Lehman Brothers Die Kunstschätze der Pleite-Banker

Die Lehman-Pleite stürzte die Welt in die Finanzkrise, jetzt wollen die Insolvenzverwalter wenigstens etwas Geld für die Gläubiger retten: Sie versteigern die Kunstsammlung der Unglücksbanker. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl der Werke, darunter Arbeiten von Gerhard Richter.

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Hamburg - Es ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein: Die Kunstsammlung der Pleite-Bank Lehman Brothers kommt unter den Hammer - zwei Jahre nach dem Zusammenbruch. Bei der Versteigerung am 25. September in New York rechnet das Auktionshaus Sotheby's mit Erlösen von 10 Millionen Dollar. Außerdem bringt Christie's am 29. September Gemälde, Objekte und Firmenschilder der europäischen Büros von Lehman zum Aufruf. Deren Potential wird auf 3,2 Millionen Dollar geschätzt.

Macht zusammen 13,2 Millionen Dollar. Doch dieser Summe stehen gewaltige Schulden gegenüber: Lehman hat bei der Pleite ein Minus von 613 Milliarden Dollar angehäuft.

Für Kunstfreunde sind die Auktionen dennoch ein Höhepunkt (siehe Fotostrecke oben). Bei Sotheby's gibt es unter anderem ein Kabinett des britischen Skandalkünstlers Damien Hirst. Das Werk "We've got Style (The Vessel Collection - Blue)" aus dem Jahr 1993 soll zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar bringen. Auch die Schätzungen für andere Gemälde bewegen sich jenseits der Halbmillionengrenze, dabei geht es um Werke der zeitgenössischen Künstler Gerhard Richter, Liu Ye, Julie Mehretu, Mark Grotjahn und Neo Rauch.

Treibt das Wort "Lehman" die Preise?

Die Herkunft des Kunstschatzes: Als Lehman Brothers 2003 die Investmentgesellschaft Neuberger Berman übernahm, brachte diese auch eine bedeutende Kunstsammlung mit - Gründer Roy Neuberger war ein passionierter Sammler, der sich auch im Arbeitsumfeld gerne mit Werken noch nicht allzu arrivierter Künstler umgab.

Werke unter anderem von Gary Hume und Lucian Freud, die die europäischen Büros der Lehman-Banker schmückten, kommen bei Christie's in London zum Aufruf. Allerdings schienen die britischen Lehman-Mitarbeiter auch ein Faible für traditionelle Malerei zu haben: Etliche klassische Seestücke und Sportmotive finden sich in deren Sammlung.

Glaubt man den Auktionatoren, wirkt sich die Verbindung zu Lehman sogar wertsteigernd auf die Objekte aus - Kunstwerke mit Geschichte haben eben einen eigenen Reiz.

Zyniker interessieren sich vielleicht sogar für ein Erinnerungsstück, das verlorenes Vermögen repräsentieren könnte: Etwa das hochglanzpolierte Firmenschild der Londoner Dependance oder die Plakette, die an die Eröffnung des Gebäudes im Viertel Canary Wharf im Jahre 2004 durch den damaligen Finanzminister und späteren britischen Premierminister Gordon Brown erinnert. Tee-Servierwagen, chinesisches Porzellan und Zigarrenboxen künden vom gehobenen Lebensstil im Finanzdistrikt.

Der Erlös beider Auktionen soll nach dem Willen der Verwalter den Lehman-Gläubigern zugutekommen.

insgesamt 8 Beiträge
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FastFertig, 12.08.2010
1. Kunstkrise
Ich warte ja auf die Kunstkrise, wenn die Leute merken, dass Bilder die Kindergartenkinder malen können im Grunde nichts Wert sind. Sogar noch weniger Wert, als ein Haus das man nicht abbezahlen kann.
ofelas 12.08.2010
2. did not take any Queens money
So ungluecklich sind die Lehman Baenker garnicht, ein grosser Teil sitzt jetzt bei einer anderen Bank fest im Sattel und das bei garantierten Boni. Die "alten" Angestellten der Bank welche diese Lehmanbaenker aufgenommen hat, sind jetzt ziemlich angeschmiert.
Selamat2009 12.08.2010
3. Es fehlen noch 120 Millionen
Zitat von sysopSeit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bemühen sich die Insolvenzverwalter, möglichst viel Geld für die Gläubiger zu retten. Jetzt heben sie einen ihrer interessantesten Schätze. Sie lassen die Kunstsammlung versteigern - darunter Arbeiten von Gerhard Richter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,711365,00.html
Mich würde eher interessieren, wann die Steuerzahler die restlichen 120 Millionen Euro von Lehman Brothers zurückbekommen. Wir erinnern uns: Im September 2008 hatte die Förderbank KfW 320 Millionen Euro an Lehman Brothers überwiesen - als dies Unternehmen schon bankrott war. 200 Milllionen kamen bisher zurück. Der Rest ist futsch. Wer übernimmt in der Bundesregierung die Verantwortung für diese "peanuts"?
artpate 12.08.2010
4. Immer das gleiche Spiel
Genau genommen ist Lehman Brothers ja zur Kunstsammlung erst durch den Zukauf von Investmentgesellschaft Neuberger Berman gekommen. Die Auktion, egal wie sie ausgeht, dürfte nur ein weiterer Tropfen auf den Schuldenstein sein. Ob das genannte Werk von Damien Hirst wirklich verkauft werden kann bleibt abzuwarten. Vom in meinen Augen hoch überschätzten Hirst, wurde das gleiche Werk bereits 2007 für rund 1,4 Millionen Dollar versteigert. Übrigens wie sich die Geschichten doch gleichen. Auch beim zweiten großen Finanzskandal, der des Anlagebetrügers Bernard Madoff, versuchte der New Yorker Generalstaatsanwalt die mehrere hundert Millionen Dollar schwere Kunstsammlung zu versilbern. http://www.artinfo24.com/shop/artikel.php?id=362
kuchenbob, 12.08.2010
5. .
Zitat von FastFertigIch warte ja auf die Kunstkrise, wenn die Leute merken, dass Bilder die Kindergartenkinder malen können im Grunde nichts Wert sind. Sogar noch weniger Wert, als ein Haus das man nicht abbezahlen kann.
Jaja, genau. Lieber ein paar "Amigos" oder "Flippers" Poster an der Wand als Gerhard Richter.
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