Lernen von Napoleon Planen, kämpfen, siegen

Friedrich der Große, Napoleon, Clausewitz - von Feldherren vergangener Tage lässt sich einiges lernen, auch für den heutigen Büroalltag. Buchautor Frank Arnold hat die Schlachten der Heerführer analysiert. Sein Fazit: Hinter jedem Sieg steht ein großer Plan, selbst wenn der nicht immer ganz aufgeht.

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Seine Feldzüge verliefen niemals so, wie er es vorgesehen hatte. Trotzdem ließ sich Napoleon Bonaparte (1769-1821) nicht davon abhalten, jeden einzelnen mit äußerster Genauigkeit zu planen. Diese umfassende Planung - und das damit verbundene gründliche Durchdenken aller denkbaren Szenarien - ermöglichten ihm zahlreiche Erfolge.

Er genoss großes Ansehen als Feldherr und Truppenführer. Seine Soldaten verehrten ihn, seine Gegner versuchten, es ihm gleichzutun. Er nutzte die mannigfaltigen Möglichkeiten der Kriegstechnik und baute sie virtuos in seine Pläne ein: Schnelle Märsche, überraschende Truppenkonzentrationen an strategisch entscheidenden Orten und die systematische Verwendung der Artillerie waren nur einige der Erfolgsfaktoren.

Bedeutende Kriegsherren haben der gründlichen Vorbereitung und Planung ihrer Feldzüge immer viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dies gilt für Caesar ebenso wie für Friedrich den Großen oder auch Sunzi (Sun Tsu), der in Die Kunst des Krieges den Rat gibt, zunächst sorgfältig zu planen und erst dann zu handeln. Friedrich der Große schrieb mit Unterricht des Königs von Preußen an die Generäle seiner Armeen - die erste zusammenhängende Abhandlung der Moderne zur strategischen Theorie und Praxis - ein Dokument, das Friedrich kurz nach dem Siebenjährigen Krieg verfasste und bis zu seinem Tode im Jahr 1786 immer wieder überarbeitete. Seine Strategiegrundsätze befassten sich größtenteils mit Planung und Organisation.

"Große Stärke des Charakters, große Klarheit und Sicherheit des Geistes"

Der wichtigste Stratege der Moderne war der preußische Offizier Carl von Clausewitz. In nahezu allen Militärakademien gehört sein Buch Vom Kriege noch heute zur Standardlektüre der Kadetten. Clausewitz wandte, stark von Kant und anderen deutschen Philosophen der Aufklärung beeinflusst, Methoden wie die kritische Argumentation auf den Krieg an. Hierbei verknüpfte er Theorie und Praxis des Krieges und setzte sich mit psychologischen und moralischen Aspekten des Krieges auseinander. Er schreibt: "Ist aus den Verhältnissen des Staates einmal bestimmt, was der Krieg soll und was er kann, so ist der Weg dazu leicht gefunden; aber diesen Weg unverrückt zu verfolgen, den Plan durchzuführen, nicht durch tausend Veranlassungen tausendmal davon abgebracht zu werden: das erfordert, außer einer großen Stärke des Charakters, eine große Klarheit und Sicherheit des Geistes." Eine Kombination von Eigenschaften, die Clausewitz nur den allerwenigsten zugesteht.

Eine zentrale Ursache für die Schwierigkeiten, dem Plan treu zu bleiben, ist ein Phänomen, das Clausewitz als Friktion bezeichnet: "Es ist alles im Kriege sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig. Diese Schwierigkeiten häufen sich, und bringen eine Friktion hervor, die sich niemand richtig vorstellt, der den Krieg nicht gesehen hat. So stimmt sich im Kriege, durch den Einfluss unzähliger kleiner Umstände, die auf dem Papier nie gehörig in Betrachtung kommen können, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel."

Diese unvorhersehbaren, unzähligen kleinen Umstände - die Friktion - gefährden also die Umsetzung des Plans. Daraus leitet Clausewitz aber nicht ab, dass man nicht planen solle - im Gegenteil. Einer der herausragenden Schüler von Clausewitz, Helmuth von Moltke, schrieb, dass kein Plan die erste Feindberührung überlebe, und er schrieb dies vor dem Hintergrund, dass er selbst doch gerade berühmt für sein Planungsgeschick war.

Jeder Plan wird sich ändern

Für Führungskräfte in modernen Unternehmen heißt das: Gehen Sie davon aus, dass jeder Plan sich ändern wird. Aber nur, wenn Sie durch sorgfältige Planung und Vorbereitung die Situation immer wieder gründlich bis zu Ende durchdacht haben, inklusive aller denkbaren Szenarien, werden Sie in der Lage sein, auf alle Unwägbarkeiten, die zwangsläufig auftauchen, flexibel im Denken und anpassungsfähig in der Umsetzung zu reagieren.

