Kauflust nach Brexit-Votum Aldi und Lidl gewinnen stark in Großbritannien hinzu

Die Briten lassen sich die Konsumlaune nicht verderben. Vor allem der Einzelhandel profitiert. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl jagen den Konkurrenten Marktanteile ab.

Aldi-Filiale in London
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Aldi-Filiale in London


Gravierende wirtschaftliche Einbußen hatten Konjunkturforscher Großbritannien nach dem Brexit prophezeit. Zumindest der Einzelhandel und der heimische Tourismusmarkt spüren nichts davon, zumindest derzeit.

So nahm der Umsatz mit Lebensmitteln auf der Insel unter dem Strich in den vergangenen drei Monaten um 0,3 Prozent zu. Gewinner waren vor allem die deutschen Discounter Aldi und Lidl. In den zwölf Wochen bis Mitte August steigerten sie ihre Umsätze auf dem heiß umkämpften Markt um 12,2 beziehungsweise 10,4 Prozent, wie aus veröffentlichten Daten des Marktforschers Kantar Worldpanel hervorgeht.

Aldi und Lidl kommen inzwischen auf einen Marktanteil von 10,7 Prozent - erreichen damit aber noch nicht einmal die Hälfte des Platzhirsches Tesco. Der Konzern schlug sich im Vergleich der vier großen britischen Supermarktketten noch am besten. Mit einem Minus von 0,4 Prozent habe sich der Rückgang hier abgeschwächt. Aldi und Lidl setzen den etablierten britischen Supermarktketten seit Jahren mit einem Preiskampf zu.

Höhere Verkaufszahlen im Einzelhandel

Den Experten von Kantar zufolge gibt es keine Anzeichen für steigende Lebensmittelpreise auf der Insel nach der überraschenden Entscheidung der Briten im Juni für einen EU-Austritt. Der von Kantar zusammengestellte Lebensmittelkorb hatte sich im Vergleich zum Vorjahr sogar um 1,3 Prozent verbilligt.

Der Einzelhandel scheint insgesamt nicht vom Brexit-Votum betroffen zu sein. Im Juli lagen die Verkaufszahlen im Einzelhandel gegenüber dem Juli des Vorjahrs um sechs Prozent höher. Besonders die Modebranche profitiert von dem Plus, aber auch Restaurants und Kneipen.

Unter den Gästen der Lokale sind vermehrt Touristen. Während die Zahl der Besucher vor der historischen Entscheidung am 23. Juni im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig war, hat sie seitdem wieder angezogen. Im Juli kamen aufgrund des Wertverlustes des Pfund Sterling 18 Prozent mehr ausländische Besucher im Vergleich zum Vorjahresmonat, zeigen Zahlen der Tourism Alliance, der britischen Tourismusvereinigung. Suchanfragen für Flüge nach Großbritannien, Airbnb-Unterkünfte und Hotels haben ebenfalls zugenommen.

msc/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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brooklyner 23.08.2016
1.
In Finnland verdrängt Lidl seit ein paar Jahren extrem die alteingesessenen finnischen Supermärkte. Allerdings mit einem anderen Geschftsmodell als hierzulande. Dort sind es nicht trashig peinliche Discounter mit unhöflichem Personal, in die ein Mensch mit Stil niemals seinen Fuss setzen würde, sondern gut sortierte Supermärkte mit Backstube. Besonders das frische Brot treibt die Finnen in Scharen zu Lidl, da es bei den anderen Märkten meist nur abgepacktes Brot von Fazer gibt. Schade, dass es soweit kommen musste, aber die alteingesessenen Monopolisten haben es verpennt.
eckawol 23.08.2016
2. Die Kaufkraft des britischen Konsumenten
scheint noch intakt zu sein, wenn man es oberflächlich betrachtet. Aber die Neigung , über Kreditkarte seinen Konsum zu bewältigen und dafür sehr hohe Kredit-Zinsen zu zahlen, ist in UK nicht ungewöhnlich. Insofern bleibt abzuwarten , wie lange das aktuelle Konsumverhalten trotz Brexit anhält.
saky10 23.08.2016
3. So ein Blödsinn...
Die Studie mag auch durchaus anders interpretiert werden: es gibt beim LEH eine Verschiebung weg vom Supermarkt hin zum Discounter - somit scheint bei den Briten eine Preis-Sensibilisierung eingesetzt zu haben. Bei 0,3 Prozent Wachstum ist das wahrscheinlicher. Bei Konsumgütern mag der EH vom fallenden Pfund profitieren, mehr Rabattierungen einsetzen oder einen guten Monat beim Wetter (im Vergleich zu 2015) erwischt haben. Gut Wetter soll wohl eher auch diese Studie machen
niska 23.08.2016
4.
Zitat von eckawolscheint noch intakt zu sein, wenn man es oberflächlich betrachtet. Aber die Neigung , über Kreditkarte seinen Konsum zu bewältigen und dafür sehr hohe Kredit-Zinsen zu zahlen, ist in UK nicht ungewöhnlich. Insofern bleibt abzuwarten , wie lange das aktuelle Konsumverhalten trotz Brexit anhält.
Nach einfacher Denke ist es nur sinnvoll in GB derzeit Schulden anzuhäufen. Denn wenn die Wirtschaft zusammenbricht sind minus 100.000 allemal besser als plus 100.000 auf dem Konto, die dann nichts mehr wert sind. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Danares 23.08.2016
5. Lebensmittelkorb
Wie hoch ist denn darin der Anteil von Lebensmitteln, die vom Kontinentalfestland stammen? Und interessant wird ja der Gesamtpreis eigentlich erst so richtig, wenn der Brexit dann irgendwann mal durch ist und wieder Einfuhrzölle gezahlt werden müssen.
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