Lohndumping: Gewerkschaft wirft Netto Ausbeutung vor

Ver.di knöpft sich den Discounter Netto vor: Die Gewerkschafter werfen der Supermarktkette vor, sittenwidrige Löhne zu zahlen - in Höhe von 5,50 Euro. Mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter seien geringfügig beschäftigt. Das Unternehmen weist die Kritik zurück.

Netto-Markt in Oldenburg: Der nächste Discounter steht in der Kritik Zur Großansicht
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Netto-Markt in Oldenburg: Der nächste Discounter steht in der Kritik

Essen - Die Gewerkschaft Ver.di attackiert den Lebensmittel-Discounter Netto. Der Vorwurf: Netto soll Mitarbeitern zum Teil sittenwidrige Stundenlöhne zahlen. Die "WAZ"-Gruppe zitiert aus einem Arbeitsvertrag der Netto-Filiale Bottrop, der einen Stundenlohn von 5,50 Euro ausweise - zuzüglich einem Euro Zulage. Damit würden alle weiteren Ansprüche, etwa auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, abgegolten.

Nach dem Textildiscounter Kik steht damit nun der nächste Discounter in der Kritik: Nach mehreren Berichten über Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen hatte Kik im vergangenen Jahr einen Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde eingeführt. Das Landgericht Hamm hatte das Unternehmen wegen Zahlens sittenwidriger Löhne zu Nachzahlungen an zwei Mitarbeiterinnen verurteilt.

Ver.di wirft nun Netto ein gezieltes Unterlaufen der Tarife vor: Von den bundesweit 72.000 Netto-Mitarbeitern seien mittlerweile 30.000 geringfügig beschäftigt, sagte Ver.di-Experte Folkert Küpers. Der Lebensmittel-Discounter bestätigte diese Zahlen nicht. Der Anteil und der Einsatz von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten orientiere sich am jeweiligen Kundenaufkommen in den Filialen, erklärte eine Netto-Sprecherin auf Anfrage.

Vorwürfe gegen Jobcenter

Die Sprecherin hob hervor, die Löhne des größten Teils der Mitarbeiter lägen "auf beziehungsweise über dem Tarifniveau". Das Unternehmen strebe an, den Anteil an Teil- und Vollzeitbeschäftigten im Verhältnis zu den geringfügig Beschäftigten zu erhöhen. Diese verdienen laut NRW-Tarifvertrag in der untersten Lohnstufe 8,98 Euro die Stunde, für ungelernte Kräfte gilt ein Tarif von 7,85 Euro.

Auch bei den geringfügig Beschäftigten werden laut Netto teilweise mehr als zehn Euro die Stunde bezahlt. Nach Angaben der Sprecherin laufen derzeit Gespräche mit den Netto-Betriebsräten und Ver.di zur weiteren Vorgehensweise.

Den Berichten der "WAZ"-Gruppe zufolge erhob Ver.di auch schwere Vorwürfe gegen die Jobcenter. Im vorliegenden Fall in Bottrop sei ein Hartz-IV-Empfänger vom Jobcenter unter Androhung von Sanktionen aufgefordert worden, einen 325-Euro-Job bei Netto anzunehmen. Dafür habe er 50 Stunden im Monat arbeiten müssen. Die Landesarbeitsagentur in Nordrhein-Westfalen wies die Vorwürfe auf Nachfrage der Zeitungen zurück.

