Landwirtschaft EU-Geld züchtet Großbetriebe

Immer mehr kleine Bauernhöfe müssen aufgeben. Ein Grund liegt in der Verteilung von EU-Geld, die große Betriebe bevorzugt. Das geht aus dem diesjährigen Agrar-Atlas hervor, den der SPIEGEL vorab einsehen konnte.

Kuhstall
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Die EU verteilt Hilfen für die Landwirtschaft so, dass immer mehr, vornehmlich kleine Höfe sterben - und zwar in allen Mitgliedsländern. Das zeigt der diesjährige Agrar-Atlas, den die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und Le Monde diplomatique am Mittwoch in Berlin vorstellen und die der SPIEGEL vorab einsehen konnte.

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Heft 2/2019
Das neue Berufsleben - zwischen Freiheit und Selbstausbeutung

Der Band, der umfänglich "Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft" auflistet, kommt zur rechten Zeit. Die EU diskutiert seit Monaten über eine Reform ihrer Agrarpolitik ab 2021. Das umstrittenste Element jedoch, die weitgehende Kopplung der meisten Direktzahlungen an die Unternehmensfläche, soll grundsätzlich beibehalten werden - auch auf Drängen Deutschlands.

Diese Politik hat dazu geführt, dass die EU-Bürger schon jetzt von immer weniger Höfen ernährt werden. Seit 2008 stieg die Zahl der Betriebe mit mehr als 100 Hektar um 16 Prozent. Sie machen nur drei Prozent aller Höfe aus, bewirtschaften aber mehr als die Hälfte der gesamten Nutzfläche.

Bundesbürger würden kleinere Höfe fördern

Von 2003 bis 2013 gab ein Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe in der EU auf, allein in Bayern starben in den vergangenen acht Jahren 13.860 Höfe. Nur noch rund die Hälfte der 270.000 deutschen Agrarbetriebe können ihre Besitzer noch ernähren, die anderen 50 Prozent werden nur noch im Nebenerwerb geführt.

Dabei wollen die Deutschen mehrheitlich kleinere Bauernhöfe fördern statt Agrarfabriken. Fast drei Viertel der Befragten wünschen sich eine stärkere staatliche Unterstützung mittlerer und kleinerer Betriebe, fand das Meinungsforschungsinstitut Forsa im November heraus.

"Wir müssen weg von pauschalen Flächenprämien", fordert Christian Rehmer, Agrarexperte des BUND, "und die Fördermittel sinnvoll einsetzen für den Erhalt bäuerlicher Betriebe und eine umweltfreundliche und tiergerechte Landwirtschaft."

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msc



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
Rubikon_2016 05.01.2019
1. Das wird die Lobby
der Großbetriebe, vornehmlich vertreten durch den sogenannten Deutschen Bauernverband, schon zu verhindern wissen. Da hören die Vertreter von CDU und CSU, so wie der SPD ja blind drauf und hinterfragen nichts. Dabei vertritt der Bauernverband eben nicht die Interessen der Bauern, um die es der Bevölkerung geht. Klüngel und Filz ohne Ende...
brutus972 05.01.2019
2. Die Heuschrecken haben auch schon
die EU-Subventionen für die Landwirtschaft entdeckt. Da werden ganze Dörfer übernommen, jedoch nur mit 5 Leuten, die Monokulturen großflächig bearbeitet, unter Einsatz von Giften und Überdüngung. Wir subventionieren noch den Arbeitsplatzabbau, die Vergiftung des Grundwassers und der Natur. Mit den von der EU subventionierten Exporten nach Afrika machen wir dann dort die Märkte kaputt und wundern uns das die Afrikaner dann an unseren Grenzen stehen....
uweskw 05.01.2019
3. was fehlt....
wie immer bei diesem Thema fehlen die wichtigen Zahlen: Wie viele der Milliarden gehen an Großbetriebe. Wie viele der Milliarden direkt in die Massenzucht? Greetz Uwe S
Rassek 05.01.2019
4. Da
schaue man sich mal an mit wem die Agrarminister so verbandelt sind. Hier herrscht leider Lobbyarbeit. Ähnliches finden Sie bei der Aufteilung der Vermögen - dort noch extremer. Es geht nicht um Idylle und lila Kuh. Es geht um Geschäft. Und da sch.. der Teufel den Haufen dahin, wo schon einer liegt.
charlie95 05.01.2019
5. Warum ...
sollte es in der Landwirtschaft anders zugehen, als in der Industrie oder im Handel. Dort erfolgt doch auch eine immer höhere Konzentration bei einigen wenigen Firmen. Mit dem Unterschied, dass die Großunternehmen in der Regel im Ausland sitzen Genausogut könnte gut man sagen. Viele Bundesbürger wünschen sich eine Arbeit in einem kleineren DEUTSCHEN Unternehmen oder wollen wieder im Tante Emma Laden einkaufen. Ist das wirklich so ?
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