Kurswechsel: Solar-Millennium-Aktie verliert fast 60 Prozent an Wert

Investorenwatsche für Solar Millennium: Der Aktienkurs des Unternehmens bricht zeitweise um fast 60 Prozent ein. Anleger sind enttäuscht von der Strategie und den Geschäftszahlen des Solartechnik-Herstellers. 

Solarkraftwerk in Kalifornien: "Man weiß nicht mehr, wo das Unternehmen hin will" Zur Großansicht
Solar Millennium

Solarkraftwerk in Kalifornien: "Man weiß nicht mehr, wo das Unternehmen hin will"

Erlangen - Das neue Geschäftsmodell von Solar Millennium Chart zeigen stößt auf wenig Gegenliebe bei Investoren. Nach einer radikalen Kehrtwende des Unternehmens bei einem Prestigeprojekt in den USA ging die Aktie des Solartechnik-Herstellers am Freitag auf Talfahrt. Das Papier verlor in der Spitze 59 Prozent auf 3,20 Euro. Im Handelsverlauf reduzierte sich das Minus etwas, dennoch lag der Verlust gegenüber dem Vortag immer noch bei mehr als 40 Prozent.

Solar Millennium hatte am Donnerstag angekündigt, bei einem geplanten Großkraftwerk in Kalifornien noch einmal ganz von vorne beginnen zu müssen. Statt wie bislang auf Solarthermie will das Unternehmen nun auf herkömmliche Photovoltaikmodule setzen. Zudem rutschte das Unternehmen im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres noch tiefer in die roten Zahlen. Der Nettoverlust stieg um 42 Prozent auf 40,7 Millionen Euro.

"Man weiß nicht mehr, wo das Unternehmen hin will", sagte Analyst Sebastian Zank von Quandt Research. Damit sei die Glaubwürdigkeit von Solar Millennium nicht zum ersten Mal beschädigt.

Vorstandschef Christoph Wolff begründete den Strategiewechsel in den USA mit veränderten Marktbedingungen: "Während vor weniger als zwei Jahren solarthermische Kraftwerke den günstigeren Strom lieferten, hat sich das Verhältnis mit den stark fallenden Photovoltaik-Modulpreisen insbesondere aus Asien in das Gegenteil verkehrt." Kurzfristige Erhöhungen bei Rohstoff- und Baupreisen hätten dagegen beim ursprünglich geplanten Projekt die Eigenkapitalrendite und die Risikovorsorge in Gefahr gebracht.

Photovoltaik-Projekt fortan auf dem freien Kapitalmarkt finanzieren

Eigentlich wollte Solar Millennium am Standort Blythe in der kalifornischen Wüste riesige Parabolspiegel zur Bündelung des Sonnenlichts aufstellen. Die dadurch entstehende Wärme soll Wasser zum Kochen bringen und mit dem Dampf Turbinen antreiben. Das Blythe-Projekt sollte die Leistungsfähigkeit eines Atomkraftwerks erzielen. Dafür lagen alle Genehmigungen und Förderungen vor. Trotzdem gelang die Finanzierung nicht. 2,8 Milliarden Dollar sollte der erste Teil des Projekts kosten, 75 Prozent davon waren durch Garantien der US-Regierung abgesichert.

Darauf verzichtet das Unternehmen nun. Stattdessen will es das Photovoltaik-Projekt fortan auf dem freien Kapitalmarkt finanzieren. Es gelte aber als fraglich, ob für das Solarthermiekraftwerk abgeschlossene Stromabnahmeverträge mit einem lokalen Versorger bestehen bleiben, sagte Analyst Zank. Zudem ist Solar Millennium in der Photovoltaik-Branche bislang nicht aufgefallen, auch wenn Vorstandschef Wolff sagte, dass bei der US-Tochter "bereits entsprechende Expertisen aufgebaut" worden seien.