cte/AFP

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insgesamt 33 Beiträge
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1. 5,50 Euro
Berta 16.03.2011
Zitat von sysopVer.di knöpft sich den Discounter Netto vor: Die Gewerkschafter werfen der Supermarkt-Kette vor, sittenwidrige Löhne zu zahlen - in Höhe von 5,50 Euro. Mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter seien geringfügig beschäftigt. Das Unternehmen weist die Kritik zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751302,00.html
das System fährt sich selbst runter. Immer weniger Kaufkraft überall.
2. Netto ist eine 100 prozentige Edeka Tochter
geistigmoralischewende 16.03.2011
und Edeka liebt ja bekanntlich nur Lebensmittel. Die Mitarbeiter kann man ruhig knechten. Nichts neues, ist Normalität in Deutschland! Schönen Gruß an Herrn Clement!
3. Leider ist das keine Seltenheit
gipfei 16.03.2011
Wenn man sich so umhört unter der arbeitenden Bevölkerung, dann merkt man schnell, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt. Abzüglich aller Lebensnotwendigen Kosten bleibt nix übrig, oder das Gehalt reicht erst garnicht... Angesichts des viel besungenen Aufschwungs kann ich mich da nur wundern
4. Boykott
Xenia1803 16.03.2011
Auch wieder ein Laden, bei dem man nicht mehr einkaufen kann, allmählich wird es aber eng... ABER - die Kunden wollen es doch so, dass alles immer billiger wird. Preisschlachten bei Aldi, Lidl & Co. sind die eine Folge, die andere sind die immer niedriger werdenden Löhne, denn irgendwo muss das Geld doch eingespart werden, wenn die Läden da noch mithalten wollen. Der Manager wird mit Sicherheit nicht zuerst bei sich sparen. Alles endet in einer Spirale - derjenige, der nur noch "Peanuts" verdient, wird dann auch nur noch in diese Preisdumping-Läden gehen können, wenn er sich noch die Butter auf dem Brot leisten können möchte und da die Kunden ja nicht mehr so viel Geld haben, müssen die Preise eben noch weiter runter... Geiz ist halt immer noch geil! Im Zweifel gibt es halt wieder betroffene Gesichter bei der Gurkentruppe in Berlin. Es waren bestimmt wieder die Vorgänger, die alles in den Sand gesetzt haben... Ich kann dieses auswendig gelernte, realitätsferne Gesülze von denen nicht mehr hören. Aber Hauptsache wir finanzieren das Leben der Griechen und versprechen allen Ländern, dass wir Ihnen helfen werden...
5. alternativlos Merkel in die Wüste
elbröwer 16.03.2011
Das die Ausbeutung der Menschen systematisch durch die derzeitige Regierung unterstützt wird ist bekannt. Schlaue Deutsche gehen deshalb wählen und machen ihr Kreuz nicht bei der Cäsium Partei oder der Lobbybande mit dem F im Parteinamen. Netto ohne Kunden ist nicht gut fürs Geschäft jeder Bürger hat es in der Hand.
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Discounter: Deutschlands Top Five

Die Discounter in Deutschland
Aldi
Die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland, Aldi , ist ebenso erfolgreich wie verschwiegen. Branchenexperten schätzen, dass Aldi 2011 weltweit rund 57 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Der Gewinn wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4300 Filialen.
Lidl
Auch der zweitplatzierte Lidl lässt sich nicht gerne in die Zahlen schauen. Für 2011 wird der weltweite Umsatz auf 50,4 Milliarden Euro geschätzt. Das Flaggschiff der Schwarz-Gruppe betreibt bundesweit rund 3100 Filialen. Lidl verkauft - anders als Aldi - auch viele Markenartikel.
Netto
Nach dem Zusammenschluss mit Plus ist Netto der drittgrößte Discounter Deutschlands. Die Edeka-Tochter hat in Deutschland rund 4000 Filialen. Der Umsatz lag 2011 bei etwa 13,7 Milliarden Euro.
Penny
Der Discounter Penny des Rewe-Konzerns erwirtschaftete 2011 mit seinen bundesweit 2400 Filialen rund zwölf Milliarden Euro Umsatz. Rewe hatte sich 2007 mit Edeka eine Bieterschlacht um den Discounter Plus geliefert, unterlag jedoch.
Norma
Der Discounter hat in Deutschland rund 1300 Filialen und erwirtschaftet einen Umsatz von schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt des Filialnetzes liegt in Süddeutschland, aber auch in Frankreich, Tschechien und Österreich gibt es Norma-Märkte.