Lernen von Google-Gründer Page Mach mir den Larry!

Sie haben eine gute Idee - und die macht sie reich. Buchautor Frank Arnold hat die Erfolgsgeschichten von Wirtschaftsstars untersucht. Beispiel Larry Page: Der Google-Gründer nutzte die Chance einer neuen Technologie. Jeder kann ihm das nachtun. Denn die größten Online-Innovationen kommen erst noch.

Larry Page: Der Professor wählte das Thema aus
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Larry Page: Der Professor wählte das Thema aus


Hamburg - Es ist gerade einmal zwölf Jahre her, dass die Suchmaschine Google an den Start ging. Und doch ist es den Unternehmensgründern Larry Page und Sergey Brin in dieser kurzen Zeit gelungen, in einer Wachstumsbranche eines der erfolgreichsten Produkte zu etablieren.

Page und Brin haben eindrucksvoll demonstriert, welche ungeheure Macht darin verborgen liegt, die Chancen neuer Technologien rechtzeitig zu erkennen und auch zu nutzen. Das Unternehmen Google beherrscht nicht nur den Markt der Netzsuche, sondern auch den Markt der Online-Werbung.

Ohne Google geht heute wenig im Internet. Und ohne Larry Page wäre bei Google wenig gegangen. Von der Zeitschrift Fortune wurde er einmal gefragt, was der beste Rat gewesen sei, den er jemals erhalten habe. Seine Antwort: "Für meine Promotion an der Universität von Stanford schwebten mir ungefähr zehn Themen vor. Eines davon war, die Vernetzungsstruktur des Internets zu untersuchen. Mein Professor, Terry Winograd, wählte dieses Thema aus und meinte: 'Nun, dieses Thema da, das sieht nach einer wirklich guten Idee aus.' Das rechne ich ihm hoch an."

Erfolgreiche Dreierspitze

Mit seinem Studienkollegen Sergey Brin machte er sich an die Arbeit. Gemeinsam entwickelten und leiteten sie nun das "Projekt Google", das als Unternehmen 1998 den Betrieb aufnahm. Nach der Gründung übernahm Larry Page die Position des CEO, die er bis 2001 behielt. Unter seiner Führung wuchs das Unternehmen auf 200 Mitarbeiter an und wurde rentabel.

Im Jahr 2001 holten die Google-Gründer Eric Schmidt ins Unternehmen, der zuvor bei Novell als Chairman und CEO gearbeitet hatte. Gemeinsam bilden Page, Brin und Schmidt seither die Führungsspitze des Weltkonzerns. Larry Page selbst hat viele Auszeichnungen erhalten, unter anderem wurde er im Jahr 2002 vom World Economic Forum als "Internationale Führungspersönlichkeit der Zukunft" bezeichnet. Sein Vermögen wurde 2009 von Forbes auf rund zwölf Milliarden Dollar geschätzt, womit er und Sergey Brin, dessen Vermögen ähnlich hoch taxiert wird, sich auf Platz 26 der Weltrangliste der Milliardäre finden.

Chancen neuer Technologien zu erkennen und zu nutzen kann sich also auch finanziell richtig lohnen. Wenn man über Innovationen redet, denken viele Menschen fast automatisch an wissenschaftliche und vor allem technologische Innovationen. Hier wird viel Geld investiert, und die erfolgreichen Unternehmen sind die ganz großen Stars der Medien. Neues Wissen scheint in diesem Bereich oft von einer faszinierenden Aura umgeben zu sein, was den Eindruck unterstützen mag, dass es sich hier um die "Königsklasse" der Innovation handle.

Dabei sind viele der Innovationen, die auf neuem Wissen beruhen, weder wissenschaftlich noch technisch, sondern beziehen sich auf gesellschaftliche oder wirtschaftliche Faktoren. Somit werden sie von der Öffentlichkeit vielleicht weniger deutlich wahrgenommen. Obwohl ihre Tragweite oft wesentlich weitreichender ist. Für jede Organisation stellt sich damit die Frage, welche Chancen sich durch die Nutzung der neuen Technologien bieten.

McCains Online-Kampagne war schlecht

Im Allgemeinen braucht man heute selbstverständlich niemanden mehr auf die Bedeutung der elektronischen Medien hinzuweisen, im Konkreten allerdings liegen viele Organisation bei der Nutzung neuer Technologien und auch beim Internetauftritt weit hinter der Zeit zurück. Die Chancen, die hier ungenutzt bleiben, sind riesig. Gleichzeitig begibt sich jede Organisation, die die Zeichen der Zeit ignoriert, in ein völlig unnötiges Risiko, da sie der Konkurrenz dadurch eine empfindliche Flanke öffnet. Das ist keineswegs nur auf die Wirtschaft begrenzt.

Der Unterschied zwischen dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, John McCain, und dem siegreichen Barack Obama bei der Nutzung des Internets hätte im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 wohl kaum größer sein können. Das Gleiche gilt aber auch für Non-Profit-Organisationen, Universitäten, Kultureinrichtungen und Krankenhäuser.

Die Unternehmensleitung hat es selbst in der Hand, wie sie die Chancen neuer Technologien erkennen und nutzen möchte. Und es ist verblüffend, welche riesigen Unterschiede sich zwischen direkten Wettbewerbern im Markt auftun - gerade auch, was die Nutzung des Internets angeht.

