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Kurssturz an der Wall Street: Börsianer zweifeln an der "Fat Finger"-Theorie

Der radikale Kurssturz um rund 1000 Punkte am Donnerstagabend hat die Weltbörsen erschüttert: Immer noch rätseln Anleger über die Gründe des Kurzzeit-Crashs an der Wall Street. Dass ein einzelner Händler das Fiasko durch einen Tippfehler auslöste, wird zunehmend bezweifelt.

Händler an der Wall Street am Donnerstagabend: War der "fat finger trade" schuld? Zur Großansicht
dpa

Händler an der Wall Street am Donnerstagabend: War der "fat finger trade" schuld?

New York - Es war ein dramatischer Kurssturz an der Wall Street: Ohne Vorwarnung rauschte der Dow Jones Chart zeigen am Donnerstagabend nach unten, zeitweise belief sich das Minus auf mehr als 1000 Punkte. Es war der schnellste Absturz in absoluten Zahlen seit Bestehen des Börsenbarometers. Die US-Börse erholte sich zwar relativ schnell wieder. Doch in der Folge reagierten auch die Märkte in Asien äußerst nervös, der Nikkei brach zeitweise um gut vier Prozent ein, am Freitagmorgen startete auch der Deutsche Aktienindex Dax kräftig im Minus.

Doch die entscheidende Frage kann bis jetzt niemand klären: Was war der Grund für den dramatischen Kursverfall? Sind es die Sorgen der amerikanischen Anleger wegen der Griechenland-Krise? Oder trägt ein einzelner Händler die Schuld, weil er sich vertippt hat?

Mittlerweile haben die US-Finanzbehörden mit der Ursachensuche begonnen. Die Börsenaufsicht SEC und die Terminbörsenaufsicht CFTC leiteten offiziell eine Untersuchung der "ungewöhnlichen Handelsaktivitäten" ein.

Ein Händler des US-Vermögensverwalters T. Rowe Price, Andy Brooks, vermutete als Ursache hinter dem ungewöhnlichen Auf und Ab des Dow Jones einen Computerfehler oder einen sogenannten "fat finger trade" - also den Tippfehler eines Händlers. An der New Yorker Börse machten nach dem Kurssturz Gerüchte die Runde, dass ein Händler der Citigroup versehentlich 16 Milliarden Aktien des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble Chart zeigen verkaufte - statt 16 Millionen Aktien. Auf diese Weise habe er den zwischenzeitlichen Kurssturz ausgelöst.

Weder eine Panne noch technische Probleme

Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Die US-Terminbörse CME teilte mittlerweile mit, dass die Handlungsaktivitäten der Citigroup Chart zeigen im Lichte der ungewöhnlichen Kursschwankungen nicht als "irregulär oder ungewöhnlich" zu bewerten seien. Auch ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass es keine Hinweise auf eine Verwicklung der Citigroup in eine "fehlerhafte Transaktion" gebe.

Ein Sprecher der New Yorker Börse schloss auch einen Computerfehler als Grund für den Vorfall aus. Es habe weder eine Panne noch technische Probleme gegeben, sagte er.

Auch die Proteste im hoch verschuldeten Griechenland gegen das Sanierungsprogramm der Regierung waren am Donnerstagabend zunächst als mögliche Ursache für den Einbruch des Börsenkurses genannt worden. Händler fürchteten einen Rückzieher der Regierung in Athen und den Staatsbankrott des Landes. "Alle Augen richten sich auf Europa", sagte der Devisenanalyst Samarjit Shankar von BNY Mellon. "Die Investoren sind beunruhigt wegen des Ansteckungsrisikos unter den europäischen Ländern." Allerdings erklärt diese Theorie nicht, weswegen es so urplötzlich zum Absturz der Kurse kam.

Auch der Dax notiert im Minus

Der zeitweilige Kurssturz war in Punkten gemessen der stärkste in der Geschichte der Wall Street. Der Handelstag an der Wall Street hatte bei einem Zählerstand knapp unter 10.900 Punkten begonnen; bis zum Nachmittag amerikanischer Zeit gab der Kurs langsam um etwa 200 Punkte nach, ehe er gegen 14.30 Uhr binnen 15 Minuten auf einen Stand von 9875 Punkten fiel - ein Tagesverlust von mehr als 1000 Zählern.

Binnen Minuten schnellte der Kurs dann aber wieder nach oben und pendelte sich um die Marke von 10.510 Punkten ein - immer noch ein Tagesverlust von mehr als 350 Punkten. Auch der Technologieindex Nasdaq Chart zeigen und der Index S&P 500 zeigten wilde Ausschläge und verloren zum Handelsende deutlich.

Ähnlich sieht es nun an anderen Börsen weltweit aus. Am Freitagmorgen schloss der japanische Nikkei Chart zeigen mit 3,1 Prozent im Minus. Der Dax Chart zeigen notierte gegen Mittag bei einem Minus von 1,4 Prozent.

wal/AFP

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Das griechische Sparprogramm
Wie viel Griechenland sparen möchte
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Bis 2013 möchte die Regierung in Athen insgesamt 30 Milliarden Euro einsparen. Alleine in diesem und im kommenden Jahr will das Land insgesamt 7,6 Milliarden Euro weniger ausgeben. Das Sparpaket ist Bedingung für die Bereitstellung der Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro.

Das Haushaltsdefizit soll schrittweise von derzeit rund 15,4 Prozent auf 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2014 gedrosselt werden - und damit unter die EU-Schuldengrenze. Wegen der erforderlichen Neuaufnahme von Krediten wird der griechische Schuldenberg aber voraussichtlich bis zunächst 2013 auf rund 190 Prozent des BIP ansteigen.

Folgen für den Staat und seine Bediensteten
Die öffentlichen Investitionen werden um 1,5 Milliarden Euro zurückgefahren. Die Verkleinerung des Staatsapparats soll eine weitere Milliarde Euro einsparen. Das 13. und 14. Monatsgehalt für Staatsbedienstete ist gestrichen worden, wobei niedrige Gehaltsgruppen einen Ausgleich in Höhe von jährlich 1000 Euro erhalten.

Zudem soll im öffentlichen Dienst nur jede fünfte Stelle, die frei wird, neu besetzt werden. Spätestens im Herbst 2011 sind darüber hinaus weitere Stellenstreichungen geplant.

Folgen für Rentner
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Die höchsten Pensionen sind gekürzt worden, zudem erhalten Pensionäre weniger Urlaubs-, Weihnachts- und Ostergeld. Das Renteneintrittsalter ist erhöht worden: 40 Jahre lang müssen Arbeitnehmer künftig Beiträge einzahlen, um die volle Rente zu erhalten.
Steuererhöhungen
Griechenland hat die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent erhöht. Auch die Steuern auf Alkohol, Tabak und Benzin sind gestiegen. Die Regierung erhebt zudem eine Ökosteuer, auch Glücksspiele und Unternehmensgewinne werden besteuert. Für illegale Bauvorhaben ist eine Strafsteuer fällig. Insgesamt sollen die Erhöhungen in den kommenden zwei Jahren 7,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen.
Folgen für die griechische Wirtschaft
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Durch die radikalen Einsparungen rechnet das griechische Finanzministerium zunächst mit einem Verlust der Kaufkraft und damit mit einem Rückschlag für die Wirtschaft. Prognosen sagen in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent voraus, 2011 soll das BIP demnach um weitere 3,0 Prozent schrumpfen. Erst für 2012 rechnen die Experten wieder mit einem leichten Wachstum.


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