Lebensversicherungen Generali will sich von vier Millionen Verträgen trennen

Der Versicherungskonzern Generali will sein klassisches Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland verkaufen. Verbraucherschützer kritisieren den Deal, weil das Vertrauen der Kunden erschüttert werde.

Generali-Büro in Mailand
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Generali-Büro in Mailand


Der Versicherungskonzern Generali will sich von seinen klassischen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland weitgehend trennen. Der Abwickler Viridium aus Neu-Isenburg soll rund 90 Prozent an der Generali Leben mit vier Millionen Verträgen übernehmen.

Generali selbst behält die restlichen Anteile und sichert sich außerdem die Option, sich mit bis zu zehn Prozent an Viridium zu beteiligen, wie beide Seiten an diesem Donnerstag mitteilten.

Generali Leben wird bei der Transaktion mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten gut an. Die Generali-Aktie gewann am Morgen in Mailand mehr als zwei Prozent an Wert.

Die Generali hatte schon länger über einen Verkauf ihrer Leben-Tochter nachgedacht und eine Entscheidung für diesen Sommer in Aussicht gestellt. Bevor der Deal wirksam wird, muss aber die Finanzaufsicht Bafin zustimmen.

Lebensversicherer leiden wie Verbraucher seit Jahren unter den anhaltenden Niedrigzinsen. Die hohen Renditeversprechen für alte Verträge mit einem Garantiezins von bis zu vier Prozent können sie am Markt kaum mehr erwirtschaften.

Verbraucherschützer sehen solche Deals kritisch

Abwickler wie Viridium stehen unterdessen bereit, die Vertragsbestände klassischer Lebensversicherungen zu übernehmen und die Policen der Kunden bis zum Ablauf weiterzuführen. Viridium gehört dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück.

Verbraucherschützer sehen solche Deals kritisch. "In einer ohnehin für die Kundschaft von Kapitallebens- und Rentenversicherungen intransparenten Lage wird das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lebensversicherungen weiter erschüttert", sagte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

Für die Kunden soll sich durch den Verkauf aber nichts ändern. "Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert", schreibt Generali. Das soll auch die Prüfung durch die Bafin sicherstellen. "Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden", sagte Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht der Bafin.

Die Düsseldorfer Konkurrentin Ergo, die zum weltgrößten Rückversicherer Munich Re gehört, hatte sich 2017 gegen einen Verkauf ihrer Töchter entschieden - wegen der gebotenen Kaufpreise, aber auch wegen eines drohenden Imageschadens. Auch Europas größter Versicherer Allianz hat einen Verkauf deutscher Lebensversicherungsbestände an einen Abwickler wiederholt ausgeschlossen.

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hej/dpa-AFX



insgesamt 21 Beiträge
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allessuper 05.07.2018
1. Verbraucherschützer
hängen leider immer hinterher. Generali ist das Vertrauen der Kunden inzwischen ziemlich egal. Es geht nur noch um den großen Reibach, in den letzten Jahren Tendenz exponientiell steigend. Hier wäre ein Hintergrundbericht zum Thema Lebensversicherungen, Fonds und Rendite sehr willkommen, liebe Spios.
kaischek 05.07.2018
2. Wasser bis zum Hals
Der Generali muss das Wasser bis zum Hals stehen, wenn sie solche Deals auch nur laut in Erwägung zieht. Ein Verkauf wirkt auf mich wie eine Bankrotterklärung. Die Generali erschüttert damit einen der Grundpfeiler ihres Geschäfts: das Vertrauen ihrer Kunden. Bei einem Versicherer um den es derart dramatisch steht, schließe ich keine Versicherung ab. Wer weiß, ob ich mein Geld je wiedersehe.
amiba 05.07.2018
3. Bammel, mehr Wissen oder was könnte der Grund sein
Aktuell stellt sich mir die Frage ob ich auf die Aussage einer Jugoslawin hin, "in Jugoslawien, hätte man vor dem ausgebrochenen Krieg auch erst mal alle Waffen eingesammelt" etwas zu geben ist und man sich deshalb Gedanken machen muß. Also mehr dahinter steckt als nur die Zinsen?
henry.miller 05.07.2018
4.
Eine Lebensversicherung als Kapitalanlage ist Mist. Intransparent und teuer. So etwas lief nur Deutschland.
didier_six 05.07.2018
5. Muss nicht zum Nachteil der Kunden sein
Vorab: ich arbeite selbst in der Lebensversicherungsbranche. Ich sehe auch einige Dinge in der Branche kritisch, andererseits geht mit das pauschale Draufhauen auch auf den Wecker, vor allem bei Riester, aber das ist ein anderes Thema. Zur Sache: dass die Generali seit Jahren bei diversen Kennzahlen nicht gut aussieht, ist kein Geheimnis. Auch die Überschussbeteiligung für die Kunden ist seit Jahren schlecht und Sie waren auch eine der ersten, die sich von Klassikprodukten zurückgezogen haben. Das hat schon seine Gründe. Ein Verkauf kann für die Kunden daher wirklich vorteilhaft sein, denn 1.) prüft die BAFIN hier wirklich sehr genau, dass keine Benachteiligung für Kunden entsteht 2) Was passiert, wenn Generali nicht verkauft ? Das Neugeschäft ist konstant rückläufig, die Kunden und die Anzahl der Verträge werden permanent weniger. Die Kosten sinken aber nicht in gleichem Maße. Folge: die alten Bestände werden permanent unrentabler, die Kunden erhalten keine oder nur sehr geringe Überschüsse. Da kann ein neuer Anbieter mit mehr Verträgen oft effizienter arbeiten. Ich bezwifle daher wirklich, dass die Kunden bei der Generali langfristig besser aufgehoben wären
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