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Längere Laufzeiten: Studie widerlegt Billigstrom-Versprechen der Atomriesen

Eine Studie bringt die Energieriesen in Erklärungsnöte: Nach SPIEGEL-Informationen würde der Strompreis bei einer Laufzeitverlängerung nur um wenige Euro sinken - wenn überhaupt. Die Konzerne hatten die mögliche Ersparnis für Verbraucher bislang deutlich höher angesetzt.

Atomkraftwerk Grohnde: Umstrittene Laufzeitverlängerung Zur Großansicht
dpa

Atomkraftwerk Grohnde: Umstrittene Laufzeitverlängerung

Hamburg - Eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke hätte weit weniger positive Auswirkungen auf den Strompreis als bisher angenommen. Laut einer Studie des Ökostromanbieters Lichtblick, die dem SPIEGEL vorliegt, würde ein normaler Haushalt jährlich maximal neun bis zwölf Euro weniger zahlen, sollten die Atommeiler länger am Netz bleiben. Durch die im Jahresverlauf stark schwankenden Energiepreise könnten die ohnehin geringen Einsparungen sogar völlig kompensiert werden.

Hauptgrund für die geringe Ersparnis ist laut Gutachten eine sich verfestigende Marktmacht der vier führenden Stromanbieter und damit ein geringerer Wettbewerbsdruck auf die Branche. Außerdem würde sich durch die geplante Verlängerung der Laufzeiten die Modernisierung des Kraftwerksparks verzögern, ältere Kohlekraftwerke dürften dadurch länger in Betrieb bleiben.

Die Ergebnisse der Lichtblick-Studie bringen die etablierten Stromanbieter in Erklärungsschwierigkeiten. Denn die hatten die mögliche Ersparnis für Stromkunden bislang deutlich höher angesetzt. Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), in denen die Stromkonzerne organisiert sind, spart ein normaler Haushalt bei einer Verlängerung der Laufzeiten angeblich bis zu 144 Euro im Jahr.

Ohnehin wird eine Verlängerung der Laufzeiten immer unwahrscheinlicher. Im Bundesrat hat die Regierung für ihr Atomgesetz keine Mehrheit, und ohne Zustimmung der Länder droht ein Rechtsdebakel. Das Bundesjustizministerium schreibt in einem Gutachten, dass selbst eine "moderate" Verlängerung der Laufzeiten ohne Zustimmung des Bundesrats höchst unsicher wäre. Bis Juli will die Regierung ein Konzept zur künftigen Energiepolitik und zu längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke vorlegen.

Neue Atomsteuer könnte Verbraucher 60 Euro pro Jahr kosten

Wegen des Sparpakets der Regierung könnten die Verbraucher beim Strompreis schlimmstenfalls sogar draufzahlen. Die Energiekonzerne sollen zur Haushaltssanierung künftig eine sogenannte Brennelementesteuer für ihre Atomkraftwerke leisten. Dadurch erhofft sich Schwarz-Gelb Mehreinnahmen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Noch ist unklar, wann genau die Steuer erhoben werden soll. Nach Angaben des Finanzministeriums soll sie selbst dann greifen, wenn eine Laufzeitverlängerung abgeblasen wird. Nach Angaben von Unionsfraktionschef Volker Kauder dagegen soll es ohne längere Laufzeiten keine Brennelementesteuer geben.

Klar ist dagegen schon jetzt: Kommt die Steuer, könnten die Verbraucher die Leidtragenden sein. Erfahrungsgemäß geben Unternehmen Kostensteigerungen an sie weiter. Nach Angaben des Branchenportals Verivox sollte eine vierköpfige Familie damit rechnen, rund 60 Euro im Jahr mehr für Strom bezahlen zu müssen. Grundlage der Berechnung sind Äußerungen eines Sprechers des Bundesfinanzministeriums, wonach eine Strompreiserhöhung um 1,5 Cent je Kilowattstunde realistisch sei.

Das Bundesfinanzministerium wies diese Berechnungen zurück. "Wir gehen nicht davon aus, dass der Verbraucher dadurch belastet wird", sagte ein Sprecher. Zum einen sei das Gewicht der Atomkraftwerkskosten für die Entwicklung der Strompreise gering. Zum anderen gebe es Stimmen aus der Stromwirtschaft, nach denen die neue Steuer vermutlich voll zulasten der Gewinnmargen der Unternehmen gehen dürfte.

