Finanztransaktionssteuer: LBBW-Chef warnt vor Milliardenloch

Die geplante Finanztransaktionssteuer würde ein Milliardenloch in die Bilanz der Landesbank Baden-Württemberg reißen. Laut LBBW-Chef Vetter würde das Geldinstitut durch die Steuer mit bis zu drei Milliarden Euro jährlich belastet, berichtet die "Stuttgarter Nachrichten". Der Bank drohe das Aus.

LBBW in Stuttgart: Milliardenloch durch Finanztransaktionssteuer Zur Großansicht
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LBBW in Stuttgart: Milliardenloch durch Finanztransaktionssteuer

Stuttgart - Die geplante Finanztransaktionssteuer gefährdet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): Nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" zeigte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter am Donnerstag in einer nicht öffentlichen Sitzung dem Finanzausschuss des Landtags auf, dass die Steuer die LBBW jährlich mit drei Milliarden Euro belasten würde.

Vetter habe unmissverständlich klargemacht, dass eine solche Summe für die Bank, die dem Land, dem Sparkassenverband und der Stadt Stuttgart gehört, nicht zu verkraften sei. "Das wäre das Ende der LBBW", berichteten Sitzungsteilnehmer dem Blatt.

Vetter habe im Finanzausschuss lediglich anhand einer Modellrechnung am Beispiel der LBBW darauf hingewiesen, "dass eine nicht sachgerechte Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer zu extrem hohen unerwünschten Effekten für die gesamte Bankenbranche führen würde", sagte ein LBBW-Sprecher am Donnerstagabend. Gleichzeitig habe der LBBW-Chef ausdrücklich deutlich gemacht, dass er mit einer solchen Entwicklung "nicht rechnet".

Unter dem Eindruck der weltweiten Finanzkrise wird seit Jahren über diese neue Steuer diskutiert, die auf Finanzgeschäfte erhoben werden soll. Die LBBW wäre dabei vor allem wegen des sogenannten Interbankenhandels - große Finanzgeschäfte mit sehr kurzen Laufzeiten - betroffen, schreibt die Zeitung.

Ein Sprecher der Bank verwies in der Zeitung auf die Bilanzpressekonferenz der LBBW am 29. April. Nach vorläufigen Berechnungen schloss die LBBW das Jahr 2012 mit einem Gewinn von rund 390 Millionen Euro ab. Finanzminister Nils Schmid (SPD) wollte auf Anfrage der Zeitung das drohende Drei-Milliarden-Loch weder bestätigen noch dementieren.

