Lebensmittel-Rückrufe Mauskopf in der Suppe

Metallteilchen im Erdbeerjoghurt, Haare in der Bolognese-Soße, verdorbener Bohneneintopf: Jedes Jahr rufen Lebensmittelhersteller viele Produkte zurück. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Sie richtig reagieren, wenn Sie eine Fledermaus in Ihrer Gemüsesuppe finden - und was Firmen tun sollten.

Von Julian Trauthig


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Ungewöhnliche Fundstücke: Überraschung in der Dose
Hamburg - Im ersten Moment dachte Andrea Paul*, dass in ihrer Dosensuppe von Erasco nur einige Gemüsestückchen zusammenkleben. Sie stocherte mit einer Gabel herum und versuchte, die Teile auseinanderzubekommen. Doch der schwarze, etwas schleimige Brocken blieb zusammen.

Erst ihr Vater erkannte, um was es sich bei dem Klumpen in ihrer Suppe handelte: eine verkochte Fledermaus.

Was nach einem absurden Zufallsfund klingt, kommt gar nicht so selten vor. Immer wieder gelangen Dinge in Lebensmittel, die dort nicht hineingehören. Zwar sind es in den wenigsten Fällen Fledermäuse - Metallteile oder Haare aber kommen häufiger vor.

Manchmal liegt es an Fließbandsensoren, die nicht richtig funktionieren, manchmal übersieht ein Mitarbeiter bei einer Kontrolle etwas. In jedem Fall kann das gefährlich werden. Für den Verbraucher und für das Unternehmen.

Alleine 2008 sind laut dem Europäischen Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) mehr als 2000 Lebensmittel in der EU zurückgerufen worden. Zwar schätzen die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die Verbraucherorganisation Foodwatch die Zahl an Extremfällen wie Mäusezähnen oder Fledermäusen im Essen auf wenige Prozent - doch auch die seltenen Fälle können Schaden anrichten.

"Für den Verbraucher können die Folgen von einem abgebrochenen Zahn bis zu einer Lebensmittel- oder Salmonellenvergiftung reichen", sagt Isabelle Mühleisen, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Deshalb ist eines wichtig: Sein Produkt möglichst schnell und gut gekühlt an die Lebensmittelüberwachung schicken - denn nur diese kommunal organisierten Behörden können gegen die Unternehmen vorgehen. Genauso wichtig ist es, die Verpackung und im Idealfall die Einkaufsquittung aufzubewahren. "So können Lebensmittelüberwachung und Unternehmen zurückverfolgen, wann genau das Produkt hergestellt und wo es verkauft wurde", sagt Mühleisen. Weil die Lebensmittelüberwachung keinen einheitlichen Namen hat, rät das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die zuständigen Stellen bei Stadt- oder Gemeindeverwaltung zu erfragen.

Unternehmen ziehen den "stillen Rückruf" vor

Klar ist: Für die Unternehmen wäre es besser, wenn sie eine Fledermaus in der Suppe selbst entdecken. "Am schlimmsten für einen Lebensmittelhersteller ist es, wenn die Behörde den Rückruf anordnet", sagt Michael Lendle, Geschäftsführer der Unternehmensberatung AFC Risk & Crisis Consult aus Bonn, einer der führenden Unternehmensberatungen im Krisen- und Risikomanagement bei Lebensmitteln. Zwar müssten die Unternehmen im Krisenfall die Behörden informieren, wenn also die Gesundheit der Verbraucher gefährdet ist. Sie können aber den sogenannten öffentlichen Rückruf selbst koordinieren und planen. Das Unternehmen muss dabei die gesamte betroffene Produktion öffentlich zurückrufen - was im vergangenen Jahr mehrfach geschehen ist, wie die SPIEGEL-ONLINE-Tabelle mit den dokumentierten größeren Fällen zeigt:

Rückrufe 2009

Bernbacher Original italienische Nudelsauce Bolognaise Haare
Zott zwei Sorten Erdbeerjoghurt Metallteilchen
Erasco Grüne-Bohnen-Eintopf verdorben
Delitzscher Schokoladen Cremeschokolade Erdbeer, Ananas, Himbeer Allergene Substanz (Milcheiweiß)
Carl Durach Delikatessrotkohl fein gewürzt Glassplitter
Kamps Mehrkornbrot Kunststoff -und Metallteile
Red Bull Cola Kokain
Tillman's Schinken-Zwiebelmettwurst Salmonellen

produktrueckrufe.de / SPIEGEL ONLINE

Deutlich lieber ist den Unternehmen darum der sogenannte stille Rückruf. Der Hersteller stellt bei eigenen Kontrollen Qualitätsunterschiede fest und nimmt das Produkt aus dem Handel, ohne dass die Medien informiert werden.