Machen Sie es sich zum Prinzip, Ziele, Mittel und Maßnahmen gemeinsam zu betrachten. Sie erreichen dadurch mehrere Dinge gleichzeitig: Erstens erlangen Sie ein tieferes Verständnis nicht nur für ein gegebenes Problem als solches, sondern auch für Ihre Organisation als Ganzes; zweitens gelangen Sie zu realistischeren Zielen, weil die wichtigsten Ressourcen, die Sie zu Erreichung des Ziels benötigen, von Beginn an mit berücksichtigt werden, und drittens denken Sie mehr und mehr in größeren und ganzheitlichen Zusammenhängen - also wie ein Unternehmer.

Beachten Sie zusätzlich auch Folgendes: Oft wird die langfristige Planung als eine bloße, unkritische Fortschreibung der aktuellen Zustände und Trends behandelt - und dies natürlich mit positivem Ausblick. Machen Sie es anders: Überlegen Sie einmal, ob Ihre heutigen Märkte, Kunden, Produkte, Dienstleistungen und Technologien morgen nicht ganz anders aussehen könnten. Wenn dem so ist, dann beginnen Sie mit dieser neuen Zukunft jetzt. Die Zukunft entsteht heute. Jeder langfristige Plan verwirklicht sich schließlich größtenteils durch eine Vielzahl von kurzfristigen Entscheidungen und Plänen. Und umgekehrt kann eine kurzfristige Entscheidung nur dann richtig getroffen werden, wenn sie einen Beitrag zum langfristigen Plan leistet. Wenn Sie bei diesen Überlegungen Ziele, Mittel und Maßnahmen gemeinsam betrachten, haben Sie einen entscheidenden Schritt vollzogen, realistische Ziele für die Zukunft zu definieren und diese dann auch tatsächlich erreichen zu können.

Ursprüngliche Erwartungen mit Ergebnissen vergleichen

Es gibt eine sehr bewährte Methode, wie Sie Ihre Fähigkeit zu entscheiden und zu planen kontinuierlich verbessern können: Nutzen Sie Feedback. Vergleichen Sie Ihre ursprünglichen Erwartungen, als Sie eine Entscheidung getroffen und einen entsprechenden Plan formuliert haben, mit den tatsächlichen Ergebnissen. Dazu müssen Sie Ihre Entscheidung, die beabsichtigten Maßnahmen und Ihre damit verbundenen Erwartungen mitsamt den Gründen, die Sie dazu bewogen, vorab schriftlich festhalten. Diese Aufzeichnungen vergleichen Sie hinterher mit den Ergebnissen. Wenn Sie das konsequent machen, werden Sie mit der Zeit zu einem wirklich kompetenten Entscheider und auch Ihre Fähigkeiten, realistische Pläne zu entwickeln, werden sich verbessern.

Aufgaben und Denkanstöße:

