Deutsche Bank: Abgeordnete scheitern an den Mauer-Bankern

Von

Punktsieg für die Deutsche Bank im Finanzausschuss: An ihrem verschwiegenen Vorstand Stephan Leithner beißen sich die Abgeordneten ihre Zähne aus. Statt Kreuzverhören gab es von dem Deutsch-Banker ausweichende Antworten und nichts Neues.

Leithner verlässt den Finanzausschuss des Bundestages: Der Rest ist Schweigen Zur Großansicht
DPA

Leithner verlässt den Finanzausschuss des Bundestages: Der Rest ist Schweigen

Berlin - Nach einer halben Stunde resigniert Lothar Binding. Seiner Frage, wie der Vorstand der Deutschen Bank denn nichts von den Manipulationen mitbekommen konnte, weicht Stephan Leithner aus. Man untersuche intern, dazu könne er noch nichts sagen, erwidert Leithner knapp. Die Feststellung des SPD-Abgeordneten, dass ein solcher Vorstand ein schlechter sein müsse, ignoriert der Rechtsvorstand des Geldinstituts. Stattdessen rüffelt die Ausschussvorsitzende, Birgit Reinemund (FDP) ihren Kollegen Binding: Man führe hier keine Kreuzverhöre durch. "Ja, deswegen sind wir auch so harmlos", antwortet der SPD-Abgeordnete beleidigt.

Dabei geht es in dem Skandal um viel: Ein Kartell internationaler Großbanken hat den Libor, einen der wichtigsten Zinssätze des weltweiten Finanzsystems, über Jahre systematisch manipuliert. Insgesamt beziehen sich Finanztransaktionen von weltweit geschätzt 500 Billionen Euro auf den Libor. Seine Höhe wird bisher nicht auf Basis tatsächlicher Geschäfte bestimmt, sondern anhand von Schätzungen der Banken selbst. Die britische Großbank Barclays räumte bereits im Juni eine Beteiligung an dem Zinskartell ein und akzeptierte eine Strafe von umgerechnet rund 200 Millionen Euro. Die Deutsche Bank streitet bisher ab, dass Führungskräfte von den Manipulationen wussten.

"Nur in Deutschland hält man es nicht für nötig, persönlich zu kommen"

Auf diesem seit Monaten bekannten Stand mauert sich Leithner ein: "Wir haben Einzelpersonen, bei denen wir Fehlverhalten festgestellt haben. Wir haben aber keine Involvierung des Managements" wiederholt der Deutschbanker in verschiedenen Variationen gefühlte 20 Mal. Ansonsten verweist er auf die internen Untersuchungen der Bank, die noch nicht abgeschlossen seien.

Als nächstes darf sich Gerhard Schick, Obmann der Grünen im Finanzausschuss, seinen Kopf an dem Mauer-Banker einrennen. "Sie müssen uns doch zumindest erklären können, was in Ihrem eigenen Haus geschehen ist, als Sie von den Vorwürfen erfahren haben. Haben Sie reagiert oder das Ganze erst Mal laufen lassen?", fragte der Grüne Schick. Man habe eng mit den Behörden zusammengearbeitet, sagt Deutsch-Banker Leithner, als sei das nicht selbstverständlich. Genauere Angaben könne er nicht machen, schließlich liefen Verfahren in den USA und Großbritannien. Der Rest ist Schweigen.

Für die Abgeordneten ist schon Leithners Erscheinen eine Niederlage: Der Finanzausschuss hatte eigentlich Anshu Jain vorgeladen, den Co-Chef des Geldinstituts. Der hatte die Investmentbanking-Abteilung der Bank in der Zeit geleitet, als seine Mitarbeiter dort gemeinsam mit anderen Geldhäusern den Libor manipuliert haben sollen. Jain sagte den Abgeordneten schon vergangene Woche ab und schickte seinen Stellvertreter Leithner. Dafür hatte Jain harsche Kritik einstecken müssen, sogar von Josef Ackermann, seinem Vorgänger bei der Deutschen Bank. Gebracht hat es nichts: "In den USA und Großbritannien haben die großen Banken ganz selbstverständlich ihre Chefs geschickt. Nur in Deutschland hält man es nicht für nötig, persönlich zu kommen", erregt sich Gerhard Schick nach der Sitzung.

