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Lehren aus Finanzkrise: Obama will Banken verzwergen

Barack Obama macht Ernst: Der US-Präsident will um jeden Preis verhindern, dass sich die Finanzkrise wiederholt. Deshalb sollen die Geldgiganten auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt werden. Die Märkte sehen in der Ankündigung eine Bedrohung - Bankaktien schmierten reihenweise ab.

Barack Obama mit Berater Paul Volcker: Ende der Feierlaune an der Wall Street Zur Großansicht
REUTERS

Barack Obama mit Berater Paul Volcker: Ende der Feierlaune an der Wall Street

Washington/New York - Schwere Zeiten für die Finanzindustrie: Barack Obama will den Banken Zügel anlegen, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Ziel sei es, Banken nicht mehr so groß werden zu lassen, dass der Staat sie in einer Krise unbedingt retten muss, sagte der US-Präsident am Donnerstag. Nie mehr dürfe der US-Steuerzahler zur "Geisel einer Bank" werden, die durch ihren Kollaps die gesamte Wirtschaft mit sich reißen könne.

Um das Ziel zu erreichen, will Obama zum einen die Größe der Banken begrenzen, zum anderen das Ausmaß ihrer risikoreichen Geschäfte einschränken. Im Kern strebt er an, das Investmentbanking stärker von den restlichen Geschäften zu trennen, damit Profitstreben weniger als bisher zu riskantem Verhalten anspornt.

"Wir sollten den Banken nicht erlauben, dass sie sich zu weit von ihrer zentralen Aufgabe entfernen, nämlich ihre Kunden zu bedienen", sagte der Präsident. In den vergangenen Jahren hätten zu viele Finanzinstitute das Geld der Steuerzahler risikoreich eingesetzt. Nach wie vor operierten die Banken nach Regeln, die zum Kollaps des Finanzsektors geführt hatten, kritisierte Obama.

Der Präsident will, dass Banken unter anderem künftig keine Hedgefonds oder Aktienfonds, die nicht den Kunden dienen, besitzen oder in solche Fonds investieren dürfen. "Wenn die Banken von dem Sicherheitsnetz profitieren, das die Steuerzahler ihnen geben (...), ist es nicht angemessen, wenn sie dieses günstige Geld nehmen, um damit Profit zu machen", sagte Obama.

"Wenn diese Leute einen Kampf wollen, dann können sie ihn haben"

Außerdem machte er einen Vorstoß zur Verhinderung von Mega-Banken. Er wolle "der weiteren Zusammenlegung des Finanzsystems vorbeugen", sagte der US-Präsident. Die Amerikaner sollten nicht von einem Finanzsystem bedient werden, das lediglich aus wenigen großen Konzernen bestehe: "Das ist nicht gut für die Verbraucher. Das ist nicht gut für die Wirtschaft."

Während der Finanzkrise hatte sich in den USA und in Deutschland genauso wie in vielen anderen Staaten gezeigt, dass viele Finanzinstitute "too big to fail" waren - zu groß, um sie pleitegehen zu lassen. Eine Insolvenz hätte in diesen Fällen wahrscheinlich massive Auswirkungen auf andere Banken und Unternehmen gehabt, womit der Schaden letztlich höher gewesen wäre als die Kosten von milliardenschweren Bankenrettungspaketen.

Obama schwenkt mit seinen Restriktionen zum ersten Mal auf die Linie seines Beraters, des ehemaligen Fed-Chefs Paul Volcker, ein. Volcker hatte mit seiner Finanzpolitik in den achtziger Jahren dazu beigetragen, die galoppierende Inflation in den USA einzudämmen.

Die angekündigten Maßregelungen müssen allerdings erst noch vom Kongress gebilligt werden. Obama räumte ein, dass er starken Widerstand von den Abgeordneten und von Lobbyistenverbänden erwarte. Er zeigte sich bereit für die Kraftprobe: "Wenn diese Leute einen Kampf wollen, dann können sie ihn mit mir haben."

