Zinsmanipulationen Banken müssen 1,7 Milliarden Euro Strafe zahlen

Betroffen sind Top-Konzerne der globalen Geldbranche: Die EU-Kommission verhängt die Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro gegen Banken, die in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze verwickelt sind. Allein die Deutsche Bank muss rund 725 Millionen Euro zahlen.

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Rekordstrafe für das Zinskartell
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Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Rekordstrafe für das Zinskartell


Brüssel - Es ist die bisher höchste Strafe überhaupt, die EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia jetzt verhängt hat: Insgesamt 1,7 Milliarden Euro sollen führende Banken aus der Europäischen Union und den USA dafür zahlen, dass sie Referenzzinssätze manipuliert haben. "Der heutige Beschluss ist ein deutliches Signal, dass die Kommission fest entschlossen ist, Kartelle im Finanzsektor zu bekämpfen und zu sanktionieren", teilte Almunia mit.

Zu den betroffenen Instituten zählen neben der Deutschen Bank die größten Banken Europas und der USA: Allein die Deutsche Bank muss eine Geldbuße von rund 725 Millionen Euro zahlen, die höchste Summe von allen. Die französische Société Générale muss knapp 446 Millionen Euro zahlen, die Royal Bank of Scotland 391 Millionen Euro. Ebenfalls betroffen sind die US-Banken Citigroup (80 Millionen Euro) und JP Morgan Chase (70 Millionen Euro) sowie RP Martin (250.000 Euro).

Mitarbeiter der Banken haben sich bei der Festlegung von Referenzzinssätzen wie dem Euribor, dem Libor und dem japanischen Tibor abgesprochen und sie dadurch manipuliert. Die Unternehmen haben ihre Schuld zumindest teilweise eingeräumt - und müssen im Gegenzug eine zehn Prozent niedrigere Geldbuße zahlen.

Die britische Barclays und die Schweizer UBS bekommen ihre Geldbußen erlassen, weil sie maßgeblich zur Aufklärung der Manipulationen beigetragen haben.

Die Deutsche Bank teilte nach der Entscheidung mit, die hohe Summe spiegele vor allem den hohen Marktanteil des Instituts wider. Der Vergleich sei aber "ein wichtiger Schritt in unseren Bemühungen, Altlasten zu bereinigen". Er betreffe "Verhaltensweisen von einzelnen Mitarbeitern in der Vergangenheit", die schwere Verstöße gegen Werte und Überzeugungen der Deutschen Bank darstellten.

Die Ermittlungen der EU-Behörde laufen bereits seit zwei Jahren. Die Banken hatten zentrale Zinssätze für den globalen Finanzmarkt manipuliert, darunter den sogenannten Libor und den Euribor. Diese gelten als Basis für Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar, zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt.

Mitarbeiter verschiedener Banken sollen sich in kleinen Kartellen abgesprochen haben, um die Entwicklung der Zinssätze zu beeinflussen. Gegen mehr als ein Dutzend Institute wird ermittelt. Die Deutsche Bank hatte in ihrem jüngsten Quartalsbericht eingeräumt, dass die Untersuchungen zu "hohen Geldstrafen" führen könnten.

Nach EU-Recht sind Absprachen zum Schaden von Konkurrenten oder Verbrauchern verboten. Die EU-Kommission kann Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes aussprechen. Der Fall hat sich zu einem weltweiten Skandal entwickelt. Weltweit haben die Aufseher bislang Strafen von insgesamt rund 3,7 Milliarden Dollar wegen des Libor-Skandals ausgesprochen - gegen die Banken UBS, RBS, Barclays, Rabobank und den Börsenhändler ICAP.

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nck/Reuters

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insgesamt 161 Beiträge
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Seite 1
buero 04.12.2013
1. Das wird wieder teuer
Das wird wieder für uns Steuerknechte teuer. Mehr gibts da nicht dazu zu sagen.
svoop 04.12.2013
2.
Warum habe ich nur das Gefühl, dass bei diesen immer neuen Skandalen eigentlich ICH gebüsst werde. Entweder weil ich als Kunde die Busse auf die Gebühren umgelegt bekomme oder - wenn die Bank so richtig marode ist - weil sie mit meinen Steuergeldern gerettet wird und dann damit die Bussen bezahlt?
CHANGE-WECHSEL 04.12.2013
3. lächerliche Strafe
Bei solch hohen Strafen muss ja eine sehr umfangreiche Straftat vorliegen. Deshalb gehören die Verantwortlichen eher ins Gefängnis. Deutschland ist kein Rechtsstaat mehr, dass ist eine korrupte Bananenrepublik.
CyberDyne 04.12.2013
4. Peanuts.
Zitat von sysopAP/dpaBetroffen sind Top-Konzerne der globalen Geldbranche: Die EU-Kommission verhängt die Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro gegen Banken, die in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze verwickelt sind. Alleine die Deutsche Bank muss rund 725 Millionen Euro zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/libor-skandal-eu-verhaengt-milliardenstrafe-gegen-banken-a-937114.html
725.000.000 Strafe für die Deutsche Bank? Das sind doch Peanuts im Vergleich zu ihren Profiten bei diesem dreisten Schwindel!
anderton 04.12.2013
5. ...
Zitat von sysopAP/dpaBetroffen sind Top-Konzerne der globalen Geldbranche: Die EU-Kommission verhängt die Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro gegen Banken, die in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze verwickelt sind. Alleine die Deutsche Bank muss rund 725 Millionen Euro zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/libor-skandal-eu-verhaengt-milliardenstrafe-gegen-banken-a-937114.html
Wie ist denn der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia auf die Summe von 1,7 Mrd. gekommen? Und wie viel Geld hat haben diese "Top - Konzerne" denn mit den Manipulationen verdient?
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