Gläubigerversammlung: Schlecker-Kinder fordern Geld von Pleite-Firma

Das Schicksal von Schlecker ist besiegelt - jetzt geht es darum, wie viel für die Gläubiger übrig bleibt. Laut Insolvenzverwalter sind bisher Forderungen über 665 Millionen Euro eingegangen. Auch die Schlecker-Kinder Lars und Meike wollen Geld von dem Unternehmen haben.

Schlecker-Kinder Lars und Meike: Millionen-Forderungen an das Unternehmen Zur Großansicht
DPA

Schlecker-Kinder Lars und Meike: Millionen-Forderungen an das Unternehmen

Ulm - Die Gläubiger ziehen einen Schlussstrich unter das Kapitel Schlecker: Bei einem Treffen in Ulm beschlossen sie am Dienstag die Zerschlagung der Drogeriemarktkette. Doch damit geht der Kampf um das Geld erst richtig los: Laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz seien inzwischen Forderungen über 665 Millionen Euro eingegangen. Er geht davon aus, dass es am Ende etwa 800 Millionen Euro sein werden.

Auch die Kinder des Firmengründers Anton Schlecker, Lars und Meike, stehen auf der Liste der Gläubiger. Das bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters SPIEGEL ONLINE. Zur Höhe der Forderungen machte er keine Angaben. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" will Meike Schlecker 48,43 Millionen Euro, ihr Bruder Lars verlangt 48,9 Millionen Euro. Hinzu kämen Forderungen der privaten Logistikfirma LDG in Höhe von 76 Millionen Euro. Über die Hintergründe liegen keine Informationen vor.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Warenkreditversicherer Euler Hermes haben laut "Wirtschaftswoche" dreistellige Millionenbeträge als Forderungen angemeldet. Zudem wolle das Finanzamt noch 73,2 Millionen Euro von der Drogeriekette.

Insolvenzverwalter Geiwitz sagte nach der Gläubigerversammlung, es sei nochmals die Stilllegung des Geschäftsbetriebes bestätigt worden. Ein Großteil der noch verbliebenen 2800 Märkte wird damit schließen und schon in den nächsten Tagen mit dem Ausverkauf beginnen; mehr als 13.000 Mitarbeiter werden voraussichtlich Ende Juni ihre Kündigung erhalten.

Schlecker-Mitarbeiter sollen bei McDonald's unterkommen

Hunderte von ihnen demonstrierten am Dienstag vor dem Tagungsort. Sie riefen "Wir sind die Schlecker-Frauen" und hielten Plakate in die Höhe. Darauf forderten sie die Politik zum Handeln auf. Auf einem Plakat stand: "Wir fordern von der Politik eine Transfergesellschaft."

Für die einzelnen Schlecker-Unternehmensteile werden jetzt Lösungen gesucht. Für die spanische Tochterfirma sehe die Investorensuche "nicht schlecht aus", sagte Geiwitz. In Österreich beispielsweise sei es dagegen schwieriger.

Der Verkauf von Ihr Platz und Schlecker XL an den Münchener Investor Dubag zieht sich noch in die Länge. Es gebe noch eine gewisse Diskussion, sagte Geiwitz. Sein Kollege und Insolvenzverwalter der beiden Schlecker-Töchter, Werner Schneider, sagte, den Kaufvertrag gebe es schon. Er sei aber noch nicht unter Dach und Fach. Ein Sprecher des größten Schlecker-Gläubigers Euler Hermes sagte, "es fehlen noch Informationen seitens des Investors, wie die Finanzierung gesichert werden soll". Von der Zustimmung des Kreditversicherers hängt das Geschäft ab.

Die Bundesagentur für Arbeit sucht nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten für Schlecker-Mitarbeiter. "Wir führen Gespräche mit großen Firmen wie Amazon , McDonald's , Lidl oder dem Dänischen Bettenlager, um zu sehen, wo Verkäuferinnen unterkommen könnten", sagte Vorstandsmitglied Heinrich Alt der "Zeit".

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich für eine zügige Vermittlung der Betroffenen einsetzen. Weil die Frauen gleichmäßig auf das Bundesgebiet verteilt seien, stünden die Chancen dafür gut, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin.

stk/nck/dapd/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Interessant!
DJI 05.06.2012
Wie kommen die Dame und der Herr zu solchen Forderungen? Da muss eine wirklich gewaltige Leistung dahinterstecken, die die beiden erbracht haben. Ich bin gespannt, ob man weitere Details erfahren wird.
2. .
Methados 05.06.2012
Zitat von sysopDas Schicksal von Schlecker ist besiegelt - jetzt geht es darum, wie viel für die Gläubiger übrig bleibt. Laut Insolvenzverwalter sind bisher Forderungen über 665 Millionen Euro eingegangen. Auch die Schlecker-Kinder Lars und Meike wollen Geld von dem Unternehmen haben. Lars und Meike Schlecker fordern Geld von insolventer Drogeriekette - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,837147,00.html)
na, es sollte doch einem insolvenzverwalter möglich sein, den grund für die forderungen zu ermitteln. ich meine, die stellen doch keine rechnung ohne einen leistungsvermerk. ich schätze mal, der grund ist so obszön oder skandalös, dass er deswegen nicht genannt wird oder werden soll oder darf.
3. Unglaublich
ChakaChaka 05.06.2012
wenn man die beiden nett dreinschauenden Sprösslinge des ehemaligen Schleckerimperators so sieht, mag man nicht glauben, welche Gier in dem Menschen stecken kann. Unfassbar. Die ganze Konstruktion der Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen, in dem diese durch eine "Schlecker"-Leiharbeitsfirma an die Fa. Schlecker verliehen wurden und den Schleckernachfahren prächtige Gewinne bescherte, ist doch schon ein perfides System des Ausquetschens von Niedriglöhnern gewesen. Herr Clementhat muss solche Konstruktionen als intelligenter Mensch doch im Kalkül gehabt und also diese Form der Ausbeutung vermutlich ganz bewusst Vorschub geleistet haben, als er die Leiharbeit in Deutschland potegierte.
4. Solidarität-hier unbequem
friedrich1954 05.06.2012
Warum tritt der Staat/die Länder nicht mehr für die Schlecker-Frauen ein? Sonst wird doch überall der Ruf nach Solidarität laut. Eine überflüssige GEZ wird an Leben erhalten,die Schronsteinfeger setzt man qua Gesetz nicht dem krassen Wettbewerb aus und erhält deren Arbeitsplätze.Warum nicht bei den S-Frauen?Die verdienen wahrlich nicht viel.
5.
duenf 05.06.2012
Gehört den Kindern nicht die outgesourcede (Zeit-) Arbeitsfirma über die die Mitarbeiter angeheuert wurden? Mit dem Gedanken machen die Forderungen BWL-technisch schon Sinn. Die Kinder (Firma A) leihen an den Vater (Firma B) Mitarbeiter gegen Rechnung aus. B bezahlt die Rechnungen nicht --> A kann Forderungen stellen. Das Ganze hört sich aber trotzdem sehr unschön an.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Schlecker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 116 Kommentare
  • Zur Startseite