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04. Mai 2015, 09:23 Uhr

Extrem-Streik der Lokführer

Deutschland rüstet sich für tagelangen Stillstand

Zehntausenden Bahnreisenden droht eine neue Chaoswoche, die Lokführer planen einen Extrem-Streik. Wieso eskalierte der Tarifstreit zwischen Bahn und GDL? Ist eine Lösung in Sicht? Der Überblick.

Warum streiken die Lokführer schon wieder?

Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL streiten seit Monaten ergebnislos über einen Tarifabschluss. Auch das jüngste Angebot des Staatskonzerns wurde zurückgewiesen: Die Bahn hatte den Lokführern angeboten, die Löhne ab 1. Juli in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent zu erhöhen und zudem einmalig 1000 Euro zu zahlen. Die GDL fordert dagegen für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Zudem sollen Rangierlokführer so wie andere Lokführer bezahlt werden.

Dass es nun bereits zum achten Mal zum Streik kommt, hat aber noch einen anderen Grund: Die GDL kämpft mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss bei der Bahn. Sie will in Tarifverhandlungen auch andere Mitarbeitergruppen vertreten - etwa Zugbegleiter, von denen nach Angaben der Gewerkschaft knapp ein Drittel GDL-Mitglieder sind.

Wer ist vom Streik betroffen?

Das genaue Ausmaß ist noch nicht klar, nach dem Willen der GDL soll es aber der bislang größte Streik in der Auseinandersetzung werden. Damit müssen sich Reisende ab Dienstag um zwei Uhr morgens bis Sonntag auf sechs Tage mit Zugausfällen und Verspätungen einstellen. Die Bahn arbeitet an einem Notfallfahrplan und informiert Reisende unter anderem über eine Hotline und ihre Internetseite. Alle wichtigen Informationen für Bahnreisende finden Sie hier.

Auch die Wirtschaft ist vom Streik betroffen: Bereits ab Montag um 15 Uhr sollen keine Güterzüge mehr rollen. Nach Angaben des Industrieverbandes BDI können dadurch Schäden von bis zu hundert Millionen Euro pro Tag entstehen.

Wie reagiert die Politik?

Der Konfrontationskurs von GDL-Chef Claus Weselsky wird in der Politik zunehmend kritisiert, auch bei der gewerkschaftsnahen SPD. Parteichef Sigmar Gabriel sagte der "Bild"-Zeitung, der Bahn-Streik sei "für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen". Unions-Vize Michael Fuchs sagte dem Blatt, die "Machtspiele eines einzelnen Gewerkschafters" seien "einfach unerträglich".

Am Montag findet im Bundestag eine Anhörung zum Tarifeinheitsgesetz statt. Es soll dafür sorgen, dass künftig nur der Tarifvertrag der größten Gewerkschaft in einem Betrieb gilt und so Konkurrenzkämpfe wie zwischen GDL und EVG verhindern. Bei der Bahn hat die GDL deutlich weniger Mitglieder als die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Gegen das Vorhaben wehren sich auch andere Spartengewerkschaften wie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund.

Das Tarifeinheitsgesetz hat sich jedoch wiederholt verzögert. Es komme "leider genauso verspätet wie manche Regionalbahn", kritisierte der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek in der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". Auch der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, forderte einen schnellen Beschluss. "GDL-Chef Claus Weselsky führt scheinbar einen Privatkrieg gegen den Vorstand der Bahn - und das auf dem Rücken der gesamten Bevölkerung. Damit muss jetzt Schluss sein", sagte Ziemiak.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Angesichts der verfahrenen Situation fordern viele Beteiligte eine unabhängige Schlichtung - sogar der Beamtenbund (DBB), dem die GDL angehört. "Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen", sagte DBB-Chef Klaus Dauderstädt der "Süddeutschen Zeitung". Auch Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht.

Dass Weselsky inzwischen selbst von Kollegen zur Schlichtung gedrängt wird, könnte ihm zu denken geben. Bislang jedoch hat sich der GDL-Chef auch von heftigem Gegenwind nicht von seinen Plänen abbringen lassen. Die GDL wirft der Bahn vor, diese wolle die Verhandlungen verzögern, bis das Gesetz zur Tarifeinheit beschlossen ist.

dab/dpa/AFP

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