Mega-Übernahme in der IT-Industrie IBM will Linux-Spezialisten Red Hat schlucken

In der Computerbranche bahnt sich eine milliardenschwere Übernahme an. IBM möchte den Linux-Spezialisten Red Hat kaufen und bietet den Aktionären einen deftigen Aufschlag auf den aktuellen Kurswert.

Red Hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona
AFP

Red Hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona


Der IT-Branchenriese IBM hat die Übernahme des Softwareunternehmens Red Hat angekündigt. IBM bietet demnach 190 US-Dollar je Aktie in bar. Danach wäre Red Hat rund 34 Milliarden US-Dollar wert. Red Hat hat sich als Open-Source-Spezialist einen Namen gemacht. Auf der Basis des freien Betriebssystems Linux bietet das Unternehmen kommerzielle Dienstleistungen an.

Am Freitag war die Red-Hat-Aktie bei 116,68 Dollar aus dem Handel gegangen, der Aufschlag liegt also bei fast zwei Drittel. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Übernahmeabsichten berichtet.

"Die Übernahme von Red Hat ist ein Game-Changer", sagte IBM-Chefin Ginni Rometty. "IBM wird die weltweite Nummer eins unter den Hybrid-Cloud-Anbietern." Beim Cloud-Geschäft wird die Software vom Hersteller im Internet zur Verfügung gestellt und befindet sich nicht auf den Rechnern der Kunden. Unter Hybrid-Cloud versteht man einen gemischten Betrieb von Cloud-Anwendungen und selbst betriebenen Servern.

Das Cloud-Geschäft verzeichnet zwar bei vielen IT-Unternehmen starke Zuwächse. Allerdings sind die Gewinnmargen geringer als bei der Kaufsoftware. Zudem konkurrieren nicht nur die klassischen IT-Unternehmen wie Microsoft und Google auf diesem Feld miteinander, auch ursprünglich aus anderen Bereichen stammende Firmen wie zum Beispiel Amazon mischen kräftig mit.

In der Geschichte der US-amerikanischen IT-Industrie hatten nur zwei Übernahmen einen noch größeren Wert als die nun angekündigte Übernahme von Red Hat: 2016 fusionierten für 67 Milliarden Dollar der Computerhersteller Dell und der Speicherspezialist EMC. Im Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, schluckte das Netzwerkunternehmen JDS Uniphase für 41 Milliarden Dollar den Spezialisten für optische Bauteile SDL.

Red Hat startete vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux, die vor allem auf Servercomputern verwendet wird. Heute erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit seinem Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie anderen Technologien, die häufig in Rechenzentren eingesetzt werden.

Das Unternehmen, das 1999 auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms an die Börse ging, verdiente im letzten Geschäftsjahr 259 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 2,92 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs zwischen den Geschäftsjahren 2017 und 2018 um 21 Prozent. Mit dem Börsengang von Red Hat 1999 wurde auch Linux-Erfinder Linus Torvalds zum Millionär, da ihm Red-Hat-Gründer Marc Ewing aus Dankbarkeit Aktienoptionen zugesprochen hatte.

mik/dpa



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