Peter Löscher: Chefwechsel kostet Siemens mehr als neun Millionen Euro

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Siemenschef Peter Löscher: Üppige Abfindung plus Pensionszusagen

Der Siemens-Aufsichtsrat hat sich entschieden: Vorstandschef Peter Löscher muss gehen. Der Rauswurf wird den Konzern viel Geld kosten: Mehr als neun Millionen Euro wird der glücklose Löscher vermutlich als Abfindung bekommen.

München - Unternehmenschefs fallen bei einem Rauswurf in der Regel weich, Peter Löscher ist da keine Ausnahme. Siemens muss sich die Kündigung seines Vorstandsvorsitzenden, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2017 läuft, wohl mehr als neun Millionen Euro kosten lassen.

Gemäß den Vergütungsregeln der Münchner bekommt ein Vorstand bei einvernehmlichen Ausscheiden zwei Jahresgrundgehälter inklusive Bonus, was sich in Löschers Fall auf 6,7 Millionen Euro summiert. Dazu kommt ein Zuschuss für sein Pensionskonto über gut 2,2 Millionen Euro sowie anteilig der - noch nicht festgelegte - Bonus für das laufende Geschäftsjahr.

Die Zahlungen fallen nur weg, wenn Löscher von sich aus kündigt oder die Aufsichtsräte den Österreicher aus "wichtigem Grund" feuern. In seiner sechsjährigen Amtszeit hat sich Löscher zudem Ansprüche für seine Altersversorgung über fast 15 Millionen Euro erworben.

Am späten Samstagabend hatte Siemens nach langen Beratungen der Aufsichtsräte bekanntgegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Nach einer Reihe von Misserfolgen und verpatzten Prognosen sollte Löscher rausgeworfen werden.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme sei mit dem klaren Willen zu den Beratungen angereist, Löscher zum Rücktritt zu zwingen. Löscher habe aber gekämpft. Noch am Freitag hatte Löscher wissen lassen, dass er nicht kampflos aufgeben will. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", hatte der Manager der "Süddeutschen Zeitung" gesagt.

Favorit für die Nachfolge ist der Finanzchef des Konzern, Joe Kaeser. Formell müssen die Personalien bei der nächsten regulären Sitzung des Aufsichtsrats am kommenden Mittwoch noch beschlossen werden. Löscher war nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten am vergangenen Donnerstag massiv unter Druck geraten.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Wieder mal ein ...
kuddemuddel 28.07.2013
... wunderbares Beispiel, wie es in den höchsten Etagen zugeht. Exorbitante Gehälter werden mit der überaus hohen Verantwortung gerechtfertigt. Nun hat der Löscher den Siemens-Karren voll in den Dreck gefahren und als Belohnung gibt es den goldenen Handschlag. Die einzige Verantwortung die ein Manager kennt, ist die gegenüber seinem Geldbeutel.
2. Wahnsinn
Rubicon068 28.07.2013
Mehr als 9 Millionen Euro Abfindung = weich fallen!? Wow... ein Normalo würde da wohl Richtung Orbit abheben. Vermutlich ist das auch der Grund, warum nur "Schwergewichte" solch einen Wahnsinn erhalten.
3. Siemens
romaval 28.07.2013
Es ist richtig daß solche Abfindungen nicht richtig sind, vor sllem dann nicht, wenn der "Hinausgeworfene "den Karren sn die Wand gefahren hat.Immer wenn es passiert fängt eibe Diskussion über die Rechtmäsigkeit an.Man läßt aber immer die Tatsache unerwähnt, daß es letztendlich der Aufsichtsrat war,der ihm solch einen Vertrag genehmigte.Und in einem mit bestiimten AR sitzen ja bekanntlich auch Vertreter der Gewerkschaften.Also bitte keine Krokodilstränen wenn wieder einmal ein sehr goldener Handschlag gegeben wurde.
4. optional
minerva-moris 28.07.2013
Von 1987 bis 2007 stiegen die Vergütungen der Vorstände der DAX-Unternehmen durchschnittlich um rund 650 %. Ein Vorstand verdiente 1987 im Durchschnitt 445.800 Euro, 2007 waren es 3,33 Millionen Euro. (Wikipedia)
5. Aktionäre selbst schuld?
singlesylvia 28.07.2013
Warum lassen die Aktionäre, die ja Inhaber der Firma sind, solch einen Aderlass zu? Wieviel mehr Rendite könnte die Aktien bringen, wenn man die oberen Angestellten "normal" bezahlte? Warum lassen die Aktionäre zu, dass die Manager ihrer Firma auch dann noch Boni einstreichen können, wenn sie versagt haben? Oder anders gefragt: Warum sorgen Aktionäre nicht dafür, dass es einen Bonus nur im Erfolgsfall gibt, was ja eigentlich mehr oder weniger auch die Idee hinter dem Wort "Bonus" ist? Das ist wohl das Dilemma in der Wirtschaft: Manager mit Idealismus der Sache wegen und ohne Geldgier scheint es nicht zu geben, auf der anderen Seite bekommt man Manager nur über Bonus-Bestechung. Verdienen tut da moralisch keiner was, die bekommen es einfach.
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