Abgeordneten lassen ihrer Frustration freien Lauf

Dass die Abgeordneten Leithner nicht einmal ins Schwitzen bringen, liegt auch an Hugo Bänziger. Eigentlich ist der ehemalige Risikovorstand der Deutschen Bank als Kronzeuge der Anklage geladen. Einst als Nachfolger von Josef Ackermann gehandelt, wurde Bänziger mit Jains Amtsantritt gefeuert. Seit seiner Demission hat Bänziger die Risikoneigung seines Ex-Arbeitgebers kritisiert. Zuletzt arbeitete der Schweizer in der Liikanen-Kommission an Vorschlägen zur Bankenregulierung, deren Umsetzung ein Ende der bisherigen Deutschen Bank bedeuten würde.

Doch Bänziger hält Leithner den Rücken frei: In der internen Untersuchung habe die Bank alles getan, um den Skandal aufzuklären. Millionen E-Mails und Finanzdaten habe man gesammelt. "Ich kann alles, was Herr Leithner gesagt hat, nur bestätigen", sagt Bänziger. Über den Stand der Auswertung wisse er nichts, er sei ja nicht mehr bei der Deutschen Bank. Und überhaupt sei er für die Compliance, die Einhaltung gesetzlicher und ethischer Regeln in der Bank, gar nicht zuständig gewesen. Am Ende von Bänzigers Statements bleibt höchstens noch die Frage, warum man ihn eigentlich eingeladen hat.

