Londoner Hochhausbrand Hersteller stoppt Verkauf der brennbaren Fassadenteile

Der Hersteller des beim Londoner Grenfell Tower verwendeten Dämmstoffs stellt den Verkauf ein. Zugleich wurde bekannt: Sämtliche 75 bislang geprüften Hochhausfassaden in Großbritannien sind nicht feuersicher.

Ausgebrannter Grenfell Tower
AP

Ausgebrannter Grenfell Tower


Die Firma, die die Fassadenteile des abgebrannten Londoner Grenfell Towers produziert hat, zieht Konsequenzen aus dem Brand. Die Reynobond-PE-Hülle würde nun weltweit nicht mehr für Hochhäuser verkauft, teilte der Hersteller Arconic mit. Beim Brand des 24-geschossigen Gebäudes waren Mitte Juni mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Die Flammen hatten sich rasend schnell über die Fassade ausgebreitet.

"Das ist die richtige Entscheidung angesichts der verschiedenen Bauvorschriften auf der ganzen Welt", schreibt das Unternehmen. Darüber hinaus hätten Bedenken, "die infolge der Grenfell-Tower-Tragödie bezüglich der Rolle von Fassaden aufgetreten sind", zu dem Entschluss geführt. Für niedrigere Bauten soll die Verkleidung aus Aluminium und dem Kunststoff Polyethylen aber weiterhin verkauft werden.

Arconic wusste laut Nachrichtenagentur Reuters, dass ihre Paneele am Grenfell Tower verbaut worden waren. Doch die Firma habe es nicht als ihre Aufgabe angesehen, darüber zu entscheiden, ob die Verwendung unter dem örtlichen Baurecht auch erlaubt war. Der Aktienkurs des Unternehmens brach am Montag an der New Yorker Börse zeitweise dennoch um mehr als elf Prozent ein.

Derweil werden immer mehr Baumängel an Hochhäusern in Großbritannien bekannt. Die Zahl der Gebäude, die bei Sicherheitstests durchfielen, stieg auf mittlerweile 75, wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf den für Kommunen zuständigen Minister Sajid Javid berichtete. Jedes bislang getestete Hochhaus sei durchgefallen. Betroffen seien nicht nur Gebäude in London, sondern auch in anderen Kommunen. Insgesamt sollen bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden.

Am Freitagabend hatten bereits rund 4000 Menschen vier Hochhäuser im Norden Londons wegen Brandgefahr räumen müssen. Die Feuerwehr hatte in den Gebäuden im Stadtteil Camden Sicherheitsmängel festgestellt: unter anderem brennbare Fassaden, Fehler bei der Isolierung von Gasleitungen und fehlende Brandschutztüren.

apr/Reuters/dpa/AP/AFP

insgesamt 35 Beiträge
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Thunder79 26.06.2017
1. schade dass immer erst was passieren muss....
....bis Konsequenzen daraus gezogen werden. Aber immerhin zieht England die Konsequenzen auch hart durch, mit Räumungen von ganzen Hochhäusern.
Weltfinanzexperte 26.06.2017
2. Gebäudeversicherung
Ich bin gespannt, wann die ersten Gebäudeversicherer in Deutschland ihre Beiträge für gedämmte Häuser anheben. Dass das Zeug als Brandbeschleuniger wirkt, ist ja schon seit langem bekannt. Vermutlich tut unsere Regierung aber wieder total überrascht. Am Ende wissen sie auch nicht, dass man die Dämmstoffe nicht mal als Sondermüll entsorgen kann, einfach weil man niemanden findet, der den Dreck annimmt. Asbestplatten sind Kinderkram dagegen.
quaki 26.06.2017
3. Hier in Deutschland...
....sind wir mit unseren Dämmplatten auch kein Deut besser. Die brennen wie Zunder... - und das wissen wir Deutsch auch schon länger... https://www.youtube.com/watch?v=1EL9-_27H04
gweihir 26.06.2017
4. Offensichtlich ein systematisches Problem
Das bedeutet, die entsprechende Regierung hat bei den Vorschriften versagt. Und, oh, wunder, dieser "industriefreundliche" Kurs kommt natuerlich von Mey und Konsorten. So wird man indirekt zum Massenmoerder, denn das ganze Unglueck wird keinen Experten ueberrascht haben. Bisher hat denen halt einfach keiner zugehoert, aber vielleicht erinnert man sich jetzt mal wieder daran, das Experten fuer Bausicherheit nicht einfach nur Stoerfaktoren sind...
dietert1 26.06.2017
5. Kinderkram
Zitat von WeltfinanzexperteIch bin gespannt, wann die ersten Gebäudeversicherer in Deutschland ihre Beiträge für gedämmte Häuser anheben. Dass das Zeug als Brandbeschleuniger wirkt, ist ja schon seit langem bekannt. Vermutlich tut unsere Regierung aber wieder total überrascht. Am Ende wissen sie auch nicht, dass man die Dämmstoffe nicht mal als Sondermüll entsorgen kann, einfach weil man niemanden findet, der den Dreck annimmt. Asbestplatten sind Kinderkram dagegen.
Ja, für den Weltfinanzexperten sind das eben "die Dämmstoffe". Schon vergessen: Die Ausstattung des abgebrannten Hochhauses mit nicht brennbaren Fassaden-Dämmplatten hätte nur € 5000 mehr gekostet. Da hätte ich vielleicht von Peanuts gesprochen. Aber die Finanzexperten haben eben keinerlei Interesse an der Realität, sogar wenn man es ihnen genau erklärt.
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