Ex-Vorzeigeunternehmer: Lars Windhorst feiert Comeback in Afrika

Helmut Kohl lobte ihn als "Jungen, der an die Zukunft glaubt": Lars Windhorst galt mit 18 Jahren als Wunderkind der deutschen Wirtschaft, doch zwei seiner Firmen endeten in der Pleite. Nach SPIEGEL-Informationen ist Windhorst nun wieder da - und kauft für Investoren Ackerland in Afrika.

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Windhorst: Ackerland das Ding der Zukunft

Er wurde einst als "Wunderkind" der deutschen Wirtschaft gefeiert. Dann rutschte der Unternehmer Lars Windhorst ab, wurde sogar wegen Untreue verurteilt. Nun ist der mittlerweile 35-Jährige wieder da. Nach SPIEGEL-Informationen kauft er Ackerflächen in Afrika und hat dafür gemeinsam mit Carl Heinrich Bruhn, einem Ex-Manager der Molkerei Theo Müller, die Firma Amatheon Agri gegründet.

Inzwischen habe Amatheon im südafrikanischen Sambia mehrere tausend Hektar Land gekauft, sagt Bruhn. "Wir werden in den nächsten fünf Jahren rund 50 Millionen Dollar dort investieren." Ackerland in Afrika sei definitiv das Ding der Zukunft, sagt Windhorst. "Wenn in London ein Fondsmanager glaubt, dass Ackerland in Sambia ein gutes Geschäft sei, dann wird er garantiert nicht derjenige sein, der nach Sambia geht und dort einen Betrieb aufbaut", so Windhorst gegenüber dem SPIEGEL. "Er sagt mir aber, wenn du, Windhorst, dort etwas aufbaust und servierst mir das in einem Jahr auf dem Silbertablett, dann zahl ich dir gern einen Aufpreis und investiere in deine Firma."

Bekannt wurde Windhorst Mitte der neunziger Jahre. Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) nahm den damals 18-jährigen Jungunternehmer mit auf eine Reise nach Vietnam. Kohl posierte mit Windhorst für Fotos und lobte ihn als einen "Jungen, der an die Zukunft glaubt". Doch der Höhenflug endete rasch. 2003 ging die Windhorst AG pleite, später verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Untreue in 27 Fällen. Auch ein zweites Unternehmen musste 2009 Insolvenz anmelden - Vatas, eine Tochter der Investmentgesellschaft Sapinda.

"Viele Regierungen verschenken das Land sogar"

Nun versucht Windhorst sein Glück in Afrika. Das Land sei dort nicht teuer, sagt sein Partner Bruhn. "Viele Regierungen verschenken es sogar." Dennoch verhandle Amatheon Agri mit jedem einzelnen Grundbesitzer und kaufe das Land zu fairen Preisen. Den Vorwurf des Landraubs ("Landgrabbing"), mit dem viele Entwicklungsorganisationen die Acker-Investments in Afrika brandmarken, weist Amatheon Agri zurück. Auf den Flächen in Sambia, die man derzeit kaufe, sei bisher gar kein Ackerbau betrieben worden. Außerdem wolle Amatheon Agri Lebensmittel für den afrikanischen Markt produzieren, für eine neue Mittelschicht, die sich das leisten könne.

Die Investments in Ackerflächen sind nur eines der neuen Geschäftsfelder von Lars Windhorst. Daneben hat seine Investmentfirma Sapinda nach eigenen Angaben Anleihen für Firmen wie Air Berlin, Freenet oder Infineon organisiert. Außerdem gehören Sapinda über die Tochterfirma Ichor Coal Kohlegruben etwa in Südafrika.

Sapinda hat nach Windhorsts Angaben in den vergangenen zweieinhalb Jahren Investments von rund 3,5 Milliarden Euro organisiert. Zu den Gesellschaftern von Windhorsts neuer Firma gehört unter anderem der Unternehmensberater Roland Berger, den Beirat von Sapinda leitet Hubertus von Grünberg, Verwaltungsratschef der Schweizer Energietechnikriesen ABB.

Mehr Informationen zu Lars Windhorst und seinen neuen Aktivitäten finden Sie im neuen SPIEGEL ab Montag am Kiosk und in der digitalen Ausgabe.

cte

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insgesamt 114 Beiträge
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1. Das
forumgehts? 19.08.2012
Zitat von sysopHelmut Kohl lobte ihn als "Jungen, der an die Zukunft glaubt": Lars Windhorst galt mit 18 Jahren als Wunderkind der deutschen Wirtschaft, doch zwei seiner Firmen endeten in der Pleite. Nach SPIEGEL-Informationen ist Windhorst nun wieder da - und kauft für Investoren Ackerland in Afrika. Lars Windhorst feiert Comeback in Afrika - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850855,00.html)
ist der Traumjob für Leute wie W. Damit kann er sich dumm und dämlich verdienen. Er muss nur aufpassen, wann das letzte Flugzeug für ihn bereit steht. Sonst kann es ihm passieren, dass er eines morgens aufwacht und sein Kopf liegt neben ihm. :)
2. Was wollen wir wetten...
hxk 19.08.2012
...dass es gleich Posting um Posting gegen Nahrungsmittelspekulation und so weiter hagelt? Oh, wenn diese Gutmenschen doch nur ein ganz klein wenig von Wirtschaft verstehen würden: Der Grund warum es Afrika so dreckig geht, während sich die Lage in Asien und Südafrika seit Jahrzehnten kontinuierlich verbessert sind *Investitionen*. In Asien und in Südafrika investieren Firmen aus aller Welt, um Afrika machen fast alle einen ganz, ganz großen Bogen. Wer Investoren jetzt als Spekulanten brandmarkt der zeigt, wie wenig er von der Materie versteht und dass es um eine die anti-westliche und anti-kapitalistische Gesinnung und nicht um die Menschen in Afrika.
3. Natuerlich
gandhiforever 19.08.2012
Zitat von sysopHelmut Kohl lobte ihn als "Jungen, der an die Zukunft glaubt": Lars Windhorst galt mit 18 Jahren als Wunderkind der deutschen Wirtschaft, doch zwei seiner Firmen endeten in der Pleite. Nach SPIEGEL-Informationen ist Windhorst nun wieder da - und kauft für Investoren Ackerland in Afrika. Lars Windhorst feiert Comeback in Afrika - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850855,00.html)
kauft der "Investor" nur Land, auf dem bisher kein Ackerbau betrieben wurde. Schliesslich ist er 'Agrarexperte' und weiss, dass man auf bisher unbestelltem Land die besten Voraussetzungen fuer den Anbau von Produkten findet, die die neue Mittelklasse sich leisten kann. Und weil das Land bisher nicht bestellt wurde, orientiert sich der "faire" Preis woran? Wer's glaubt, wird selig. Wer es nicht glaubt, den werden die Investoren vor Gericht zerren wegen Verleumdung.
4. Ein Mann mit Stehvermögen
der.letzte.dodo 19.08.2012
Man muss einmal mehr aufstehen als man hingefallen ist - oder so! Asiatische Spruchweisheit :-))
5.
CompressorBoy 19.08.2012
Zitat von sysopNach SPIEGEL-Informationen ist Windhorst nun wieder da - und kauft für Investoren Ackerland in Afrika.
Das ist doch mal was Feines - den Menschen vor Ort das Ackerland wegkaufen! Ich frage mich, was sie dann noch essen sollen - vielleicht die Blätter von den Bäumen?
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