Nestlé, Unilever, Wal-Mart So mächtig sind die Lebensmittelkonzerne

Wer verkauft uns, was wir essen? Ein Lebensmittelatlas illustriert den enormen Einfluss von Firmen wie Wal-Mart oder Nestlé - und die damit verbundenen Gefahren.

Edeka-Supermarkt in Rheinland-Pfalz
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Edeka-Supermarkt in Rheinland-Pfalz


Der meistdiskutierte Übernahmekampf in der deutschen Wirtschaft drehte sich 2016 weder um Maschinen noch Autos, sondern um Supermärkte. Dass Branchenführer Edeka am Ende tatsächlich den größten Teil von Kaiser's Tengelmann übernehmen durfte, hat der Konzern einer Sondererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu verdanken.

Monopolkommission und Bundeskartellamt hatten zunächst vor der Fusion gewarnt: Zu problematisch erschien ihnen die weitere Konzentration von Macht in einer Branche, in der die vier größten Konzerne schon bislang rund 85 Prozent des Marktes beherrschen.

Dass solche Sorgen nicht nur in Deutschland ihre Berechtigung haben, zeigt der "Konzernatlas 2017", der am Dienstag veröffentlicht wird. Die Datensammlung wurde unter anderem von der Hilfsorganisation Oxfam, dem Bund für Umwelt und Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung erstellt. Sie illustriert, wie groß die Macht von Konzernen bei der Herstellung und dem Handel mit Lebensmitteln ist.

Anteile der jeweils größten Lebensmittelhersteller in ausgewählten Märkten
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Anteile der jeweils größten Lebensmittelhersteller in ausgewählten Märkten

Insgesamt entfallen demnach 50 Prozent des weltweiten Umsatzes mit der Herstellung von Lebensmitteln auf gerade einmal 50 Firmengruppen. Und bei einzelnen Produkten ist die Konzentration noch deutlich höher.

So kontrolliert etwa der britisch-niederländische Unilever-Konzern Chart zeigen zusammen mit dem indischen Unternehmen Tata sowie Associated British Foods rund 80 Prozent des globalen Teehandels. Weltweit landet Unilever gemessen am Umsatz auf Platz sieben, an erster Stelle liegt Nestlé Chart zeigen. Die Geschäftspraktiken des Schweizer Konzerns stehen immer wieder in der Kritik - unter anderem wegen der aggressiven Vermarktung von Babymilchpulver in Entwicklungsländern.

Seit etwa 2010 ist dem Konzernatlas zufolge eine neue Fusionswelle unter Lebensmittelkonzernen zu beobachten, die von Finanzinvestoren vorangetrieben wird. So übernahm der Brauereikonzern Anheuser-Busch den Rivalen SABMiller, der Ketchuphersteller Heinz den Lebensmittelkonzern Kraft. Solche Zusammenschlüsse führen auch dazu, dass Verbraucher zwischen immer weniger Herstellern auswählen können. So stammen drei Viertel der in Westeuropa verpackten Babynahrung von den vier größten Herstellern, in Nordamerika sind es 88 Prozent und auf den als Ozeanien bezeichneten Pazifikstaaten sogar 92 Prozent.

Sitze der umsatzstärksten Lebensmittelhersteller
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Sitze der umsatzstärksten Lebensmittelhersteller

Immer größer werden neben den Produzenten auch die Verkäufer von Lebensmitteln. Die US-Kette Wal-Mart Chart zeigen, die 1962 mit einem Laden in Arkansas begann, steht mittlerweile allein für 6,1 Prozent des globalen Einzelhandelsumsatzes. Damit landet Wal-Mart nicht nur an der Spitze der Lebensmittelhändler, sondern übertrumpft als umsatzstärkstes Unternehmen der Welt sogar Ölkonzerne und Autohersteller.

Sitze der umsatzstärksten Einzelhandelsunternehmen
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Sitze der umsatzstärksten Einzelhandelsunternehmen

Unter den zehn größten Einzelhändlern sind mit Aldi, Metro Chart zeigen und dem Lidl-Mutterkonzern Schwarz auch gleich drei deutsche Unternehmen. Bedenklich ist die Größe ihrer Discounterketten laut Konzernatlas auch deshalb, weil sie Preise drücken können und die Verhandlungsmacht von Landwirten schmälern.

Wie groß dieser Einfluss ist, zeigte sich zuletzt im November: Nachdem die Milchbauern seit Langem über existenzbedrohend niedrige Preise geklagt hatten, genügte schließlich ein Signal von Aldi, damit der Rest der Branche innerhalb weniger Tage seine Preise ebenfalls um mehr als 40 Prozent anhob.

dab

insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 10.01.2017
1. Erst kommt
das Essen - dann die Moral !
Räuber Hotzenplotz 10.01.2017
2. Der Verbraucher entscheidet, ...
was er demnächst noch in den Regalen findet, denn der Handel verkauft nur das, was sich verkauft. Also öfter mal unabhängige Regionalmarken, auf Bauernhöfen, direkt bei kleinen Manufakturen und auf Märkten kaufen und damit die Top 10 von Industrie und Handel links liegen lassen. Einfach? Nee! Am billigsten? Nee! Geht? Na klar...wenn man nur will und seine Prioritäten richtig setzt...
dirk.resuehr 10.01.2017
3. Lebensmittelkonzerne?
Soind weder Walmart noch Edeka, noch Tengelmann. Also ist schon der Titel falsch. Geht es nun um Hersteller oder Einzelhändler? Gemeinsam für beide ist die Marktmacht durch Konzentration. Die hat allerdings auch Vorteile für den Verbraucher, da günstiger Einkauf oft weitergegeben wird. Wollen Sie Tante Emma zurück? Im digitalen Zeitalter sollten wir uns eher auf neue Vertriebs- und Lieferformen und Einkaufsmöglichkeiten fokussieren.
steffenbaensch777 10.01.2017
4. Der Konsument entscheidet
Ich sehe das Problem nicht so recht. Der Konsument entscheidet letztlich wohin die Entwicklung geht. Kauft er bei den Großen, dann werden die natürllich auch immer größer. Jeder hat heute die Möglichkeit sich über die bekannten Quellen zu Produzenten und Eigentümern informieren. Jeder kann doch jederzeit ein Unternehmen gründen, dass dem Kunden ein besseres Angebot macht. Hier wird ein Bild gemalt, das so aussieht, als gebe es bald keine Alternative mehr und das ist in diesem Fall Quatsch.
quark2@mailinator.com 10.01.2017
5.
Es sind nicht nur die Lebensmittel. Weltweit ballt sich alles in den Händen einiger weniger Superkonzerne. Nehmen wir die IT ... das sind 10 US-Konzerne und Samsung, mal leicht übertrieben dargestellt. Naja, China kommt nun natürlich ... Aber die Quintessenz bleibt die Gleiche ... Konzentration. Immer weniger (Schatten-)Banken besitzen z.B. einen Großteil des Geldes dieser Welt ... Der Prozeß ist leider systemimmanent.
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