Leistung von Top-Managern Hey Boss, das war wohl nichts!

Welcher Chef ist sein Geld wert, welcher nicht? Das manager magazin hat die 50 größten Unternehmen Europas untersucht - und das Gehalt der Bosse mit ihrer Leistung verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend, vor allem bei Finanzkonzernen: Nur wenige Spitzenverdiener sind wirklich spitze.

DPA

Von Dietmar Palan


Hamburg - Rund 19 Millionen Euro hat Bob Dudley für das Jahr 2010 eingestrichen. Er ist Chef des skandalgebeutelten Ölmultis BP - und trotzdem der höchstbezahlte Konzernlenker Europas. Gemessen an seiner Leistung landet Dudley hingegen weit hinten. Der fürstlichen Bezahlung stehen eine negative Rendite für die Aktionäre sowie eine negative Eigenkapitalrendite gegenüber: Im Pay-for-Performance-Ranking des manager magazin landet Dudley unter den 50 wichtigsten Konzernbossen Europas an viertletzter Stelle.

Beim Pay-for-Performance-Ranking, welches das manager magazin gemeinsam mit der Berliner Humboldt Universität erstellt, wird das Gehalt von Spitzenmanagern mit ihrer Leistung verglichen. Untersucht werden dabei alle 50 Unternehmen, die in dem Börsenindex Euro-Stoxx gelistet sind ( siehe Fotostrecke oben).

Deutlich besser als Dudley schneiden Vorstandschefs von Pharma-, Chemie- und Konsumgüterkonzernen ab. Sie sind allesamt im oberen Viertel des Leistungsrankings zu finden. Der inzwischen ausgeschiedene BASF-Boss Jürgen Hambrecht zum Beispiel bekam im Vorjahr ein Gehalt von rund fünf Millionen Euro - lieferte dafür aber auch eine Aktionärsrendite von 30 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent ab. Mit anderen Worten: Hambrecht hat für sein Gehalt viel Gegenwert geschaffen, im europäischen Leistungsvergleich kommt er deshalb auf Platz elf.

Ackermann landet unter "ferner liefen"

Bei der Berechnung der Aktionärsrendite (Total Shareholder Return) werden die prozentuale Entwicklung der Aktie sowie die gezahlte Dividende berücksichtigt. Davon werden dann, ebenso wie bei der Ermittlung der Eigenkapitalrendite, die Eigenkapitalkosten abgezogen (zur Methode und Berechnung der Pay Performance siehe Kasten links). Ein Konzernchef, der für die Aktionäre viel Mehrwert schafft, die Eigenkapitalrendite in die Höhe treibt und sich gleichzeitig mit einem maßvollen Gehalt zufriedengibt, erreicht auf diese Weise einen hohen Pay-Performance-Wert.

Spitzenreiter - und mit einem Pay-Performance-Wert von 100 Prozent gleichzeitig Vergleichsmaßstab für alle anderen Konzernchefs - ist für das Jahr 2010 Karl Johan Persson, Chef der Modekette H&M. Sein Gehalt liegt im europäischen Vergleich deutlich unter dem Durchschnitt - die Performance, die er ablieferte, dafür umso stärker über dem Mittelwert.

Dax-Chefs wie Josef Ackermann (Deutsche Bank Chart zeigen) oder Michael Diekmann (Allianz Chart zeigen) landen im Ranking überwiegend unter "ferner liefen". Denn die im Euro-Stoxx notierten Finanzkonzerne gehörten im Jahr 2010 nicht gerade zu jenen Unternehmen, die ihren Aktionären besonders große Freude bereitet haben.

insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mitwisser, 25.05.2011
1. Nieten in Netzwerken
Zitat von sysopWelcher Chef ist sein*Geld wert, welcher nicht? Das manager magazin hat die 50 größten*Unternehmen*Europas*untersucht - und das Gehalt der Bosse mit ihrer Leistung verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend, vor allem bei Finanzkonzernen: Nur wenige Spitzenverdiener sind wirklich spitze. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764603,00.html
nein, wirklich? Das ist ja erschreckend. Soviele Nieten hätte ich nun nicht erwartet... Hauptsache, man ist bei boom, Xink, Tonk fatzebuck und linkedtogetha gut vernetzt. Das kann schon mal über die Minderperformance hinweghelfen. Und ansonsten hilft ja noch ganz altmodisch, der gute alte Golf-Club... ;-)
Michael Giertz, 25.05.2011
2. Ideen für gerechtere (?) Managerentlohnung
Zitat von sysopWelcher Chef ist sein*Geld wert, welcher nicht? Das manager magazin hat die 50 größten*Unternehmen*Europas*untersucht - und das Gehalt der Bosse mit ihrer Leistung verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend, vor allem bei Finanzkonzernen: Nur wenige Spitzenverdiener sind wirklich spitze. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764603,00.html
Ist doch nichts Neues? Was viele geahnt haben wird nur bestätigt: das Millioneneinkommen der meisten Manager hat nichts mit deren Leistung zu tun. Wie wäre es, wenn statt dessen mal wirklich ein leistungsorientiertes Gehalt gezahlt würde? Das sähe für mich so aus: Es gibt ein Basisgehalt sowie Aktienoptionen und Zusatzeinkünfte von maximal dem 10-Fachen des Basisgehalts. Grob also: Basisgehalt + 10x Basisgehalt Aktienoptionen, Boni & co gehen also in diesem 10x Basisgehalt auf. Und sind so genannte "Risikobeteiligungen". Solange das Unternehmen Umsätze macht und Gewinne einfährt, sind diese Zahlungen auch "verdient". Geht es dem Unternehmen schlecht, sinkende Umsatzzahlen, weniger Gewinn, gar Verluste im Vergleich zum Vorjahr, sollten dagegen diese Zahlungen entsprechend sinken - und zwar bis auf 0,00 Euro. Dann gibt's halt auch nur das Basisgehalt. Die obligatorische Abfindung würde ich abhängig machen vom Durchschnitt der Zusatzeinkünfte - und wenn die letzten 0,00 waren, sollte es auch keine Abfindung geben.
Tribunus Plebis 25.05.2011
3. Mehr Schein als Sein
Zitat von sysopWelcher Chef ist sein*Geld wert, welcher nicht? Das manager magazin hat die 50 größten*Unternehmen*Europas*untersucht - und das Gehalt der Bosse mit ihrer Leistung verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend, vor allem bei Finanzkonzernen: Nur wenige Spitzenverdiener sind wirklich spitze. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764603,00.html
Mal was Neues? Wir schuften genauso wie die "Elite", welche sich Schulabschlüsse in Privatschulen erkauft und Lehrer erpresst, für bessere Abschlüsse. Guttenberg, Koch-Mehrin sind aktuelle Beispiele. Oder vielleicht die Stoiber Tochter Saß. Es gibt genügen Argumente die aufzeigen, das die Leistung der sogenannten Elite, mehr Schein als Sein ist.
zynik 25.05.2011
4. leistung mal wieder
...und passenderweise direkt da drunter der Artikel über Zeitarbeit. Während auf der einen Seite individuelle Arbeit radikal entwertet wird und nicht mehr zum überleben reicht, wird auf der anderen Seite diffuse Pseudoleistung vergoldet. Langsam muss doch auch mal dem letzten "Experten" ein Licht aufgehen, dass dies auch wirtschaftlich irgendwann in einer Katastrophe endet, wenn man dieser egoistischen Kurzsichtigkeit selbsternannter Eliten nichts entgegensetzt.
w.r.weiß 25.05.2011
5. .....
Zitat von mitwissernein, wirklich? Das ist ja erschreckend. Soviele Nieten hätte ich nun nicht erwartet... Hauptsache, man ist bei boom, Xink, Tonk fatzebuck und linkedtogetha gut vernetzt. Das kann schon mal über die Minderperformance hinweghelfen. Und ansonsten hilft ja noch ganz altmodisch, der gute alte Golf-Club... ;-)
...Man ist halt gerne unter sich im Land der Leistung. Wie lange können wir uns diese Top-Seifenblasen eigentlich noch leisten?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.