  • Was müssen Sie bei einer aktuell anstehenden Entscheidung tun, um sorgfältiger zu planen?
  • Überdenken Sie Ihre Standards und Ihren Anspruch, wenn es um Vorbereitung und Planung geht.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
eikfier 18.07.2010
1. Gänsehaut
Zitat von sysopFriedrich der Große, Napoleon, Clausewitz - von Feldherren vergangener Tage lässt sich einiges lernen, auch für den heutigen Büroalltag. Buchautor Frank Arnold hat die Schlachten der Heerführer analysiert. Sein Fazit: Hinter jedem Sieg steht ein großer Plan, selbst wenn der nicht immer ganz aufgeht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704201,00.html
...keine Frage, Genie und Wahnsinn hatten schon immer was mit einander und machen daher Normalmenschen eher eine Gänsehaut! Das wird dem großen Corsen wohl auch bei seinem unrühmlichen Ende auf St.Helena geauso klar geworden sein, wie seinem Nachfolger im Amte in puncto Größenideen , unserem GRÖFAZ, als er sich für seinen "Abgang" die letzten 2 Kanister Benzin bereitstellen ließ im Hof der Reichskanzlei, aber da waren die Millionen Genie-Opfer schon jeweils alle lange vor ihnen tot.... Drum sage ich´s gerne auf Russisch-Chinesisch: quidquid agis, prudenter agas et respice finem, angela merkel! ;-);-)
Monsieur Rainer 18.07.2010
2. Absolut empfehlenswert !
Das Buch sollte zur Pflichtlektüre in allen Fakultäten der Universitäten gemacht werden. Napoléon I war nicht nur ein genialer Heerführer, er war auch ein aufgeklärter Bürger Frankreichs, der in nur kurzer Zeit das gesamte Rechtssystem Frankreichs auf den Kopf gestellt hat und mit dem Code Napoléon heute noch gültige Rechsnormen der französischen Justiz geschaffen hat. Von Clausewitz war nicht minder genial. Noch heute findet man in den Lehren der Volkswirtschaft sein Prinzip der konzentrierten Engpass - Strategie, die man heute als kybernetische Managementlehre bezeichnet. Suche den Engpass des Gegners und stosse dort hinein, so wirst du Erfolg haben. Ein Buch für alle Lebenslagen! Kompliment !
Monsieur Rainer 18.07.2010
3. Mit Verlaub, ein Vergleich zwischen Napoleon und Hitler ist unzulässig
Zitat von eikfier...keine Frage, Genie und Wahnsinn hatten schon immer was mit einander und machen daher Normalmenschen eher eine Gänsehaut! Das wird dem großen Corsen wohl auch bei seinem unrühmlichen Ende auf St.Helena geauso klar geworden sein, wie seinem Nachfolger im Amte in puncto Größenideen , unserem GRÖFAZ, als er sich für seinen "Abgang" die letzten 2 Kanister Benzin bereitstellen ließ im Hof der Reichskanzlei, aber da waren die Millionen Genie-Opfer schon jeweils alle lange vor ihnen tot.... Drum sage ich´s gerne auf Russisch-Chinesisch: quidquid agis, prudenter agas et respice finem, angela merkel! ;-);-)
Während Hitler ein grössenwahnsinniger Verbrecher war, der nur das Element " Zerstörung und Vernichtung " in sich trug, hatte Napoléon ganz andere Zielvorstellungen. Er wollte mit der Kleinstaaterei aufräumen und ein geeintes Europa nach dem Vorbild der französischen Revolution schaffen. Während Hitler seine willfährigen Justizbeamten zu Verbrechern mutieren liess, schuf Napoleon den Code Napoleon, der heute noch Basis der französischen Rechtssprechung ist. Napoléon schuf 1811 das Amt des weisungsunabhängigen Untersuchungsrichters, um jegliche poltische Einflussnahme auf die Justiz zu unterbiden. Hitler machte die deutsche Justiz zu Handlangern seiner Verbrechen. Napoléon sorgte sich um seine Soldaten, gab Ihnen und ihren Witwen Tabaklizenzen, die bis heute Gültigkeit haben, Hitler waren seine Soldaten gleichgültig, er verheizte sie für seine grössenwahnsinnigen Ziele zur Weltherrschaft. Es lebe der grosse Unterschied!
Michael Giertz, 18.07.2010
4. Vom Wirtschaftskriege (Carl v. Clausewitz jr.)
Zitat von sysopFriedrich der Große, Napoleon, Clausewitz - von Feldherren vergangener Tage lässt sich einiges lernen, auch für den heutigen Büroalltag. Buchautor Frank Arnold hat die Schlachten der Heerführer analysiert. Sein Fazit: Hinter jedem Sieg steht ein großer Plan, selbst wenn der nicht immer ganz aufgeht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704201,00.html
Ich finde es witzig, aber auch bezeichnend, wenn die Grundsätzlichkeiten des Krieges, der Planung eines solchen und die Ausführung in die Ökonomie einfließen. Da bekommt die Begrifflichkeit "Wirtschaftskrieg" eine komplett neue Bedeutung. Eigentlich kann man aus den Büchern Clausewitz' nur eines herauslesen: "Jeder Plan ist nur so gut, wie er zu Ende gedacht wurde, und jeder Plan verliert seine Gültigkeit, wenn die Theorie zur Praxis reifen soll." Aber das sind Grundsätze, die absolut allgemeingültig sind und schon fernab der Schlachtfelder im 18. und 19. Jahrhunderts erkannt worden sind.
chagall1985 18.07.2010
5. Etwas Naiv und ziemlich einseitig
Wenn man Planer und Strategen im militärischen Bereich analysiert und dann George C. Marshall vergisst ist das schon peinlich. Was den Übergang zum heutigen Management betrifft ist Marshall vielleicht der bedeutenste Manager des 20 Jahrhunderts. Und Management und Krieg haben per definiton sehr viele gemeinsamkeiten. Es geht um Ergebnisse!! Gutes Management liefert Ergebnisse nichts anderes ist Erste Aufgabe von Mangement. Und im Krieg geht es ebenso darum ein Ziel zu erreichen. Da ist es nur logisch, dass die Methoden zur erreichung von Zielen und Ergebnissen sehr ähnlich sind.
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