Berlin - Zwischen der Bahn und Siemens herrscht dicke Luft: Seit mehr als einem Jahr wartet der Logistikkonzern auf bestellte Züge. Doch Siemens hat technische Probleme und kann nicht liefern. "Man muss sich vor Augen führen, dass die Züge im Dezember 2008 bestellt wurden und uns ursprünglich bereits im letzten Dezember versprochen waren", sagte DB-Fernverkehrschef Berthold Huber. Er warnte vor Zugausfällen und Verzögerungen - und schob die Verantwortung dafür Siemens zu.
"Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich gelassen. Wir hatten fest damit gerechnet, in diesem Winter die neuen Fahrzeuge in der Hinterhand zu haben, wenn aufgrund extremer Witterung fahrplanmäßig verkehrende Züge ausfallen", sagte Huber. Wegen der Verzögerung könne die Bahn auch in diesem Winter ihre Reserveflotte im Fernverkehr nicht wie geplant aufstocken. Bereits im vergangenen Winter musste der Konzern den ICE-Verkehr aus Mangel an einsatzbereiten Zügen stark einschränken.
Siemens will sich nach der erneuten Lieferverzögerung der ICE-3-Züge nicht auf einen neuen Termin festlegen. "Wir können keinen aktuellen Zeitplan nennen", sagte ein Sprecher. "Es tut uns sehr, sehr leid." Laut Siemens gibt es Software-Probleme in der Zugsteuerung, die bei der Übernahmeprüfung der Bahn festgestellt wurden. Eigentlich sollten die neuen ICE am Freitag zugelassen werden. Siemens-Chef Peter Löscher hatte dies selbst zugesagt.
Auch Fernverkehr ist von Siemens-Panne betroffen
Die Bahn hatte die neuen Fernverkehrszüge ab 9. Dezember im Deutschland-Verkehr eingeplant. Zwar sollten sie nicht in den regulären Zeitplan aufgenommen werden, sie wären aber als Reserve wichtig gewesen. Die Bahn verzeichnete in den vergangenen Monaten Passagierrekorde. "Wir hätten die Züge jetzt einfach sehr, sehr gut gebrauchen können", sagte Huber.
Zugesagt war die Lieferung von insgesamt 16 Zügen ursprünglich schon für 2011, musste aber verschoben werden. Ob Siemens eine Vertragsstrafe für die erneute Verschiebung zahlen muss, ließ die Bahn offen. Nach der Lieferverzögerung im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit der Bahn über einen Gratis-ICE im Wert von rund 30 Millionen Euro verhandelt.
Bahn-Technikvorstand Volker Kefer kritisierte die Unzuverlässigkeit von Siemens. "Um eine belastbare Einsatzplanung der Fahrzeugflotte zu machen, brauchen wir dringend mehr Verlässlichkeit bei der Herstellerindustrie", sagte er.
Von den aktuellen Lieferverzögerungen bei Siemens sei auch der Ausbau der internationalen Fernverkehre betroffen, erklärte die Bahn. Verbindungen über Frankreich nach Belgien könnten nicht so früh wie geplant aufgestockt werden. Planungen für Verbindungen nach London lägen auf Eis.
mmq/dpa
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