Flensburger Schiffbau-Gesellschaft Lars Windhorst steckt Millionen in Schiffe

Werft gerettet - vorerst: Der Finanzinvestor Lars Windhorst hat nach Informationen von manager-magazin.de mit seiner Holding die Mehrheit an der angeschlagenen Flensburger Schiffbau-Gesellschaft übernommen.

Lars Windhorst (Archivbild)
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Lars Windhorst (Archivbild)

Von manager-magazin-Redakteur Thomas Werres


Finanzinvestor Lars Windhorst hat die Mehrheit an der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übernommen und damit einen Liquiditätsengpass der Werft beendet. Nach Informationen von manager-magazin.de übernahm Windhorsts Sapinda Holding vom norwegischen Eigentümer Siem Europe 76 Prozent der Firmenanteile.

Außerdem stellte der in London und Berlin arbeitende Investor der Werft über eine Kapitalerhöhung 33 Millionen Euro zur Verfügung. Der Vorbesitzer beteiligte sich an der Rettung, indem er der Umwandlung von 10 Millionen Euro Schulden in neue Anteile zustimmte.

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gehörte seit 2014 zur Gruppe Siem Industries, die für die Öl- und Gasindustrie tätig ist. Im Januar hatte die Werft den rund 1800 Beschäftigten keine Gehälter zahlen können, bis der Mutterkonzern einsprang. Grund sind Verzögerungen beim Bau einer Fähre und dadurch anfallende Vertragsstrafen. Auch andere Rechnungen blieben offen, eine Bürgschaft des Landes Schleswig-Holstein war geplatzt.

Mit dem frischen Geld hat die FSG wieder gute Aussichten. Die Auftragsbücher sind voll. Bis 2021 sollen in Flensburg vier große Passagierfähren und drei Frachtfähren gebaut werden. Auftragsvolumen insgesamt: eine Milliarde Euro.

Windhorst wurde einst als "Wunderkind" der deutschen Wirtschaft gefeiert und erlebte sowohl Höhenflüge als auch Abstürze. Bekannt wurde er Mitte der Neunzigerjahre. Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) nahm den damals 18-jährigen Jungunternehmer mit auf eine Reise nach Vietnam. Kohl posierte mit Windhorst für Fotos und lobte ihn als einen "Jungen, der an die Zukunft glaubt".

Doch der Höhenflug endete rasch. 2003 ging die Windhorst AG pleite, später verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Untreue in 27 Fällen. Auch ein zweites Unternehmen musste 2009 Insolvenz anmelden. Doch nach der Sapinda-Gründung hatte Windhorst wieder vermögende Anleger gefunden, die ihm vertrauten.

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insgesamt 9 Beiträge
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Andreas P. 12.02.2019
1. Falsche Zahlen
Die Werft hat nur noch knapp 700 Mitarbeiter, nicht 1800!
iffelsine 12.02.2019
2. Will noch jemand Geld verbrennen ?
Hier ist er richtig ! Woran liegt es wohl, dass die Fähre nicht termingerecht fertig wurde und nun tatsächlich Vertragsstrafen zu zahlen waren ? Sind für die kommenden Fähren gleiche Strafen zu zahlen ? Na denn mal los Herr Windhorst - ist ja nicht ihr Geld !
janbo 12.02.2019
3. Bürgschaft des Landes
Das eine Bürgschaft "platzt" wäre schon komisch...ich gehe davon aus, dass es gar keine geben konnte...
kuschl 12.02.2019
4. Gier frisst Hirn
Leute, die solchen windigen Finanzjongleuren ihr Geld in den Rachen werfen, wird es immer geben. Gier frisst eben Hirn. Also bis zur nächsten Pleite.
hegoat 12.02.2019
5.
Lars Windhorst - 2 Insolvenzen, 27 Fälle von Untreue und seine neue Gesellschaft hat offenbar wieder genug Millionen von Investoren bekommen. Da wird mal wieder gutes Geld Schlechtem hinterhergeworfen. Aber es ist ja nicht das Geld der Investoren, sondern der Anleger, die diesen Investoren ihr Geld anvertraut haben.
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