Bill Gates vertrat bereits im September 2000 eine Ansicht, die auch zehn Jahre später noch ein berechtigter Denkanstoß für die Praxis ist: "Im Internet geht es keineswegs nur um neue Start-up-Unternehmen. (…) Im Internet geht es vielmehr um bestehende Unternehmen und darum, wie sie ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Kundenbeziehungen mit den digitalen Ansätzen besser nutzen. Das ist die nachhaltigste Sache an dieser Revolution."

Technologische Innovationen zum eigenen Vorteil nutzen

Larry Page und Sergey Brin ist es gelungen, neue Technologien zu erkennen und so zu nutzen, dass sie dadurch herausragende technologische Innovationen vollbrachten. Aber schon auf viel bescheidenerem Niveau kann in jeder Organisation gefragt werden, welche Chancen mit den aktuellen technologischen Möglichkeiten verbunden sind und wie man diese zum eigenen Vorteil nutzt.

Berücksichtigt man die Tatsache, dass die industrielle Revolution überhaupt erst der Auslöser für eine lange Kette zahlreicher und weitreichender Innovationen war, kann man guten Gewissens behaupten, dass die größten Auswirkungen der Online-Revolution noch vor uns liegen.

Jeder, der sich selbst oder seine Firma voranbringen will, kann vom Google-Beispiel profitieren, wenn er auf die folgenden Fragen eine Antwort findet:

  • Wo gibt es in Ihrer Organisation Chancen, neue Technologien wirksamer zu nutzen? Wer könnte die Themen vorantreiben?
  • In welchen Bereichen können Sie für sich persönlich größeren Nutzen aus neuen Technologien ziehen?



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Flightkit, 25.07.2010
1. Was gibt es von Page zu lernen?
will dieser Artikel suggerieren, so etwas wie Google wäre bei uns ind er BRD möglich? Da fehlt wohl der Zusatz, daß man immer noch in die USA zu gehen habe, wenn man eine innovative Idee verfolgen wolle.
Realo, 25.07.2010
2. Ja, aber....
>> * Wo gibt es in Ihrer Organisation Chancen, neue Technologien wirksamer zu nutzen? Wer könnte die Themen vorantreiben? * In welchen Bereichen können Sie für sich persönlich größeren Nutzen aus neuen Technologien ziehen?
Volker Birk 25.07.2010
3. Geht in die USA, wenn Ihr was erreichen wollt
Da kann ich meinem Vorposter nur zustimmen: wenn man in der Branche was erreichen möchte, muss man in die USA gehen. Eine Geschichte wie die von Google wäre in Europa nicht möglich. Viele Grüsse, VB.
CHANGE-WECHSEL 25.07.2010
4. WIRKLICH Jeder?
Zitat von sysopSie haben eine gute Idee - und die macht sie reich. Buchautor Frank Arnold hat die Erfolgsgeschichten von Wirtschaftsstars untersucht. Beispiel Larry Page: Der Google-Gründer nutzte die Chance einer neuen Technologie. Jeder kann ihm das nachtun. Denn die größten Online-Innovationen kommen erst noch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704359,00.html
Zitat: "Jeder kann ihm das nachtun." Zitat Ende. Was für ein Schwachsinn. Wie viele "Googles" verträgt denn das Internet und wie viele würde es reich machen? Wirklich 6 Milliarden "Googles" = Menschen? Die Mär vom ewigen Tellerwäscher zum Millionär. Die Mär, dass es "jeder" schaffen kann, wenn er nur will. Angenommen jeder strengt sich an wie Frau Merkel. Wie viele Posten als Bundeskanzler hat den Deutschland zu vergeben? Einen einzigen! Wie viele Vorstandposten gibt es bei der Deutschen Bank? Einen einzigen! Die Marktwirtschaft ist das Monopoly das in der Realität spielt. Und wie beim Monopoly gibt es am Ende nur einen, dem alles gehört. Auf die Realität bezogen, sind es ein paar wenige, denen alles gehört. Jetzt kaufen sie nur Inseln, irgendwann ganze Länder. Millionär, Milliardär, Billionär.... Was soll der Schwachsinn? Management Berater sind Gurus, die auf das wirkliche reale Leben aber keine Antworten haben.
frank_lloyd_right 25.07.2010
5. Ehrlich gesagt
Zitat von Volker BirkDa kann ich meinem Vorposter nur zustimmen: wenn man in der Branche was erreichen möchte, muss man in die USA gehen. Eine Geschichte wie die von Google wäre in Europa nicht möglich. Viele Grüsse, VB.
...war an der Google-"Idee" nicht viel neu. Suchmaschinen gab es zuhauf, und man fand da auch alles - Google hat lediglich die "Linkpopularität" gepusht - in Wahrheit war es also nur wesentlich, Kapital aufzutreiben und das Projekt als furchtbar innovativ zu verkaufen, marketingtechnisch ist das in einer Zeit gelungen, als gerade viel neuer User auf das Netz "aufsprangen" - mit "don´t be evil" und ähnlichem Quark hat sich Google da beliebt gemacht. Ausserdem gab es massig Leute in der SEO-Industrie und ihre Kunden, also dem gesamten Internethandel, denen etwas mehr Konkurrenz nur Recht sein konnte, denn Yahoo hatte sich zu dem gleichen Netzbonzen gemacht, der heute eben Google ist. Gehört bald wieder mal was "Neues" her... Die Google-Betreiber haben also nur geasgt, "gebt uns Geld, um diverse andere Dienste auszuhebeln, dann gehört der Markt uns", und das haben sie in den USA bekommen. Ist schon unwahrscheinlich, daß sie es hier bekommen hätten.
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