Ihrer Frustration lassen die Abgeordneten nach der Sitzung freien Lauf: "Ich habe noch keine Anhörung erlebt, bei der so magersüchtige Antworten gegeben wurden", sagt Lothar Binding. Die Anhörung habe lediglich gezeigt, dass ein solch wichtiger Zins von öffentlichen Stellen gesetzt werden sollte. Gerhard Schick von den Grünen stellt die ganze Kommunikationsstrategie der Deutschen Bank in Frage:"Von dem öffentlichen Dialog mit der Gesellschaft, den Herr Jain bei seinem Amtsantritt angekündigt hat, haben wir heute nichts gesehen."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Peinlich
Mark E. Deutsch-Neue 28.11.2012
Peinlich für den Finanzausschuss. Es wurde offenbar weniger als nichts erreicht. Die Deutsche Bank nimmt die Regierung, den Bundestag und seine Ausschüsse offenbar nicht ernst. Hier sieht man, wer in diesem Land das Sagen hat. In den verfügbaren Videos der Befragung der Pleitebanker durch den US Kongress kann man sehen, wie so etwas aussehen kann. Hier gibt es anscheinend nur noch konforme Gesetzgebung im Interesse diverser Branchen und Interessengruppen. Der Bürger steht hinten an. Beipiele: - Die Steuervorteile für das Übernachtungsgewerbe - Schnellverabschiedungen gewichtiger Vorlagen wie dem neuen Sparpaket für Griechenland - Leistungsschutzrecht für Fiede Springer - GEZ ab Januar als faktische Steuer. Höhe festgelegt durch Funktionäre - Zahlung von Schadenersatz an Windparkbetreiber direkt durch die Stromkunden. Das sind wir alle, denn industrielle Großverbraucher genießen Vorteile Bis auf Punkt 1 gibt es kein Entrinnen. Keine Möglichkeit zu Sparen durch Einschränkung. Denn man hat keine Wahl.
2. Äpfel und Birnen
hxk 28.11.2012
Zitat von Mark E. Deutsch-NeuePeinlich für den Finanzausschuss. Es wurde offenbar weniger als nichts erreicht. Die Deutsche Bank nimmt die Regierung, den Bundestag und seine Ausschüsse offenbar nicht ernst. Hier sieht man, wer in diesem Land das Sagen hat. In den verfügbaren Videos der Befragung der Pleitebanker durch den US Kongress kann man sehen, wie so etwas aussehen kann.
Das vergleiche Sie. Der Finanzausschuss des Bundestages kann jemanden *ein*laden, die Ausschüsse des US Kongress können jemanden *vor*laden. Kleiner, aber sehr wichtiger Unterschied.
3. Die Frage an die Abgeordneten:
eckawol 28.11.2012
Zitat von sysopPunktsieg für die Deutsche Bank im Finanzausschuss: An ihrem verschwiegenen Vorstand Stephan Leithner beißen sich die Abgeordneten ihre Zähne aus. Statt Kreuzverhören gab es von dem Deutsch-Banker ausweichende Antworten und nichts Neues. Libor-Anhörung im Bundestag: Die Deutsche Bank schweigt und siegt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/libor-anhoerung-im-bundestag-die-deutsche-bank-schweigt-und-siegt-a-869840.html)
Was hätten Sie denn gerne in deutscher Sprache gehört, um nicht frustriert zu sein ? Ein Eingeständnis von Schuld um jeden Preis, um vor sich selbst und der Öffentlichkeit zu glänzen?
4. Haben wir Humor?
Dr.pol.Emik 28.11.2012
Den haben wir. Jedem Hartz IV Bezieher sieht man in die Unterwäsche und unseren größten Sozialhilfeempfängern, den Banken trägt man die Kohle tonnenweise hinterher. Als Dank dafür: „Totenstille“ und großes Schweigen wenn es um die Analyse von Verfehlungen geht, die beim kleinen Mann zu sofortigen Kürzungen führen. *Regierung plant Spendenaufruf für Banken* (http://qpress.de/2012/05/02/regierung-plant-spendenaufruf-fur-banken/) … und statt Dresche kommt vermutlich dann eher so etwas, weil es den Banken selbstverständlich auf Dauer noch dreckiger gehen wird und man einfach noch mehr Bürgerbeteiligung braucht. Neben der steuerbasierten dann eben auch noch die freiwillige. Ich bin mir sicher, der Michel steht auf sowas … (°!°)
5.
Battlemonk 28.11.2012
Zitat von Mark E. Deutsch-NeuePeinlich für den Finanzausschuss. Es wurde offenbar weniger als nichts erreicht. Die Deutsche Bank nimmt die Regierung, den Bundestag und seine Ausschüsse offenbar nicht ernst. Hier sieht man, wer in diesem Land das Sagen hat. In den verfügbaren Videos der Befragung der Pleitebanker durch den US Kongress kann man sehen, wie so etwas aussehen kann. Hier gibt es anscheinend nur noch konforme Gesetzgebung im Interesse diverser Branchen und Interessengruppen. Der Bürger steht hinten an. Beipiele: - Die Steuervorteile für das Übernachtungsgewerbe - Schnellverabschiedungen gewichtiger Vorlagen wie dem neuen Sparpaket für Griechenland - Leistungsschutzrecht für Fiede Springer - GEZ ab Januar als faktische Steuer. Höhe festgelegt durch Funktionäre - Zahlung von Schadenersatz an Windparkbetreiber direkt durch die Stromkunden. Das sind wir alle, denn industrielle Großverbraucher genießen Vorteile Bis auf Punkt 1 gibt es kein Entrinnen. Keine Möglichkeit zu Sparen durch Einschränkung. Denn man hat keine Wahl.
falsch der unterschied ist dass man in deutschland einen fehler zweifelsfrei nachweisen muss während es in amerikanischen zivilprozessen reicht wenn die wahrscheinlichkeit der schuld die der nichtschuld bedeutend übersteigt aber sie muss nicht restfrei nachgewiesen werden. Davor haben sie angst in usa
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Deutsche Bank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 53 Kommentare