Libor-Skandal: Ex-Notenbanker überwacht Neuanfang bei Barclays

David Walker wird neuer Verwaltungsratschef der britischen Bank Barclays. Er soll einen Nachfolger für Ex-Chef Diamond finden, der über den Libor-Zinsskandal stolperte. Auch die britische Finanzaufsicht zieht Konsequenzen aus der Affäre und will den Libor reformieren.

Graue Eminenz: Der künftige Barclays-Verwaltungsratschef David Walker Zur Großansicht
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Graue Eminenz: Der künftige Barclays-Verwaltungsratschef David Walker

London - Barclays beginnt nach dem Libor-Skandal mit der Neubesetzung seiner Führung: Die britische Bank ernannte David Walker zum neuen Verwaltungsratschef, er übernimmt den Posten Anfang November. Walker kündigte an, sich "intensiv" an der Suche nach einen Nachfolger für den langjährigen Vorstandschef Bob Diamond zu beteiligen.

Der 72-jährige Walker arbeitete von 1977 bis 1993 bei der britischen Notenbank. Seit 1995 war er bei der US-Großbank Morgan Stanley Chart zeigenbeschäftigt, zuletzt als hochrangiger Berater. Als "graue Eminenz" mit engen Verbindungen zu den Regulierern beschäftigte sich Walker wiederholt mit der Aufarbeitung von Finanzskandalen - etwa mit der Schieflage der Royal Bank of Scotland Chart zeigen, die in der Finanzkrise vom Staat aufgefangen werden musste.

Mehr als ein Dutzend Banken soll den Libor jahrelang manipuliert haben (siehe Grafikstrecke). Der Referenzsatz wird einmal täglich in London in verschiedenen Währungen ermittelt und liegt zahlreichen Finanztransaktionen am Markt zugrunde. Barclays hatte als erstes Institut ein Fehlverhalten eingeräumt und musste dafür eine Strafe von einer halben Milliarde Dollar zahlen. Neben Diamond stürzte auch der bisherige Verwaltungsratschef Marcus Agius über die Affäre. Weltweit dauern die Ermittlungen gegen andere Institute noch an. Auch die Deutsche Bank ist betroffen.

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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Anleger gaben Walker einen Vertrauensvorschuss: Die Barclays-Aktie, die in den vergangenen Wochen arg gelitten hat, legte zum Wochenausklang mehr als drei Prozent zu und war damit größter Gewinner im Stoxx 50 Chart zeigen.

Die britische Finanzaufsicht (FSA) kündigte an, der Libor müsse im Zuge des Manipulationsskandals reformiert oder ersetzt werden. Angesichts des Glaubwürdigkeitsverlustes infolge des Skandals könne er seiner Funktion nicht mehr gerecht werden.

Die Behörde schlägt zur Reform vor, in einigen Fällen andere Zinssätze zu nutzen sowie die Erstellung des Satzes zu verändern. Auch eine ganze Reihe anderer in der Finanzwelt wichtige Referenzsätze - etwa für den Ölmarkt, Gold und Aktien - würden derzeit unter die Lupe genommen, erklärte FSA-Chef Martin Wheatley. Sie sollten in Zukunft weniger von Einschätzungen abhängen und stattdessen eher auf realen Transaktionen basieren.

dab/Reuters

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