New York/Washington - Nach der Wahl ist vor dem Haushaltschaos - Amerikas Börsen sind nach dem Sieg von Barack Obama (alle Ergebnisse im Überblick) über seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney auf Talfahrt gegangen. Der Dow Jones
büßte am Mittwoch 2,4 Prozent ein, fiel auf 12.932 Punkte und verbuchte den größten prozentualen Tagesverlust seit November 2011. Der breiter gefasste S&P-500 verlor ebenfalls 2,4 Prozent und schloss bei 1394 Zählern. Für beide Indizes war es der tiefste Stand seit Anfang August. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
fiel um 2,5 Prozent auf 2937 Punkte.
Anleger zeigten sich am Mittwoch zwar grundsätzlich erleichtert über den eindeutigen Wahlausgang. Nun aber rückt die am Jahresanfang drohende "Fiskalklippe" in den Fokus. Steuererhöhungen und Einsparungen könnten dann die wirtschaftliche Erholung ersticken.
Obama hatte seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney mit Siegen in Wechselwählerstaaten wie Ohio, Wisconsin, Iowa, Pennsylvania und New Hampshire übertrumpft. Im Kongress dürfte Obama aber auch in seiner zweiten Amtszeit auf harten Widerstand stoßen, da sich die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit sichern konnten. Damit drohen schwierige Verhandlungen über den Haushalt.
Der US-Präsident und der aus Senat und Repräsentantenhaus bestehende Kongress müssen sich bis Januar auf einen neuen Haushaltsplan einigen, ansonsten greifen ab dem neuen Jahr automatische Ausgabekürzungen, gleichzeitig laufen Steuererleichterungen aus. Die USA könnten dann in die Rezession zurückfallen.
Republikaner bieten Zusammenarbeit an
"Da das Repräsentantenhaus in republikanischer Hand bleibt, dürfte eine Lösung der anstehenden Probleme wie das 'fiscal cliff' und die Anhebung der Schuldenobergrenze erschwert werden", hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. "Obama konnte das Problem der Fiskalklippe vor den Wahlen nicht lösen - warum sollte er nun dazu in der Lage sein?", fragte Todd Schoenberger von der BlackBay Group.
Obama hat die Republikaner zur Kooperation aufgefordert. Die Wähler wollten Taten sehen und keinen Übergang zur Tagesordnung, sagte er in der Dankesrede in seiner Heimatstadt Chicago. Hoffnung machen Aussagen von Oppositionsführer John Boehner. Einem Sprecher zufolge sagte er, im Haushaltsstreit müssten beide Parteien eine gemeinsame Basis finden.
Für Nervosität an der Wall Street sorgten außerdem Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi. Jüngste Daten deuteten darauf hin, dass die Ausläufer der Euro-Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht hätten, sagte er am Mittwoch in Frankfurt. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im kommenden Jahr nicht vom Fleck kommt.
Zu den größten Verlierern gehörten Aktien aus der Rüstungs-, Energie- und Gesundheitsbranche, weil diese Unternehmen wohl von einem Stabwechsel im Präsidialamt profitiert hätten. Werte aus der Kohleindustrie stürzten wegen des Wahlausgangs regelrecht ab, weil der Branche unter Obama strengere Vorschriften drohen. Alpha Natural Resources, Arch Coal und James River Coal verloren zwischen 12 und 30 Prozent. Auch Aktien von Rüstungsunternehmen standen auf den Verkaufszetteln, weil die von Romney versprochene Aufstockung des Verteidigungsetats nicht kommen wird.
Dagegen profitierten die Aktien von Schusswaffen-Herstellern von der Spekulation, dass sich Waffenfreunde nun mit neuen Pistolen und Gewehren eindecken, weil sie eine Verschärfung der Gesetze unter Obama fürchten. Deshalb sprangen die Aktien von Stur Ruger um sieben Prozent in die Höhe und die Anteilsscheine von Smith & Wesson sogar um zehn Prozent.
Auch in Deutschland hat der Aktienmarkt am Mittwoch nach anfänglichen Kursgewinnen schwach geschlossen. Der Dax
fiel am Nachmittag deutlich ins Minus und verlor letztlich 1,96 Prozent auf 7232,83 Punkte.
jus/Reuters/dpa
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