Zudem erläuterte der Manager, dass die Entscheidung keine Abkehr von der Kerntechnologie seines Unternehmens sei. "Wegen der Grundlastfähigkeit messen viele Regionen auch weiterhin dieser Technologie eine hohe Bedeutung in ihrem Energiemix bei und stützen damit die Wachstumsaussichten von Solar Millennium." Die Technik soll etwa beim Wüstenstromprojekt Desertec eine wichtige Rolle spielen.

yes/dpa

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1. Heisst das, dass...
antizins 19.08.2011
Zitat von sysopInvestorenwatsche für Solar Millennium: Der Aktienkurs des Unternehmens bricht zeitweise um fast 60 Prozent ein. Anleger sind enttäuscht von der Strategie und den Geschäftszahlen des Solartechnik-Herstellers.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,781187,00.html
...das Projekt in USA jetzt anders finanziert werden muss, weil die US-Regierung anstatt 75 % der Kosten nicht die vollen 100 % uebernimmt? Wenn dem so waere sollten die Quandts vielleicht in die restlichen 25 % selber investieren, dann klappt's auch mit der Dividende. Irgendwie ging das jetzt nicht so ganz aus dem Arikel hervor. Lag's jetzt an den gestiegenen Rohstoffpreisen, an den fehlenden 25 % oder den KURZFRISTIGEN Geschaeftszahen oder wirklich an der Strategie?
2. Genau das was ich immer sage
DerDodga 19.08.2011
bei vielen dieser Technologien ist es einfach noch viel zu früh solche Grossprojekte in Angriff zu nehmen. Die extrem schnelle Weiterentwicklung lässt so etwas zu äusserst riskanten Manövern werden: Wenn etwa für eine riesige Solar-Farm heute zigtausend Zellen gekauft werden, diese nächstes Jahr jedoch nur noch halb so teuer sind, kann man schon kaum noch zu konkurrenzfähigen Preise anbieten mit dem erzeugten Strom. Genau dies ist auch meine ich noch für lange Zeit das Hauptargument gegen Experimente wie etwa auch Desertec - zumindest sollte sich der Staat dort eher raushalten und nicht noch mehr Geld dort verbrennen.
3. Das Referenzobjekt ist ein Desater!
lef 19.08.2011
SM hat sich mit dem Andasolprojekt profiliert. Diese Werke sind - das ist inzwischen wohl klar - ein Riesendesaster, mit gutem Grund werden keine Produktionszahlen veröffentlicht, der Strom ist mit 25 ct/KWh viel zu teuer, der Wasserverbrauch (Verdampfung von Kühlwasser) ist erschreckend hoch, die Speicher sind unbrauchbar und Vieles mehr. Wenn SM jetzt in den USA eine andere Technik wählt, obwohl SM damit keine Erfahrung hat, dann ist das mit Recht das Ende von SM. Und hoffentlich auch das Ende für DESERTEC, da sind die Probleme genau so ungelöst.
4. Deutschland wird Grün
Palmstroem 19.08.2011
Zitat von sysopInvestorenwatsche für Solar Millennium: Der Aktienkurs des Unternehmens bricht zeitweise um fast 60 Prozent ein. Anleger sind enttäuscht von der Strategie und den Geschäftszahlen des Solartechnik-Herstellers.*
Deutschlands Grüne Zukunftstechnologie scheint schon jetzt am Ar... zu sein. Außer (Subventions-)Spesen nichts gewesen.
5. ~
de.nada 20.08.2011
Zitat von sysopInvestorenwatsche für Solar Millennium: Der Aktienkurs des Unternehmens bricht zeitweise um fast 60 Prozent ein. Anleger sind enttäuscht von der Strategie und den Geschäftszahlen des Solartechnik-Herstellers.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,781187,00.html
Ich weiß wirklich nicht wo das noch hin führen soll ? Da muß sich doch mal die Ärzteschaft zuständig fühlen. Das mit dem "von Null beginnen" ist etwa so als ob sich ein Team zum America's Cup angemeldet hat und dann mit Ski und Rodel erscheint weil Skiwachs viel billger ist als ein Segelboot.
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  • Freitag, 19.08.2011 – 13:41 Uhr
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