Lebensversicherungfonds: Verband rügt Todeswetten der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank bekommt Ärger wegen einer morbiden Geschäftsidee: Mit einem ihrer Fonds kann man wetten, wie lange Menschen noch leben. Ein schneller Tod steigert den Gewinn. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es nun Kritik vom Bankenverband. Das Produkt sei mit der Menschenwürde kaum vereinbar.

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Rentner in Florida: Deutsche Bank bietet Wetten auf den Tod von betagten Amerikanern

Hamburg - Investments sind bisweilen zynisch, doch ein spezieller Fonds der Deutschen Bank Chart zeigen rangiert in der Galerie der obskuren Anlageprodukte ganz weit vorne: Der Fonds nennt sich db Kompass Life 3. Mit ihm kann man auf die Lebenserwartung von Menschen spekulieren.

Kompass Life 3 ist der morbideste von drei Lebensversicherungsfonds, für die die Deutsche Bank über 700 Millionen Euro bei Kleinanlegern eingesammelt hat. Normalerweise kaufen solche Fonds Lebensversicherungen auf, um im Todesfall die Versicherungssumme zu kassieren.

Beim Kompass Life 3 ging die Deutsche Bank weiter: Sie kaufte keine echten Policen mehr. Stattdessen bot sie den Anlegern eine Art Wette auf die Restlebensdauer von rund 500 Personen an, die von einer "Tracking Company" regelmäßig kontaktiert werden.

Das Produkt basiert auf komplexen versicherungsmathematischen Modellen, doch es funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Je früher die sogenannten Referenzpersonen des Fonds sterben, desto höher ist der Gewinn für die Anleger.

"Mit der menschlichen Würde kaum in Einklang zu bringen"

SPIEGEL ONLINE hatte bereits im September 2010 über den Fonds berichtet und Auszüge aus einer elfseitigen Broschüre der Deutschen Bank zitiert. Diese klingt wie die Versuchsanordnung in einem Labor. Die Rede ist von mehr als 500 "Referenzpersonen im Alter von 72 bis 85 Jahren". Balkendiagramme und Tabellen zeigen, wie viele Männer und Frauen dabei sind und aus welchen US-Bundesstaaten sie stammen. Die Referenzgruppe stellt regelmäßig ihre Gesundheitsdaten zur Verfügung. Auf deren Basis wird ihre verbleibende Lebensdauer errechnet.

Jetzt ruft das Modell nach Informationen des SPIEGEL auch den Bankenverband auf den Plan. "Dies ist mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen", schreibt dessen Ombudsstelle des Bankenverbands an einen Anleger, der sein Geld zurückfordert. Ein Gericht müsse die Frage klären, ob die "Wette auf die Lebensdauer eines ausgewählten Personenkreises nicht gegen sich aus unserer Sittenordnung ergebende Verhaltensverbote verstößt".

Der Rechtsanwalt Tilman Langer, der rund 30 Anleger des Fonds vertritt, nannte Kompass Life 3 ein "makaberes Rechenspiel ohne jedes Investitionsobjekt". Anleger hatten gegenüber SPIEGEL ONLINE angegeben, gar nicht genau gewusst zu haben, in was sie da investieren. Die Deutsche Bank dagegen teilte mit, "Anleger umfassend auf Chancen und Risiken hingewiesen" zu haben.

Auch andere Institute machen morbide Geschäfte mit Lebensversicherungen. Ein verbreitetes Geschäftsmodell unterscheidet sich allerdings in einem Punkt von den Todeswetten des Deutsche-Bank-Fonds. Die Institute kaufen Lebensversicherungen von Amerikanern auf, die ihre Police nicht mehr brauchen und lieber verkaufen, statt sie aufzulösen. Die Geldhäuser spekulieren auf hohe Ausschüttungen, wenn der Versicherte stirbt. Auch hier gilt das Prinzip: je früher, desto höher ist der Gewinn.

ssu

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Nachhilfe
Ontologix II 05.02.2012
Zitat von sysopDie Deutsche Bank bekommt Ärger wegen einer morbiden Geschäftsidee: Mit einem ihrer Fonds kann man wetten, wie lange Menschen noch leben. Ein schneller Tod steigert den Gewinn. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es nun Kritik vom Bankenverband. Das Produkt sei mit der Menschenwürde kaum vereinbar. Lebensversicherungfonds: Bankenverband rügt Todeswetten der Deutschen Bank - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813421,00.html)
Da könnte doch ein Anleger auf die Idee kommen, etwas nachzuhelfen, damit seine Rendite steigt ...
2. Glücksspiellizenz
syracusa 05.02.2012
Zitat von sysopDas Produkt sei mit der Menschenwürde kaum vereinbar.
Abgesehen davon fällt dieses "Finanzprodukt" ja wohl ganz eindeutig in die Kategorie Glücksspiel. Hat die Deutsche Bank die dazu nötige Lizenz? Und führt sie wie andere Casinos etwa 90% des Wettgewinns an den Fiskus ab?
3. Idee ist nicht schlecht
henry01 05.02.2012
Die Idee ist vom Prinzip her nicht schlecht. Ein Zweitmarkt für Lebensversicherungen, in die schon eingezahlt wurde, existiert eigentlich nicht. Man kann sie nur zum Rückkaufswert zurückgeben und wir dann von den Lebensversicherern über den Tisch gezogen. Insofern kann man sich, wenn richtig strukturiert, diese hohe "Geld/Brief-Spanne" zwischen Verkäufer und Fond teilen. Problem ist jedoch häufig, dass die Fondverwaltung zu viel Management- und Strukturierungsgebühr verlangt, so dass es sich für die Anleger nicht rechnet. Das Argument, dass man auf den frühen Tod der Versicherten wettet, lass ich nicht gelten. Nach der Logik wettert jeder Lebensversicherte auf seinen eigen Tod, da dann die Erben mit wenig Einsatz viel heraus bekommen.
4. Applaus
prefec2 05.02.2012
Schon heute spekulieren Rentenversicherer auf ein frühes Ableben. Sonst würde sich das Geschäft ja kaum lohnen. Dass die Deutsche Bank das nun auch transparent an die Kunden durchreicht halte ich nicht für morbider als bisherige Rentenversicherungen. Problematischer finde ich da schon die Datenerhebung von Gesundheitsdaten. Datenschutz sieht auf jeden Fall anders aus. Aus SIcht von Kapitalisten ist das aber alles kein Problem, schließlich ist das nur eine Methode das finanzielle Risiko zu managen. Kapitalismus und Ethik passen halt nicht zusammen. Aber auch das ist keine Neuigkeit. Die Aufregung wegen diesem Fond halte ich da total übertrieben.
5. ---
wemhöber 05.02.2012
Des einen Schuld - des anderen Vermögen. Des einen Tod - des anderen Freud. Es ist immer wieder das gleiche Strickmuster, besonders bei der DB.
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