Libor-Manipulation Deutsche Bank erleidet Schlappe vor Londoner Gericht

Rückschlag für die Deutsche Bank und Barclays: Die Kreditinstitute scheiterten vor einem Londoner Gericht mit dem Versuch, Vorwürfe im Libor-Skandal aus Verfahren herauszuhalten. Die Entscheidung könnte zahllose Schadensersatzverfahren von Kleinunternehmen ins Rollen bringen.

Zentrale der Deutschen Bank: Enttäuscht über die Entscheidung
REUTERS

Zentrale der Deutschen Bank: Enttäuscht über die Entscheidung

Von Max Colchester, Wall Street Journal Deutschland


London - Die Deutsche Bank und Barclays haben eine Schlappe vor dem Appellationsgericht in London erlitten. Beiden Instituten ist es nicht gelungen, Vorwürfe über Manipulationen beim Referenzzins Libor aus zwei separaten Gerichtsverfahren London herauszuhalten, bei denen es unter anderem um Falschberatung bei Derivaten ging. Das Appellationsgericht entschied, dass in beiden Fällen die Libor-Vorwürfe relevant seien und hat sie deshalb zugelassen.

Die beiden Verfahren werden voraussichtlich 2014 beginnen. Das Urteil könnte die Tür für zahllose weitere Schadensersatzverfahren von Kleinunternehmen öffnen, die Banken vorwerfen, ihnen durch die Manipulation des Libor-Satzes geschadet zu haben.

Die zwei Unternehmen Guardian Care Homes und Unitech Global haben in zwei separaten Verfahren den Vorwurf erhoben, dass sie von Barclays Chart zeigen beziehungsweise von der Deutschen Bank Chart zeigen beim Kauf von Produkten zur Absicherung von Zinsrisiken falsch beraten worden seien. Die Geschäfte orientierten sich an der London Interbank Offered Rate (Libor), deren Satz mehrere Banken manipuliert haben sollen. Sowohl Barclays als auch die Deutsche Bank hatten geltend gemacht, dass die Vorwürfe zu den Swap-Geschäften nichts mit den Vorwürfen über Libor-Manipulationen zu tun hätten. Das Appellationsgericht sah dies nun anders.

Guardian Care Homes wirft Barclays vor, auf Swap-Geschäfte, die auf dem Libor basierten, seit 2008 mehr als zwölf Millionen Pfund Sterling verloren zu haben. Barclays habe den Referenzzins zu seinem eigenen Vorteil manipuliert.

Barclays hat im vergangenen Jahr Strafen von insgesamt 290 Millionen Pfund gezahlt, nachdem sich das Institut mit den Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien geeinigt und Manipulationsversuche eingestanden hatte. Barclays teilte mit, die Vorwürfe einer Falschberatung bei den Geschäften hätten mit oder ohne Libor-Vorwürfe keinen Bestand. Das Unternehmen habe über eine Gruppe von Beratern verfügt und die erworbenen Hedging-Produkte verstanden.

Die Deutsche Bank hatte auch versucht, das indische Unternehmen Unitech Global daran zu hindern, die Vorwürfe über eine Falschberatung beim Kauf von Swap-Produkten mit breiter gefassten Vorwürfen über Manipulationen von Zinssätzen zu verknüpfen. Auch diesen Ansatz schmetterte das Appellationsgericht ab. Die Deutsche Bank hatte anfänglich Unitech Global auf die Rückzahlung eines Kredits verklagt.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank in London sagte, man sei über das Gerichtsurteil enttäuscht und werde dagegen vorgehen. Es handele sich um ein seit längerem anhängiges Verfahren über einen Kredit, der nicht zurückgezahlt worden sei. Die Einführung breiter und unbegründeter Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Libor sei der Versuch der Beschuldigten, die Zahlung zu verzögern und das Augenmerk von den unbezahlten Schulden abzulenken.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



insgesamt 7 Beiträge
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nicless 11.11.2013
1. Tricksen und täuschen...
Eine Sprecherin der Deutschen Bank in London sagte, man sei über das Gerichtsurteil enttäuscht und werde dagegen vorgehen. Es handele sich um ein seit längerem anhängiges Verfahren über einen Kredit, der nicht zurückgezahlt worden sei. Die Einführung breiter und unbegründeter Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Libor sei der Versuch der Beschuldigten, die Zahlung zu verzögern und das Augenmerk von den unbezahlten Schulden abzulenken. ....dürfen halt nur die Auserwählten!
dr.frustus 11.11.2013
2.
Dumm g'luffet für die Deutsche Bank. Sind beim Bescheißen erwischt worden und wollen die Konsequenzen nicht tragen.
spon-1280943165745 11.11.2013
3.
Wieso hört man in Bezug auf den Bankenskandal nur in England und den USA von Gerichtsverfahren und Vergleichen mit erheblichen Strafzahlungen?
wernerliefen 11.11.2013
4. Es wird langsam eng...
...liebe Deutsche Bank. Ich glaube Ihr müsst langsam wirklich aufpassen dass Euch diese ganzen Klagen nicht überrollen. Habt Ihr noch den Überblick? Seid Ihr sicher dass Ihr den Überblick habt? W i r k l i c h sicher? Oder spielt Euch euer typisches mittleres Management Geschacher hier nicht wieder einen Streich? Diesmal ist der Streich vielleicht tödlich. Keine Bank ist unsterblich. Wenn die Deutsche Bank untergeht ist niemandem geholfen. Wirklich niemandem!
ratschbumm 11.11.2013
5. Doch, schon.
Zitat von wernerliefen...liebe Deutsche Bank. Ich glaube Ihr müsst langsam wirklich aufpassen dass Euch diese ganzen Klagen nicht überrollen. Habt Ihr noch den Überblick? Seid Ihr sicher dass Ihr den Überblick habt? W i r k l i c h sicher? Oder spielt Euch euer typisches mittleres Management Geschacher hier nicht wieder einen Streich? Diesmal ist der Streich vielleicht tödlich. Keine Bank ist unsterblich. Wenn die Deutsche Bank untergeht ist niemandem geholfen. Wirklich niemandem!
Denen nämlich, die von der DeuBa nicht mehr betrogen werden können wenn sie weg ist.
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