Lieferpanne bei Siemens: Bahn bereitet Kunden auf Zugausfälle vor

Die Bahn muss im Winter ohne neue ICE auskommen: Hersteller Siemens will sich nicht festlegen, wann die Züge geliefert werden. Nun bereitet die Bahn ihre Kunden auf Ausfälle und Verspätungen vor - und schiebt die Schuld vorsorglich auf den Lieferanten.

ICE in Bayern im Dezember 2011: "Von Siemens im Stich gelassen" Zur Großansicht
dapd

ICE in Bayern im Dezember 2011: "Von Siemens im Stich gelassen"

Berlin - Zwischen der Bahn und Siemens herrscht dicke Luft: Seit mehr als einem Jahr wartet der Logistikkonzern auf bestellte Züge. Doch Siemens hat technische Probleme und kann nicht liefern. "Man muss sich vor Augen führen, dass die Züge im Dezember 2008 bestellt wurden und uns ursprünglich bereits im letzten Dezember versprochen waren", sagte DB-Fernverkehrschef Berthold Huber. Er warnte vor Zugausfällen und Verzögerungen - und schob die Verantwortung dafür Siemens zu.

"Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich gelassen. Wir hatten fest damit gerechnet, in diesem Winter die neuen Fahrzeuge in der Hinterhand zu haben, wenn aufgrund extremer Witterung fahrplanmäßig verkehrende Züge ausfallen", sagte Huber. Wegen der Verzögerung könne die Bahn auch in diesem Winter ihre Reserveflotte im Fernverkehr nicht wie geplant aufstocken. Bereits im vergangenen Winter musste der Konzern den ICE-Verkehr aus Mangel an einsatzbereiten Zügen stark einschränken.

Siemens will sich nach der erneuten Lieferverzögerung der ICE-3-Züge nicht auf einen neuen Termin festlegen. "Wir können keinen aktuellen Zeitplan nennen", sagte ein Sprecher. "Es tut uns sehr, sehr leid." Laut Siemens gibt es Software-Probleme in der Zugsteuerung, die bei der Übernahmeprüfung der Bahn festgestellt wurden. Eigentlich sollten die neuen ICE am Freitag zugelassen werden. Siemens-Chef Peter Löscher hatte dies selbst zugesagt.

Auch Fernverkehr ist von Siemens-Panne betroffen

Die Bahn hatte die neuen Fernverkehrszüge ab 9. Dezember im Deutschland-Verkehr eingeplant. Zwar sollten sie nicht in den regulären Zeitplan aufgenommen werden, sie wären aber als Reserve wichtig gewesen. Die Bahn verzeichnete in den vergangenen Monaten Passagierrekorde. "Wir hätten die Züge jetzt einfach sehr, sehr gut gebrauchen können", sagte Huber.

Zugesagt war die Lieferung von insgesamt 16 Zügen ursprünglich schon für 2011, musste aber verschoben werden. Ob Siemens eine Vertragsstrafe für die erneute Verschiebung zahlen muss, ließ die Bahn offen. Nach der Lieferverzögerung im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit der Bahn über einen Gratis-ICE im Wert von rund 30 Millionen Euro verhandelt.

Bahn-Technikvorstand Volker Kefer kritisierte die Unzuverlässigkeit von Siemens. "Um eine belastbare Einsatzplanung der Fahrzeugflotte zu machen, brauchen wir dringend mehr Verlässlichkeit bei der Herstellerindustrie", sagte er.

Von den aktuellen Lieferverzögerungen bei Siemens sei auch der Ausbau der internationalen Fernverkehre betroffen, erklärte die Bahn. Verbindungen über Frankreich nach Belgien könnten nicht so früh wie geplant aufgestockt werden. Planungen für Verbindungen nach London lägen auf Eis.

mmq/dpa

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Warum bestellt eigentlich die Bahn...
Cortado#13 22.11.2012
Zitat von sysopDie Bahn muss im Winter ohne neue ICE auskommen - Hersteller Siemens will sich nicht festlegen, wann die Züge geliefert werden. Nun bereitet die Bahn ihre Kunden auf Ausfälle und Verspätungen vor - und schiebt die Schuld vorsorglich auf den Lieferanten. Lieferpanne bei ICE 3: Bahn ist sauer auf Siemens - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lieferpanne-bei-ice-3-bahn-ist-sauer-auf-siemens-a-868707.html)
nicht die Züge in der Schweiz. Betreffend der Züge - Planung, Konstruktion, Technisches Know-how, Material, Lieferfristen und Service - ist die Qualität in der Schweiz höher einzuschätzen, als in Deutschland. Vor allen Dingen, wenn es auch um die Winter-Tauglichkeit geht!!!
2. Siemens
SirLurchi 22.11.2012
Zitat von sysopDie Bahn muss im Winter ohne neue ICE auskommen - Hersteller Siemens will sich nicht festlegen, wann die Züge geliefert werden. Nun bereitet die Bahn ihre Kunden auf Ausfälle und Verspätungen vor - und schiebt die Schuld vorsorglich auf den Lieferanten. Lieferpanne bei ICE 3: Bahn ist sauer auf Siemens - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lieferpanne-bei-ice-3-bahn-ist-sauer-auf-siemens-a-868707.html)
Vielleicht ist es an der Zeit, dass der Konzern Siemens sich auch aus dieser Sparte zurückzieht. Vielleicht sollte Siemens künftig nur noch Haushaltsgeräte produzieren??? ^^
3. So ist die Welt...
h_grabowski 22.11.2012
Schuldig und gekniffen ist immer nur der einzelne, dumme Bürger. Verantwortung, doch bitte nicht für Unternehmen oder Manager...die Gewinne können Sie aber gerne dort abliefern. Wenn ich zu spät zu einem Termin mit meinem Chef oder einem Kundentermin komme, kann ich auch nicht sagen:"Ich kann da leider nichts für, Siemens hat leider Lieferschwierigkeiten"
4. Aber
jugo311 22.11.2012
... die Bahn wieder einmal - trotz Millairdengewinns - die Fahrpreise kräftig erhöht ! Abkassieren - aber immer miesere Leistungen liefern: DAS nennt sich dann "freie Marktwirtschaft" ...
5. Bahn fahren
trader_07 22.11.2012
Zitat von sysopDie Bahn muss im Winter ohne neue ICE auskommen - Hersteller Siemens will sich nicht festlegen, wann die Züge geliefert werden. Nun bereitet die Bahn ihre Kunden auf Ausfälle und Verspätungen vor - und schiebt die Schuld vorsorglich auf den Lieferanten.
Ich weiss schon, warum ich so gut wie nie Bahn fahre.
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Der Konzern
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Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
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Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.

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