Dow-Jones-Index und Dax schmieren ab

Wie ernst die Märkte Obamas Pläne nehmen, zeigt die Reaktion der Börsen: Der New Yorker Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte verlor bis zum Börsenschluss in New York 2,0 Prozent und fiel auf 10.389 Punkte. Das bedeutete den stärksten Einbruch seit dem 30. Oktober 2009. Die meisten Banken verloren deutlich - am größten war das Minus bei der Bank of America mit rund sechs Prozent. Im Sog der Wall Street rutschte auch der Dax Chart zeigen im späten Geschäft ab und schloss 1,8 Prozent tiefer bei 5746 Punkten.

Mit seinen Ankündigungen vom Donnerstag dürfte Obama die Feierlaune an der Wall Street endgültig beendet haben. Freuten sich die Banker gerade noch über ihre dicken Gewinne und satten Boni, droht der Branche damit eine weitere staatlich verordnete Selbstbeschränkung.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der US-Präsident angekündigt, die größten Finanzkonzerne des Landes im Rahmen einer Strafabgabe an den Kosten der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu beteiligen. Nach seinem Vorschlag sollen die größten Geldinstitute an der Wall Street rund 117 Milliarden Dollar (rund 82,9 Milliarden Euro) an Rettungsgeldern zurückzahlen, mit denen die Regierung sie vor dem Ruin bewahrt hatte. Allerdings muss der Kongress die Banken-Zwangsgebühr ebenfalls absegnen.

Dass Obama die Fesseln bei den Banken immer enger zieht, liegt vor allem daran, dass die Geldhäuser nach Meinung der meisten Experten bislang nicht aus der Krise gelernt haben. Schließlich mussten die Steuerzahler fast überall das Finanzsystem stützen, während die Banker oftmals weitermachten, als wäre nichts geschehen.

Keine finanzielle Enthaltsamkeit bei Bankern

Gerade das Investmentbanking, das mitverantwortlich für die Finanzkrise ist, lieferte in den vergangenen Monaten wieder hohe Gewinne. Eindrucksvoll bewiesen hat das Goldman Sachs Chart zeigen. Mit einem Gewinn von 12,2 Milliarden Dollar im Jahr 2009 knüpfte die führende US-Investmentbank nahtlos an ihr bisher bestes Jahr 2007 an - und das, während die Industrie- und Dienstleistungsbetriebe ums Überleben kämpfen.

Die Banker dagegen können die Aufregung nicht wirklich verstehen. "Unsere Mitarbeiter haben einen phantastischen Job dieses Jahr gemacht", lobte Goldman-Sachs-Finanzchef David Viniar nach dem Rekordergebnis. "Sie haben geholfen, die Kapitalmärkte am Laufen zu halten."

Als eine Art Feigenblatt kritisieren Beobachter die Versuche der Banken, durch neue Gehaltsregeln die Risikolust ihrer Mitarbeiter einzudämmen. Die Beschäftigten sollen notfalls sogar einen Teil ihrer Boni zurückgeben müssen, wenn sich ein Geschäft im Nachhinein als Flop herausstellt.

Von Enthaltsamkeit ist nach dem Krisenjahr 2009 allerdings wenig zu spüren: Geschätzte 145 Milliarden Dollar schütten allein die größten US-Finanzkonzerne an ihre Mitarbeiter aus. Selbst staatlich gestützte Wall-Street-Häuser wie die Citigroup oder die Bank of America schicken ihren Leuten dicke Schecks.

böl/AFP/dpa/Reuters

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Forum - Haben die Banken aus der Krise gelernt?
insgesamt 1528 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
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1. Nein,
saul7 16.11.2009
Zitat von sysopEin Jahr nach dem Beinahe-Kollaps der Finanzbranche fassen die Banker wieder Mut: Bei einem Gipfeltreffen in Frankfurt debattierten Ackermann und Co. die Lehren aus der Krise - und mokierten sich vor allem über die Regulierungswut der Regierungen. Haben die Banken Ihrer Meinung nach eigentlich etwas aus der Krise gelernt? Diskutieren Sie mit!
die Banken haben nichts aus der Krise gelernt, weil die Politik ihnen nicht längst überfällige Regularien verpasst hat. Die Zockerei darf also weitergehen. Auf eine Entschuldigung der Banken darf noch gewartet werden!!
2. warum auch?
hajott59, 16.11.2009
Nein, die haben nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Wenn es eng wird, kommt das große Füllhorn über sie und gut ist!
3. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
4. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
5. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
yato, 16.11.2009
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
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