nck/dpa

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1. Da stellt man sich die Frage:
Brillalein 19.04.2013
Womit macht diese Bank ihr Geld, wenn die Steuer so 'reinknallt, wenn sie denn käme?
2. Da sieht mal mal was da für Umsätze gemacht werden...
heavenstown 19.04.2013
... und die Transaktionssteuer ist ja nur ein verschwindend geringer %-Satz...
3. Steuervermeidung
Zaphod 19.04.2013
Die Finanztransaktionssteuer kann leicht vermieden werden, indem die LBBW einfach weniger Transaktionen macht. Es stellt sich sowieso die Frage, wie sinnhaft diese Transaktionen sind. Wenn die LBBW 3 Mrd. Finanztransaktionssteuer zahlen müsste, so bedeutet dies, dass sie im 100 Mrd-Bereich jährlich Geschäfte tätigt. Trotzdem bleiben nur 300 Mio. Gewinn übrig. Da kann doch unmöglich die Relation zwischen Transaktionen und somit auch Risikoübernahmen und Ertrag stimmen. Womöglich ginge es der LBBW besser, wenn sie sich auf klassisches Bankgeschäft konzentrieren würde und weniger Eigenhandel betrieben würde?
4. ja, is klar....
derlabbecker 19.04.2013
Zitat von sysopAPDie geplante Finanztransaktionssteuer würde ein Milliardenloch in die Bilanz der Landesbank Baden-Württemberg reißen. Laut LBBW-Chef Vetter würde das Geldinstitut durch die Steuer mit bis zu drei Milliarden Euro jährlich belastet, berichtet die "Stuttgarter Zeitung". Der Bank drohe das aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lbbw-chef-warnt-vor-milliardenloch-durch-finanztransaktionssteuer-a-895287.html
... der Bürger bekommt immer mehr Steuern und Abgaben aufgebrummt, muss aber eine Bank Steuern zahlen kann sie das auf einmal nicht verkraften und droht mit dem Aus. Vielleicht sollten alle arbeitenden Bundesbürger mal auf einen Schlag Pleite gehen und keine Steuern und Abgaben mehr zahlen weil 'wir das so nicht mehr verkraften können'. Der Schäuble würd sich mal umgucken..... Wahrscheinlich hat der liebe LBBW Chef nur Angst, dass für sein Gehalt und die Boni nichts mehr übrig bleibt. Die Finanztransaktionssteuer ist die Antwort auf die zügellose Zockerei der Banken, die ja mit allem zockt was es gibt, wenn es möglich wäre würden die wohl auch mit Hundehaufen spekulieren. Die Steuer wird diese Exzesse nicht verhindern, aber zumindest die Allgemeinheit über die Steuer mal daran beteiligen. Leider glaube ich, dass das damit erlöste Geld dann wieder in höhere Diäten und weitere Miss- und Vetternwirtschaft unserer Politiker fließen wird. Zumindest wird sicherlich kein Cent davon verwendet um mal ein Schlagloch zu sanieren...
5. optional
thomas.b 19.04.2013
Ist doch gut, dass die Bank ein rechtzeitiges Signal sendet. Dann kann man die Abwicklung wenigstens ordentlich planen und sukzessive durchführen.
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Vor- und Nachteile der Finanzsteuer
Transaktionsteuer? Aktivitätsteuer? Zwei Konzepte werden diskutiert - ihre Vor- und Nachteile.
Transaktionsteuer: Vorteile
Der Staat könnte an den Finanzmärkten Geld abschöpfen. Wird die Steuer auf die gesamte Risikosumme erhoben, macht sie Spekulationen, die auf kurzfristige Kapitalumschichtungen ausgelegt sind, unattraktiver. Wird ein Wertpapier zum Beispiel einmal pro Jahr verkauft, beträgt die Steuer 0,2 Prozent. Wechselt das Papier einmal im Monat den Besitzer, würde für den Kapitalbetrag eine Steuer von 2,4 Prozent fällig. Wird der Betrag einmal wöchentlich transferiert, beträgt die Belastung schon 10,4 Prozent.
Transaktionsteuer: Nachteile
Firmen, die sich durch schnelles Umschichten von Anlagen gegen Währungsrisiken absichern, würden für umsichtiges Risikomanagement plötzlich bestraft.

Banken und andere Institute könnten die Kosten für die Finanztransaktionsteuer auf ihre Kunden abwälzen. Höhere Zinsen für Kreditnehmer sowie niedrigere Renditen für Sparer und Anleger wären die Folge. Das aber würde Investitionen, den privaten Konsum - und damit das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Die Intransparenz an den Märkten wird tendenziell erhöht. Werden Geschäfte auf den regulären Finanzmärkten besteuert, könnten Händler vermehrt auf alternative Handelsplattformen wie Turquoise oder Chi-X ausweichen. Hier hat der Staat jedoch keinen Zugriff.
Aktivitätsteuer: Vorteile
Die Finanzaktivitätssteuer wäre wesentlich punktgenauer, da sie nur Gewinne und Gehaltszahlungen von Bankern besteuert.
Aktivitätsteuer: Nachteile
Die Einnahmen stünden vermutlich in keinem Verhältnis zum Kontrollaufwand, der nötig wäre, um die Abgabe einzutreiben. In den Finanzhäusern würden vermutlich Mittel und Wege gesucht, wie Gewinne aus Spekulationen in der Bilanz an anderer Stelle ausgewiesen werden könnten.