Panzer-Deal mit den Saudis Krauss-Maffei-Gesellschafter lehnt Geschäft ab

Ein Gesellschafter des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei befeuert die Debatte um mögliche Kampfpanzer-Lieferungen nach Saudi-Arabien. In einem Interview spricht er sich gegen ein solches Geschäft seines Unternehmens aus. Es wäre "ein unmögliches Signal".

Leopard 2: Umstrittene Waffenexporte nach Saudi-Arabien
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Leopard 2: Umstrittene Waffenexporte nach Saudi-Arabien


Hamburg - Unter den Gesellschaftern des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann regt sich Widerstand gegen den Verkauf weiterer Leopard-Kampfpanzer nach Saudi-Arabien. Burkhart von Braunbehrens, der eine der fünf Eigentümerfamilien des Konzerns vertritt, sprach sich in einem Interview mit dem "Stern" gegen das Geschäft aus.

Die arabische Revolution werde als große Hoffnung begrüßt, sagte Braunbehrens. "In dieser Situation Panzer nach Saudi-Arabien zu liefern, wäre ein unmögliches Signal. Es wäre Wahnsinn." Er und seine Familienmitglieder seien entsetzt gewesen, als im März 2011 saudische Panzer im Nachbarland Bahrain eingerollt seien und die Demokratiebewegung niedergeschlagen worden sei.

Die geplante Ausfuhr weiterer Leopard-Panzer nach Saudi-Arabien verstoße eindeutig gegen die deutsche Exportrichtlinie, sagte Braunbehrens. Er habe sich an Bundespräsident Joachim Gauck gewandt mit der Bitte, den Export nicht zu genehmigen.

Laut "Bild am Sonntag" will Saudi-Arabien 600 bis 800 weitere Leopard-Kampfpanzer kaufen. Mit einem Schätzwert von zehn Milliarden Euro wäre das einer der bisher größten Rüstungsaufträge für die Bundesrepublik.

Krauss-Maffei Wegmann hat nach eigenen Angaben keine Bestellung über die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 aus Saudi-Arabien erhalten. Laut einem Bericht der "taz" wurde Braunbehrens wegen seines Aufbegehrens gegen den Deal aus dem Gesellschaftergremium gewählt.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall dagegen startete mit Kursgewinnen in die Woche. "Das ist klar positiv für die Stimmung für Rheinmetall-Aktien, auch wenn die Zustimmung der Politik noch fehlt", sagte ein Börsianer.

Die Bundesregierung äußerte sich nicht zu dem Vorgang. Laut "Bild am Sonntag" lehnen das Kanzleramt und die Ministerien für Äußeres und Verteidigung das Geschäft eher ab. Im Wirtschaftsministerium dagegen gebe es Befürworter.

ssu/dapd



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insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
kabian 20.06.2012
1. Ich kann das kaum glauben
Zeigt hier jemand sein Gewissen? Wenn das keine taktische Finte ist, wäre es eine bemerkenswerte Geste.
crocodil 20.06.2012
2. Wahrscheinlich
sind da noch andere Interessenten, die gerne vielleicht bischen mehr bezahlen. Sondt kann ich mir das nicht erklären, wie man so einen Deal abschlagen kann.
frubi 20.06.2012
3. .
Zitat von kabianZeigt hier jemand sein Gewissen? Wenn das keine taktische Finte ist, wäre es eine bemerkenswerte Geste.
In unserer Gesellschaft kann man sich so etwas wie ein Gewissen nicht mehr leisten. VOn daher kann ich das auch nicht ernst nehmen. Nur wie wenigsten Menschen haben standhafte Grundsätze nach denen sie leben. Hier geht es auch nicht um Moral oder das Gewissen sondern um $$$ und Cash regiert wie Welt.
marxfr 20.06.2012
4. Wurde als Mitgesellschafter abgewählt
"Nach taz-Informationen sorgt der Deal auch im Gesellschafterkreis des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann, das den Leopard 2 baut, für Unstimmigkeiten. Aus Kreisen der Gesellschafter heißt es, der Miteigentümer Burhkart von Braunbehrens habe nach einer Sitzung des Gremiums vorige Woche seinen Hut nehmen müssen. Der 71-Jährige sei nach einem Mehrheitsbeschluss abgewählt worden. Grund sei seine öffentliche Kritik an dem Panzerdeal. Braunbehrens hatte unter anderem in einem Brief an Bundespräsident Joachim Gauck einen Stopp der Lieferungen an Saudi-Arabien gefordert. " Wenigstens ist er seinem Gewissen gefolgt - was die FDP im Wirtschaftsministerium ja nicht hat.
manni-two 20.06.2012
5. Waffenlieferung in Spannungsgebiete ??
-wohin denn sonst- da werden sie an meisten gebraucht, da wird am besten bezahlt (Aussage eines Kabarettisten)
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