Lohnkürzung: Schweizer Firma will Gehälter an Euro koppeln
Der Franken ist so stark wie lange nicht, nun reagiert eine Schweizer Firma drastisch: Der Uhren- und Luxusgüterhersteller Sycrilor will die Gehälter seiner Angestellten an einen festen Euro-Kurs koppeln. Den Mitarbeitern droht ein Minus von bis zu 30 Prozent - sie streiken.
Genf - Der Ausstand dauerte vorerst nur eine Stunde, doch die Botschaft war eindeutig: Mit einem Warnstreik haben 80 Beschäftigte des Schweizer Uhren- und Luxusgüterherstellers Sycrilor dagegen protestiert, dass ihre Gehälter künftig an den Euro
gekoppelt werden sollen. Das berichtet die Schweizer Nachrichtenagentur SDA.
Sycrilor reagiert mit den Plänen auf den
anhaltenden Höhenflug des Franken. Aus Sorge vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession und einem Abstieg des Dollar
als Leitwährung flüchten sich Anleger seit Wochen in die Schweizer Landeswährung.
Gegenüber dem Euro hat der Franken in diesem Jahr um rund 20 Prozent an Wert gewonnen. Das belastet exportorientierte Firmen wie Sycrilor, das auf die Behandlung von Metallen für Präzisionsteile spezialisiert ist. Auch andere Unternehmen erwägen eine Bezahlung in Euro als Alternative zum Abbau von Arbeitsplätzen.
Lohnminus von 30 Prozent
Die Mitarbeiter von Sycrilor waren Ende Juli informiert worden, dass sie künftig ihre Löhne auf Basis eines festen Euro-Kurses ausbezahlt bekommen sollen. Wegen des starken Franken entspräche dies laut der Gewerkschaft Unia einer Lohnsenkung von bis zu 30 Prozent.
Sycrilor-Geschäftsführer Marc Epstein erklärte sich laut SDA zu Verhandlungen mit der Gewerkschaft bereit.
Bei den Streikenden soll es sich mehrheitlich um Grenzgänger handeln. Diese hatten durch den starken Franken bislang erhebliche Vorteile beim Einkauf in Euro-Ländern. Der Einkaufstourismus der Schweizer habe zugenommen, sagte ein Sprecher der Supermarktgruppe Rewe. Bevorzugt würden Molkereiprodukte und Fleisch. Auch für Drogerieartikel lohne sich der Gang über die Grenze. Sie sind in der Schweiz teilweise mehr als doppelt so teuer.
dab/AFP/dapd
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