Forderungen der Wettbewerbshüter Linde-Fusion mit Praxair wackelt

Die Industriegasekonzerne Linde und Praxair müssen sich für ihre geplante Fusion offenbar von mehr Unternehmensteilen trennen als erwartet. Jetzt wird die Zeit knapp.

Logo der Linde AG
DPA

Logo der Linde AG


Die Hürden vor einer Fusion des deutschen Industriegasekonzerns Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Anbieter von Sauerstoff und Helium werden höher. Die Wettbewerbsbehörden forderten den Verkauf von Unternehmensteilen mit Umsätzen von mehr als 3,7 Milliarden Euro, teilte Linde mit. Das habe sich in weiteren Gesprächen herauskristallisiert.

Die 3,7 Milliarden sind die Schmerzgrenze, oberhalb der Linde und Praxair das Recht haben, den mehr als 70 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss abzublasen. "Linde und Praxair setzen ihre konstruktiven Gespräche miteinander fort und diskutieren mit den Wettbewerbsbehörden, wie deren Anforderungen erfüllt werden können", hieß es.

Branchenexperten bezweifeln, dass einer der beiden Partner die Reißleine zieht, wenn die Schwelle nur um einige hundert Millionen Euro überschritten würde. Denn auch dann ließen sich die erhofften Einspareffekte von etwa einer Milliarde Euro noch realisieren. Offenbar ist nur die Schmerzgrenze beim Umsatz überschritten. Die zweite Schwelle von 1,1 Milliarden Euro beim operativem Ergebnis, das mit den Verkäufen verloren geht, nicht.

Markt hegt Zweifel an Fusion

Der Kurs der im Dax notierten zum Umtausch eingereichten Linde-Aktie Chart zeigen sackte seit der Mitteilung um rund neun Prozent ab. Bei den nicht zur Fusion eingereichten Papieren fiel das Minus mit rund drei Prozent deutlich geringer aus, sodass der Abstand zwischen den beiden Aktiengattungen auf rund neun Prozent zusammengeschmolzen ist. Das zeigt, dass am Markt die Zweifel an einer erfolgreichen Fusion gestiegen sind.

"Ich würde mich wundern, wenn beide Partner nicht alles dafür täten, den Deal durchzuziehen", hatte Fondsmanager Arne Rautenberg von Union Investment am Dienstag gesagt. Vor allem für Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hänge viel davon ab. "Auch für Praxair ist der Deal hochattraktiv."

Für problematischer halten Experten den Zeitdruck. Denn die Fusion muss nach deutschem Aktienrecht bis zum 24. Oktober über die Bühne gehen. Linde und Praxair müssten also schnell Käufer für die Unternehmensteile finden, von denen sie sich auf Anordnung der Wettbewerbshüter trennen müssen. Das dürfte auch den Preis drücken, der sich dafür erzielen lässt.

EU-Kommission hatte Transaktion zugestimmt

Bereits vereinbart ist der Verkauf des Europageschäfts von Praxair, das für fünf Milliarden Euro an die japanische Taiyo Nippon Sanso gehen soll, sowie großer Teile des US-Geschäfts von Linde, das die deutsche Messer Group zusammen mit dem Finanzinvestor CVC kaufen will. Die Verkäufe summieren sich auf rund 2,7 Milliarden Euro Umsatz und 700 Millionen operativen Gewinn. Die US-Kartellbehörde FTC hatte aber schon signalisiert, dass ihr das als Zugeständnis noch nicht reicht.

Welche Behörden die neuen Bedenken geäußert haben, geht aus der Linde-Mitteilung nicht hervor. Die EU-Kommission hatte der Transaktion am Montag unter Auflagen zugestimmt. Praxair muss demnach sein gesamtes Gasgeschäft im Europäischen Wirtschaftsraum verkaufen und seine Beteiligung an dem italienischen Gemeinschaftsunternehmen Siad abgeben. Zudem sollen Helium-Bezugsverträge veräußert werden.

Offen ist neben der Zustimmung in den USA auch die der Kartellwächter in Brasilien, Argentinien, Südkorea, Indien und China.

cop/Reuters/dpa

zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.