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Lebensmittelskandale: Fleischkontrolleur verklagt Baden-Württemberg

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein hochrangiger Lebensmittelprüfer will jahrelang Missstände aufgedeckt haben - nur wenige seiner Hinweise seien weiterverfolgt worden. Jetzt hat er nach SPIEGEL-Informationen das Land Baden-Württemberg verklagt.

Hamburg - Jahrelang will Heinrich Wehrlin Missstände aufgedeckt haben. In der Lebensmittelindustrie habe er zahlreiche Probleme beanstandet - doch nur die wenigsten seiner Hinweise seien weiterverfolgt worden, sagt der Erste Landesprüfer für Vieh, Fleisch, Eier und Geflügel im Regierungspräsidium Freiburg.

Jetzt zieht er die Konsequenz: Nach SPIEGEL-Informationen hat Heinrich Wehrlin das Land Baden-Württemberg verklagt - auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Weil er sich unter anderem bei den Schlachthöfen unbeliebt gemacht habe, sei er einmal sogar in einem Kühlhaus eingesperrt worden, sagt der Fleischkontrolleur. Die Vorgesetzten hätten den Vorfall nicht verfolgt, sondern Druck auf ihn ausgeübt. Schließlich hätten ihn seine Vorgesetzten loswerden wollen. Wegen der "feindlichschikanösen" Angriffe und der Rufschädigung sei er krank geworden.

Der Kontrolleur verlangt deshalb 20.000 Euro Schadensersatz und mindestens 30.000 Euro Schmerzensgeld. Bei einer ersten Verhandlung vor dem Arbeitsgericht lehnte das Land die Forderung ab.

ssu

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1. Wen wundert das?
kaksonen 19.03.2011
Zitat von sysopDie Vorwürfe wiegen schwer: Ein hochrangiger Lebensmittelprüfer*will jahrelang Missstände aufgedeckt haben - nur wenige seiner Hinweise seien weiterverfolgt worden. Jetzt hat er nach SPIEGEL-Informationen das Land Baden-Württemberg verklagt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752004,00.html
Im Land der 7-Hühnchen-Nudeln (http://www.stern.de/wirtschaft/news/birkel-affaere-darmpakete-und-persilscheine-614136.html) bleibt es nicht aus, dass man sich als verantwortungsbewusster Lebensmittelprüfer unbeliebt macht und sich sogar in Gefahr begibt! Das kommt davon, dass dieses Land seit 1953 schwarz regiert wird. Da war die Verfilzung nicht zu vermeiden!
2. Auflehnung gegen Regierung ist ehrenhaft, aber privat immer nachteilig
Fettnäpfchen 19.03.2011
Ich halte es für glaubwürdig, dass die Regierung nicht auf Mißstände reagiert hat. Die Lebensmittelindustrie ist viel zu mächtig, als dass die Politik etwas gegen sie unternehmen würde. Wir werden von der Industrie regiert, ab und zu noch vom Bundesverfassungsgericht, aber nur noch äußerst selten von unseren Politikern. Es wäre gut, wenn dieser Fall noch mehr in den Medien diskutiert werden würde, um die Verfilzung von Politik und Industrie darzustellen. So mancher Wähler könnte vielleicht noch umgestimmt werden.
3. ...
KarlKäfer, 19.03.2011
Mich wundert in B-W nichts mehr. Da wird mit Tränengas auf Minderjährige gezielt, obwohl dies gemäß den Polizeianweisungen nicht gestattet ist. Bäume trotz Fällverbot, gefällt. Mit Wasserwerfern friedliche Demonstraten abgeschossen, der Landesvater führt sich auf wie ein Kaiser und kauft mal eben auf Kosten seiner Untergebenen großkotzig ein. Frau Gönner geht meldepflichtigen Vorkommnissen in AKWs nicht nach, etc. pp. Da ist so eine Fleischvergiftung wohl nur das kleinere Übel.
4. ja ja
heuwender 19.03.2011
Zitat von kaksonenIm Land der 7-Hühnchen-Nudeln (http://www.stern.de/wirtschaft/news/birkel-affaere-darmpakete-und-persilscheine-614136.html) bleibt es nicht aus, dass man sich als verantwortungsbewusster Lebensmittelprüfer unbeliebt macht und sich sogar in Gefahr begibt! Das kommt davon, dass dieses Land seit 1953 schwarz regiert wird. Da war die Verfilzung nicht zu vermeiden!
ach was haben wir in BW für tolle MP gehabt,einer bessser wie der andere,doch die Krönung ist Mappus ein Luser durch und durch und lügen kann der Bengel,noch besser wie Guttenberg welchem er jetzt das Gel in die Haare schmieren nachmacht,ergo ein Schmiermaxe der auch auf dem Kiez eine Anstellung finden könnte. Was das Wählervolk als verdorbene oder gar gepanschte Lebensmittel bekommt interessiert diese Bagage keinesfalls. Hoffentlich ist die schwarze Äre bald vorbei in BW,es wäre ein Segen Gottes.
5. Lebensmittelprüfer
Inuk 20.03.2011
Zitat von sysopDie Vorwürfe wiegen schwer: Ein hochrangiger Lebensmittelprüfer*will jahrelang Missstände aufgedeckt haben - nur wenige seiner Hinweise seien weiterverfolgt worden. Jetzt hat er nach SPIEGEL-Informationen das Land Baden-Württemberg verklagt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752004,00.html
Die Geschichte erinnert mich an die Steuerfahnder in Frankfurt. Dort wurden erfolgreiche Fahnder zwangsbeurlaubt – teilweise für verrückt erklärt, weil sie durch ihre Prüfungen die vielleicht kriminellen Geschäfte der Großbanken gestört und Steuerhinterziehungen aufgedeckt haben. Meine Sympathie gehört dem Lebensmittelkontrolleur und ich wünsche ihm viel Erfolg. Ich bin sicher, dass die kontrollierten und bemängelten Unternehmen sich mit Geldspenden an die Parteien freigekauft haben.
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Ampelkennzeichnung: Was wirklich in Lebensmitteln drin ist

