Libor-Skandal Weitere Banken müssen Millionenstrafen zahlen

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die EU-Kommission Strafen gegen vier internationale Großbanken verhängt. Insgesamt müssen sie Geldbußen von 94 Millionen Euro zahlen. Ein Großteil davon entfällt auf die US-Bank JP Morgan Chase - eine andere kam straffrei davon.

Hauptsitz von JP Morgan Chase in New York
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Hauptsitz von JP Morgan Chase in New York


Brüssel/Strassburg - Jahrelang sollen internationale Großbanken den Libor-Referenzzinssatz manipuliert haben - dafür hat die EU-Kommission nun weitere Millionenstrafen verhängt. So muss die US-Bank JP Morgan Chase Chart zeigen knapp 61,6 Millionen Euro Strafe zahlen. Sie soll zusammen mit der Royal Bank of Scotland (RBS) von 2008 bis 2009 den Libor-Referenzzinssatz für Schweizer Franken manipuliert haben. RBS hatte die Manipulationen gemeldet und entgeht deshalb einer Strafe.

Zudem ging die EU-Kommission gegen ein Zinskartell vor. JP Morgan Chase soll auch darin eine Rolle gespielt und im Jahr 2007 Referenzpreise für Zinsderivate in Schweizer Franken manipuliert haben. Wegen dieses Kartells verhängte die Kommission eine zusätzliche Strafe von 10,5 Millionen Euro gegen JP Morgan Chase. Beteiligt waren neben der Bank RBS - die als Kronzeuge erneut straffrei ausging - auch die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die 12,6 beziehungsweise 9,2 Millionen Euro zahlen müssen.

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EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: "Kartelle im Finanzsektor, in welcher Form auch immer, werden nicht toleriert." Die UBS wollte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa keine offizielle Stellungnahme abgeben. Die Credit Suisse teilte mit: "Nach Gesprächen mit der Europäischen Kommission hat die Credit Suisse entschieden, diese Angelegenheit in einem Vergleich beizulegen, um langwierige Rechtsverfahren zu vermeiden."

Seit Langem gehen Europas oberste Wettbewerbshüter gegen Banken wegen Manipulationen bei verschiedenen Referenzzinssätzen wie Euribor, Libor und Tibor vor. Diese beruhen auf Angaben von Banken, deren Händler sollen sich vor der täglichen Meldung abgesprochen haben. Die Zinssätze gelten als Maßstab für Geschäfte in Billionenhöhe. Mehrere Banken mussten dafür bereits eine EU-Rekordbuße von 1,7 Milliarden Euro zahlen. Auf die Deutsche Bank entfiel wegen verbotener Absprachen bei gleich zwei Zinssätzen die höchste Einzelstrafe von 725 Millionen Euro.

vks/dpa/Reuters



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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Strichnid 21.10.2014
1. ...
94 Millionen?!? Sicher, dass das kein Übersetzungsfehler ist? Diese kriminellen Vereinigungen, genannt Banken, haben sich mit diesen Manipulationen um deutlich mehr bereichert. Diese geringen Strafen sind ja geradezu eine Aufforderung, die Taktik noch einmal durchzuziehen.
Volker Birk 21.10.2014
2. Milliardenprofite und Millionenstrafen
Und da sag einer noch, Verbrechen lohne sich etwa nicht. In der Finanzbranche gilt jedenfalls das Gegenteil.
irobot 21.10.2014
3.
Zitat von Strichnid94 Millionen?!? Sicher, dass das kein Übersetzungsfehler ist? Diese kriminellen Vereinigungen, genannt Banken, haben sich mit diesen Manipulationen um deutlich mehr bereichert. Diese geringen Strafen sind ja geradezu eine Aufforderung, die Taktik noch einmal durchzuziehen.
Die machen das häppchensweise. Steter Tropfen höhlt den Stein. Hoffe ich zumindest.
indusdriesklave 21.10.2014
4. äh?
geht da vielleicht auch einer in knast? werden mitwisser bestraft? wereden geschädigte entschädigt? wo gehen eigentlich die strafgelder?
raber 22.10.2014
5. Attraktive Finanzbetrügereien mit Wiederholungspotential
Warum sind die Strafzahlungen im Vergleich zu den bei diesen Aktivitäten erreichten Gewinnen so gering ausgefallen? Es ist eine Sauerei, dass die Verursacher dieser Betrügereien nicht ins Gefängnis müssen und wahrscheinlich auch noch hohe Bonis eingestrichen hatten. So sind diese Straftaten weiterhin attraktiv um wiederholt zu werden.
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