Essen - Die Gewerkschaft Ver.di attackiert den Lebensmittel-Discounter Netto. Der Vorwurf: Netto soll Mitarbeitern zum Teil sittenwidrige Stundenlöhne zahlen. Die "WAZ"-Gruppe zitiert aus einem Arbeitsvertrag der Netto-Filiale Bottrop, der einen Stundenlohn von 5,50 Euro ausweise - zuzüglich einem Euro Zulage. Damit würden alle weiteren Ansprüche, etwa auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, abgegolten.
Nach dem Textildiscounter Kik steht damit nun der nächste Discounter in der Kritik: Nach mehreren Berichten über Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen hatte Kik im vergangenen Jahr einen Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde eingeführt. Das Landgericht Hamm hatte das Unternehmen wegen Zahlens sittenwidriger Löhne zu Nachzahlungen an zwei Mitarbeiterinnen verurteilt.
Ver.di wirft nun Netto ein gezieltes Unterlaufen der Tarife vor: Von den bundesweit 72.000 Netto-Mitarbeitern seien mittlerweile 30.000 geringfügig beschäftigt, sagte Ver.di-Experte Folkert Küpers. Der Lebensmittel-Discounter bestätigte diese Zahlen nicht. Der Anteil und der Einsatz von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten orientiere sich am jeweiligen Kundenaufkommen in den Filialen, erklärte eine Netto-Sprecherin auf Anfrage.
Vorwürfe gegen Jobcenter
Die Sprecherin hob hervor, die Löhne des größten Teils der Mitarbeiter lägen "auf beziehungsweise über dem Tarifniveau". Das Unternehmen strebe an, den Anteil an Teil- und Vollzeitbeschäftigten im Verhältnis zu den geringfügig Beschäftigten zu erhöhen. Diese verdienen laut NRW-Tarifvertrag in der untersten Lohnstufe 8,98 Euro die Stunde, für ungelernte Kräfte gilt ein Tarif von 7,85 Euro.
Auch bei den geringfügig Beschäftigten werden laut Netto teilweise mehr als zehn Euro die Stunde bezahlt. Nach Angaben der Sprecherin laufen derzeit Gespräche mit den Netto-Betriebsräten und Ver.di zur weiteren Vorgehensweise.
Den Berichten der "WAZ"-Gruppe zufolge erhob Ver.di auch schwere Vorwürfe gegen die Jobcenter. Im vorliegenden Fall in Bottrop sei ein Hartz-IV-Empfänger vom Jobcenter unter Androhung von Sanktionen aufgefordert worden, einen 325-Euro-Job bei Netto anzunehmen. Dafür habe er 50 Stunden im Monat arbeiten müssen. Die Landesarbeitsagentur in Nordrhein-Westfalen wies die Vorwürfe auf Nachfrage der Zeitungen zurück.
cte/AFP
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