Kommt es tatsächlich zu ernsten Qualitätsproblemen, sind zwei Dinge für die Unternehmen wichtig: "Zum einen müssen die Öffentlichkeit und die Behörden rechtzeitig informiert werden, zum anderen muss die Produktmenge genau eingegrenzt werden können", sagt Lendle. Passiere das nicht, könne es den Unternehmen langfristig schaden. "Wenn die Produktion nicht richtig eingegrenzt werden kann, wird der Rückruf wegen der vielen Produkte teuer. Wenn sich die Öffentlichkeit schlecht an das Unternehmen erinnert, kann dieser Image-Schaden Millionen kosten."

Guter Rückruf gibt Vertrauen

Unter Umständen können Hersteller von Rückrufen trotzdem profitieren - nämlich langfristig. "Ein vernünftiger Rückruf gibt den Verbrauchern Sicherheit. Dadurch kann ein Unternehmen Vertrauen gewinnen", sagt Verbraucherschützerin Mühleisen. Im Idealfall holt das Unternehmen das Produkt beim Kunden ab und bezahlt alles. "In jedem Fall sollte jeder Betroffene darauf bestehen, dass ihm keine zusätzlichen Kosten entstehen. Selbst Portokosten sollten zurückgefordert werden."

Auch Andrea Paul schickte ihre Fledermaus direkt an den Konservenhersteller Erasco zurück. Das Unternehmen konnte sich den Fund zuerst nicht erklären, entschuldigte sich dann aber für den Vorfall. Die Fledermaus sei jedoch ein Mauskopf gewesen, teilt Erasco auf Anfrage mit. Außerdem sei er nicht sterilisiert gewesen - er könne also nicht während der Produktion in die Dose gelangt sein.

Kurze Zeit später entschuldigte sich das Unternehmen mit mehreren Paletten Konserven bei Andrea Paul. Die Dosen traute sie sich erst nach Monaten zu essen. Außerdem lässt sie die Suppen inzwischen durch ein Sieb laufen. Man weiß ja nie, was drin ist.

*Name von der Redaktion geändert

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
FastFertig, 13.01.2010
1. Fertiggerichte...
Der Fehler ist, eine Gemüsesuppe in der Dose zu kaufen. Bei frischem Gemüse sollte einem beim schon Kleinschneiden die Feldermaus auffallen und wenn Haare drin sind, dann sind es die eigenen.
Raproboter 13.01.2010
2. Wirklich sehr schockierend, aber:
Der Artikel ist ja stylistisch wirklich eher maessig. Und die Bildunterschriften sind voller Rechtschreibfehler.
Felicitas Flötotto 13.01.2010
3. .
journalistische Qualität in der Nähe von Stern und Focus Online, leider! Daß der Hersteller mit eigenen Produkten zur Wiedergutmachung reagiert finde ich etwas peinlich, icxh hätte die Suppen auch nicht mehr essen wollen. Nebenher gesagt: ein Freund aus dem Münsterland kann von geschredderten Mäusen im Spinat berichten, der wird dort nämlich im großen Stil angebaut. In unserer Stadt gibt es einen Giganten für Marmelade und Fruchtzubereitungen, Freunde, die dort als studentische Aushilfen arbeiteten, meiden diese Produkte, diejenigen, die beim örtlichen Schokofabrikanten waren, hingegen nicht.
chagall1985 13.01.2010
4. Also ich habe 1,5 Jahre bei Kraftfoods gearbeitet
In der Verbraucherhotline. Ja, das kommt regelmässig vor! Allerdings keine Mäuseköpfe oder Fledermäuse sondern Haare, Fingernägel, Metallstücke, etc. In den allermeisten Fällen allerdings werden diese Fundstücke von den Verbrauchern nachträglich deponiert. Das ist der wahre Routinefall! Häufig so dilettantisch das es jedem Mitarbeiter im ersten Monat beim öffnen auufällt. Und ja ein Päckchen bekommen die ebenfalls! Da gibt es allerdings einfachere Möglichkeiten Päckchen von Lebensmittelkonzernen zu erhalten. Das scheint diesen Leuten aber nicht bewusst zu sein. Die gehen lieber auf Nummer sicher!
ArbeitsloserMathematiker 13.01.2010
5. Essen in Deutschland
Mein Mitgefühl für die Dosen- und Tütenfraßvernichter hält sich in Grenzen.
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