doh/ssu/Reuters

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Forum - Das Sparpaket - gerecht und ausgewogen?
insgesamt 11602 Beiträge
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1.
Sumerer 07.06.2010
Zitat von sysopDas größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik ist beschlossen: Die schwarz-gelbe Regierung will den Etat bis 2014 um 80 Milliarden Euro kürzen. Einkommen- und Mehrwertsteuer werden zunächst nicht erhöht. Ist das Gesamtpaket Ihrer Meinung nach ausgewogen und gerecht?
Nein. Zuerst hätten die Verursacher des Schuldenberges der BRD an die denken müssen, die diesen beschlossen haben. Also an sich selbst.
2.
T. Wagner 07.06.2010
Mit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
3.
ergoprox 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Genau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
4. Lach...
nixkapital 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Wenn Sie die Meldung auf SPON meinen, scheinen Sie sich ja mit wenig bis nichts zufrieden zu geben. Bisher ist alles nur eine Absichtserklärung ohne konkrete Zahlen. Warten Sie mal ab, bis sich die Lobbyisten warmgelaufen haben, dann werden wir ja sehen, wer vor allem für alle sparen darf. Das werden weiterhin die Leute mit den kleinen Gehältern und die Arbeitslosen sein.
5.
T. Wagner 07.06.2010
Zitat von ergoproxGenau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
Von was sind Sie denn persönlich betroffen bei den geplanten Einsparungen? Fürchten Sie bereits jetzt schon, sich im Winter einen kalten Hintern zu holen, wenn die Heizkosten für Hartz-IV-Bezieher nicht mehr in voller Höhe übernommen werden?
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Atom-Comeback
Was die Energieriesen am Atom-Comeback verdienen könnten.
Extra-Einnahmen der Stromkonzerne
Atom-Comeback: Extra-Einnahmen der Stromkonzerne in Milliarden Euro
bei einem Strompreis von
50 €/MWh
bei einem Strompreis von
80 €/MWh
bei einem Strompreis von
120 €/MWh
bei einer Laufzeit von
40 Jahren
27 61 106
bei einer Laufzeit von
60 Jahren
83 193 339
Quelle: Wolfgang Paffenberger
Extra-Profite, Laufzeit 40 Jahre
Atom-Comeback: Extra-Profite in Mrd. Euro bei Laufzeit von 40 Jahren*
brutto Steuern ** netto
E.on 23 5,9 16,6
RWE 19 4,9 13,7
EnBW *** 13 3,5 9,7
Vattenfall 6 1,6 4,5
Übrige 0,7 0,2 0,5
gesamt 61 16,1 44,9
* bei einem Strompreis von 80 €/MWh
** Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag (=26 Prozent)
*** inklusive Anteil der Deutschen Bahn
Quelle: Wolfgang Pfaffenberger
Extra-Profite, Laufzeit 60 Jahre
Atom-Comeback: Extra-Profite in Mrd. Euro bei Laufzeit von 60 Jahren*
brutto Steuern ** netto
E.on 76 19,9 55,8
RWE 55 14,6 40,9
EnBW *** 39 10,2 28,5
Vattenfall 21 5,5 15,3
Übrige 2 0,6 1,7
gesamt 193 50,8 142,2
* bei einem Strompreis von 80 €/MWh
** Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag (=26 Prozent)
*** inklusive Anteil der Deutschen Bahn
Quelle: Wolfgang Pfaffenberger
Extra-Profit der Konzerne bei einer Laufzeit von 40 Jahren
Extra-Profit der Konzerne in Mio. Euro bei Laufzeit von 40 Jahren *
brutto Steuern ** netto
2010 1477 389 1088
2011 2305 607 1698
2012 2637 694 1942
2013 2637 694 1942
2014 3112 819 2292
2015 2677 705 1972
2016 4105 1081 3024
2017 4088 1076 3012
2018 4271 1124 3147
2019 3770 993 2778
2020 4928 1297 3631
2021 4928 1297 3631
2022 4453 1172 3281
2023 4453 1172 3281
2024 3984 1049 2935
2025 2000 527 1474
2026 2000 527 1474
2027 1490 392 1098
2028 1490 392 1098
* bei einem Strompreis von 80 €/MWh
** Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag (=26 Prozent)
Quelle: Wolfgang Pfaffenberger
Extra-Profit der Konzerne bei einer Laufzeit von 60 Jahren
Extra-Profit der Konzerne in Mio. Euro bei Laufzeit von 60 Jahren *
brutto Steuern ** netto
2010 1477 389 1088
2011 2305 607 1698
2012 2637 694 1942
2013 2637 694 1942
2014 3112 819 2292
2015 2677 705 1972
2016 4105 1081 3024
2017 4810 1266 3544
2018 5308 1397 3911
2019 5289 1392 3897
2020 6767 1781 4985
2021 6767 1781 4985
2022 6749 1777 4973
2023 6749 1777 4973
2024 6732 1772 4960
2025 6658 1753 4906
2026 6658 1753 4906
2027 6640 1748 4892
2028 6640 1748 4892
2029 6584 1733 4851
2030 6584 1733 4851
2031 6584 1733 4851
2032 6584 1733 4851
2033 6584 1733 4851
2034 6584 1733 4851
2035 6584 1733 4851
2036 6584 1733 4851
2037 5863 1543 4319
2038 5548 1460 4087
2039 5065 1333 3732
2040 4746 1249 3497
2041 4746 1249 3497
2042 4288 1129 3159
2043 4288 1129 3159
2044 3836 1010 2826
2045 1926 507 1419
2046 1926 507 1419
2047 1434 378 1057
2048 1434 378 1057
* bei einem Strompreis von 80 €/MWh
** Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag (=26 Prozent)
Quelle: Wolfgang Pfaffenberger
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