Die Health-Claim-Verordnung der EU
Seit 2007 ist die "Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel" der EU in Kraft. Hersteller von Lebensmitteln können seitdem Health-Claim-Anträge bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) einreichen. Ziel der Verordnung: Jede Angabe auf einem Etikett über den gesundheitlichen Nutzen des Produkts muss durch wissenschaftliche Nachweise abgesichert sein. Diese werden von der Efsa überprüft.
Health Claims nach Artikel 13.1
"Kalzium ist gut für Ihre Knochen", oder "Omega-3-Fettsäuren senken den Cholesterinspiegel". Allgemeine Claims dieser Art gehören in die Kategorie 13.1. Ursprünglich waren mehr als 40.000 Anträge auf Claims dieser Art bei der Efsa eingegangen. Die EU-Behörde hat die Liste inzwischen auf 4186 reduziert. Wann die Positivliste der erlaubten Werbeaussagen fertiggestellt sein wird, ist noch nicht absehbar. Urprünglich sollte sie Ende Januar 2010 veröffentlicht werden. Doch bisher sind erst knapp tausend solcher Health-Claim-Anträge abgearbeitet. Grundsätzlich darf sich jeder Hersteller aus der Liste bedienen und sein Produkt mit den erlaubten Claims bewerben, sofern es bestimmte Nährwert-Anforderungen erfüllt. Diese wurden allerdings von der EU-Kommission noch nicht genau festgelegt.
Health Claims nach Artikel 13.5
"Actimel unterstützt das natürliche Abwehrsystem im Darm", oder "Activia hilft mit seiner speziellen Kultur regelmäßig das Darmwohlbefinden zu verbessern". Das sind gesundheitsbezogene Angaben im Hinblick auf "neue Wirkungen", wie es die Efsa formuliert. Gemeint sind damit individuelle Health Claims, die nur für ein bestimmtes Produkt gelten. Von dieser Sorte wurden bisher insgesamt 280 Anträge bei der Efsa eingereicht, 80 sind erst abgearbeitet, sechs wurden wieder zurückgezogen. Die Antragsteller müssen umfangreiche wissenschaftliche Nachweise vorlegen, die die gesundheitsbezogenen Angaben belegen.
Health Claims nach Artikel 14
"Verringert den Cholesterinspiegel", "senkt das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten". Werbeaussagen dieser Art, also Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos, fallen unter Artikel 14 der Health-Claim-Verordnung. Ebenso sind Angaben über die Gesundheit und Entwicklung von Kindern darunter definiert. Auch in diesen Fällen müssen die Antragsteller wissenschaftliche Nachweise erbringen, die diese Effekte belegen.
Was passiert, wenn ein Health Claim abgelehnt wurde?
Ohne eine Zulassung nach der Health-Claim-Verordnung darf eine gesundheitsbezogene Angabe für ein Lebensmittelprodukt nicht mehr verwendet werden, auch nicht in der Werbung. Die Behörden räumen den Herstellern jedoch eine Frist von sechs Monaten ein, innerhalb der sie die Werbeaussagen vollständig vom Markt nehmen müssen. Angaben über die Entwicklung und Gesundheit von Kindern müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Nur sofern vor dem 19. Januar 2008 ein Antrag auf Zulassung gestellt wurde, gilt für sie eine Übergangsregelung.
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Negativ-Preis: Der Goldene Windbeutel

Nährwertkennzeichnung
Zwischen Industrie, Politik, Gesundheitsexperten und Verbraucherschützern wird seit langem erbittert über die Nährwertkennzeichnung gestritten: Gesundheitsexperten und Verbraucherorganisationen fordern eine farbliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nach einem Ampelsystem. Mit den Farben grün (niedrig), gelb (mittel) und rot (hoch) soll dem Verbraucher einfach und schnell signalisiert werden, was er isst. Die Lebensmittelindustrie lehnt dieses System jedoch ab - weil es bestimmte Lebensmittel diskriminiere. Sie hat sich stattdessen auf das sogenannte GDA-System (Guideline daily amount) verständigt, das den Nährwert bezogen auf Portionsgrößen angibt. Die aber sind laut Kritikern so willkürlich gewählt, dass sie den Vergleich schwierig machen. Außerdem geht das GDA-System von unrealistischen Portionsgrößen aus: So empfehlen sie etwa eine halbe Tiefkühlpizza oder eine winzige Handvoll von 25 Gramm bei Erdnüssen. Im Juni 2010 hat das EU-Parlament die Einführung einer europaweiten Ampelkennzeichnung abgelehnt.

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