosenfrage
entweder der Artikel hat was, dann sind wir bei der Laecherlichkeit von vorhersagenden Wirtschaftlern angekommen, die sich mit Ihrem Fachwissen aufplustern. Jede Frieseuse waere dann besser als die. Oder am Artikel ist nichts dran, ausser dass er eine Glosse sein soll. Dann halt auf Kosten der gleichen Wirtschaftler und Mr. Greenspan ist ohnehin ein grosser Schalk. Angeblich soll er sich seine Vortrags-Honorare ausschliesslich in Gram Feingold auszahlen lassen. Es ist aber noch nicht kolportiert, ob er selber seine Unterwaesche wendet, bevor er sie waschen laesst oder im Bereich der Hosentaschen gegen das harte Gold schutzverdickt. Die Eulenspiegelei, sofern das stimmt mit dem Gold, waere so oder so nicht mehr zu uebertreffen angesichts seines eigentlichen Lebensberufes. Ich fange an, mich zu fragen, an welchen Kleidungsgehabe nun steigende oder fallende Terrorrisiken moeglicherweise von der CIA festgemacht werden koennte. Schnitt der Unterhosen von Flugzeuggaesten? Koennte man ja per Koerperscanner tracken neuerdings oder steht genau das ohnehin dahinter? Welche Sorte hatte denn Atta an, als er die Maschinen in die Towers flog und dann eine weltweite Baisse nachzog?
Zorpheus 02.01.2011
2. Modemacher
"Diese Regel wird zwar von vielen Modefachleuten abgelehnt, weil ihnen die Vorstellung widerstrebt, äußere Faktoren überlagerten die freie Kreativität der Modemacher." Die gehen davon aus, dass SIE die Mode bestimmen, und sehen die Stimmung ihrer Kunden nur als störenden äußeren Faktor? Das erklärt einiges...
achtmalachit TM, 02.01.2011
3. achso...
kurze röcke starke wirtschaft ("wind von unten" - marylin monroe-bild) da kann man auch mal ein kind bekommen schmaler schlips schmaler grad "wir" riskieren mehr hippie-röcke - keine kinder - keine wind von unten = keine schlipse - "wir riskieren" nichts ...und ziehen nicht in den Krieg
sorata 02.01.2011
4. Verwunderlich
Zitat von Zorpheus"Diese Regel wird zwar von vielen Modefachleuten abgelehnt, weil ihnen die Vorstellung widerstrebt, äußere Faktoren überlagerten die freie Kreativität der Modemacher." Die gehen davon aus, dass SIE die Mode bestimmen, und sehen die Stimmung ihrer Kunden nur als störenden äußeren Faktor? Das erklärt einiges...
Mich wundert, dass hier noch kein Verhaltensforscher zugeschlagen hat, der erklärt, das hängt mit der Empfängnisbereitschaft der Frauen in guten Zeiten zusammen. Die abnehmende Breite der Krawatten signalisiert eben diesen Frauen, an Männerherzen und vor allen Dingen an die gefüllten Brieftaschen ist es in Boomzeiten einfacher heranzukommen. Unsere Politiker sollten gesetzlich festlegen, dass Rocksäume, die Grenze von 30 cm oberhalb der Knie, nicht überschreiten dürfen. Besonders Frau Merkel sollte dann diese Begrenzung nachhaltig vorführen.
Jay's, 02.01.2011
5. Was die Laenge
Zitat von sysopSchmale Krawatten, kurze Röcke, starke Wirtschaft - so einfach kann eine Wachstumsprognose sein. Doch selbst skurrile Theorien über den Zusammenhang von Mode und Konjunktur enthalten einen wahren Kern. Ein etwas anderer Ausblick auf das neue Jahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736949,00.html
der Roecke angeht, ich liebe den Wirtschaftsboom und der Dax/Dow Jones kann garnicht schnell genug steigen. :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.