Zinsskandal Rabobank droht Milliardenstrafe wegen Libor-Manipulation

Die Strafe fällt höher aus als erwartet: Die niederländische Rabobank muss für ihre Verstrickung in den Libor-Skandal offenbar eine Milliarde Dollar bezahlen. Eine entsprechende Einigung mit Behörden in den USA und Großbritannien steht kurz bevor.

Rabobank-Finanzchef Bruggink: Zahlung über fast eine Milliarde Dollar droht
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Rabobank-Finanzchef Bruggink: Zahlung über fast eine Milliarde Dollar droht


Amsterdam/Bangalore - Der niederländischen Rabobank droht wegen ihrer Rolle im Libor-Skandal eine Strafzahlung von knapp einer Milliarde Dollar. Britische und amerikanische Behörden könnten das Finanzinstitut bereits in der kommenden Woche mit der unerwartet hohen Geldbuße belegen. Eine Einigung stehe kurz bevor und könnte bereits in der kommenden Woche veröffentlicht werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Zuvor hatte auch die "Financial Times" über die Einigung berichtet.

In der Affäre um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor wäre das die bislang zweithöchste Strafzahlung. Die Schweizer Großbank UBS Chart zeigen hatte sich im vergangenen Dezember mit den Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz auf die Zahlung von rund 1,5 Milliarden Dollar geeinigt.

Allerdings war im Fall der Rabobank noch vor kurzem erwartet worden, dass die Niederländer weniger als die Royal Bank of Scotland (RBS) Chart zeigen zahlen müssen. Diese hatte in einem Vergleich umgerechnet etwas mehr als 600 Millionen Dollar gegen die Einstellung der Ermittlungen gezahlt.

Auch der Deutschen Bank Chart zeigen droht wegen ihrer Beteiligung am Libor-Skandal noch eine Strafe. Bislang ist aber noch offen, wie teuer es für den deutschen Branchenprimus wird. Am Montag war bekannt geworden, dass sie ihre internen Untersuchungen ausgeweitet und 50 Mitarbeiter zu Gesprächen geladen hat. Die deutsche Finanzaufsicht hat Insidern zufolge in einer Sonderprüfung zwar kein bewusstes Fehlverhalten im Top-Management entdeckt. Die BaFin rügte aber, dass die internen Kontrollen zu lasch gewesen seien.

Der Libor-Skandal hat globale Ausmaße: Händler von gut einem Dutzend Banken sollen jahrelang Referenzzinsen wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Als erste Bank weltweit musste die britische Barclays Chart zeigen rund 450 Millionen Dollar zahlen, insgesamt summierten sich die Strafen bislang auf 2,6 Milliarden Dollar. Inklusive der Rabobank-Zahlung würde sich diese Summe auf rund 3,6 Milliarden Dollar erhöhen.

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fdi/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 3 Beiträge
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zaphod1965 23.10.2013
1. Nichts weiter als Betrug
Das ist es, was die Banken über Jahre begangen haben. Und die Kunden, die deshalb zu hohe Zinsen gezahlt haben, werden nicht einmal entschädigt werden. Manchmal fragt man sich wirklich, wo der Unterschied zwischen einer Bank und einer kriminellen Organisation eigentlich sein soll.
discprojekt 23.10.2013
2. Ja, wer
sind nun also die Geschaedigten? Werden die Strafzahlungen dann an diese weitergegeben? Sind das alle Kreditnehmer, die einen erhoehten Zinssatz in Kauf nehmen mussten?
wunderlicher 23.10.2013
3. Verdächtige in der Deutschen Bank
Den Berichten zufolge agierte hier ein international vernetzter Ring von kriminellen Verantwortlichen aus verschiedenen Geschäftsbanken, darunter Mitarbeiter der Deutschen Bank. Hat da schon jemand in Deutschland Anzeige wegen Wirtschaftsdelikten erstattet. Das dürfte doch ein Fall für den Staatsanwalt sein ....
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