Lehman-Papiere US-Gericht weist Klage gegen Rating-Agenturen zurück

In der Öffentlichkeit und unter Ökonomen gelten sie als Mitverursacher der weltweiten Finanzkrise: Die Rating-Agenturen. Ein Schadensersatzanspruch erwächst daraus aus Sicht der Juristen nicht automatisch. Ein US-Gericht wies Klagen gegen Moody's und Standard & Poor's jetzt zurück.

Händler an der Wall Street: Rating-Agenturen mit schlechtem Ruf
AFP

Händler an der Wall Street: Rating-Agenturen mit schlechtem Ruf


New York - Ein US-Gericht hat am Dienstag Klagen gegen zwei Rating-Agenturen wegen irreführender Bewertung von hypothekenbesicherten Wertpapieren zurückgewiesen. Die Kläger hatten den Agenturen Moody's und Standard & Poor's einen Interessenkonflikt vorgeworfen, weil sie diese Anlageformen nicht nur mit attraktiven Bonitätsnoten ausgestattet hatten, sondern auch miterfunden hätten.

Der Fall ist Teil der Abwicklung der bankrotten Investmentbank Lehman Brothers und betrifft eine Tranche von Papieren, deren Nennwert sich insgesamt auf 96 Milliarden Dollar beläuft. Das Urteil könnte damit zu einem Präzedenzfall werden. Die Begründung wurde noch nicht veröffentlicht.

Der Markt der Rating-Agenturen wird von den drei US-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch beherrscht. Sie stehen im Ruf, häufig viel zu nachsichtig bei der Vergabe der Bewertungen gewesen zu sein, etwa im Zuge der Krise am US-Immobilienmarkt. Moody's und Co. gelten vielen Experten deshalb als Mitverursacher der daraus entstandenen Finanzkrise. Gesetze für mehr Transparenz sollen jetzt dazu beitragen, solche Risiken für die Zukunft auszuschalten.

BaFin übernimmt Aufsicht

In Deutschland soll zunächst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Aufsicht über die Rating-Agenturen übernehmen, ihre Rechenmethoden überprüfen und über die Trennung von Bewertung und Beratung wachen. Bei Verstößen sind Bußgelder von bis zu 200.000 Euro fällig, in besonders schwerwiegenden Fällen sogar eine Million. Im Rahmen der neuen europäischen Aufsichtsstrukturen soll die Überwachung 2011 dann auf die neue Wertpapieraufsichtsbehörde (Esma) übergehen.

Experten befürchten, dass die neuen Transparenzregeln nicht weit genug gehen. Ihr Argument: Die Rating-Agenturen werden von denen bezahlt, die sie prüfen sollen. Das führe zwangsläufig zu Abhängigkeiten. Lösen lasse sich dieses Problem nur, wenn nicht der Auftraggeber für das Rating bezahle, sondern der Käufer der zu bewertenden Wertpapiere.

mik/Reuters



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frubi 27.01.2010
1. .
Zitat von sysopIn der Öffentlichkeit und unter Ökonomen gelten sie als Mitverursacher der weltweiten Finanzkrise: Die Ratingagenturen. Ein Schadenersatzanspruch erwächst daraus aus Sicht der Juristen nicht automatisch. Ein US-Gericht wies Klagen gegen Moody's und Standard & Poor's jetzt zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,674296,00.html
Eine Schadenseratzforderung im Nachhinein zu stellen ist auch problematisch. Aber genau deswegen sollte man deren Handlungsspielraum eingrenzen und überwachen. Als ich erst vor kurzem gelesen habe, dass die gleichen RA, die teilweise für die Bewertung von toxischen Papieren verantwortlichen waren, Griechenland durch negative Ratings fast in den Ruin getrieben hätte, wurde mir schlecht. Wieso passiert da nichts?
sic tacuisses 27.01.2010
2. wieso nichts passiert ??
Zitat von frubiEine Schadenseratzforderung im Nachhinein zu stellen ist auch problematisch. Aber genau deswegen sollte man deren Handlungsspielraum eingrenzen und überwachen. Als ich erst vor kurzem gelesen habe, dass die gleichen RA, die teilweise für die Bewertung von toxischen Papieren verantwortlichen waren, Griechenland durch negative Ratings fast in den Ruin getrieben hätte, wurde mir schlecht. Wieso passiert da nichts?
Ist doch ganz einfach: Weil es die Mövenpickpartei da nicht gibt. Vielleicht hätte eine großzügige Spende das Gericht eher von den kriminellen Machenschaften dr Rating-Gangster überzeugt ?
Reformhaus, 27.01.2010
3. Wieso passiert da nichts?
Zitat von frubiEine Schadenseratzforderung im Nachhinein zu stellen ist auch problematisch. Aber genau deswegen sollte man deren Handlungsspielraum eingrenzen und überwachen. Als ich erst vor kurzem gelesen habe, dass die gleichen RA, die teilweise für die Bewertung von toxischen Papieren verantwortlichen waren, Griechenland durch negative Ratings fast in den Ruin getrieben hätte, wurde mir schlecht. Wieso passiert da nichts?
Niemand will den Motor des Vehikels abstellen auf dem man sitzt. Ausser Sonntagsreden in Krisenzeiten ist nichts zu erwarten. Die Welt ist schlecht. Gewöhnen wir uns daran.
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