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Neue Spesenvorschriften: Londoner Banken verbieten Saufgelage

Nachtfreuden in London: Wo die Banker ihre Deals begießen Fotos
Corbis

Harte Drinks im Dienst, Stripklub-Besuche mit Kunden, alles auf Firmenkosten - aus und vorbei! Mit neuen Vorschriften wollen Londoner Banken die Exzesse ihrer Mitarbeiter eindämmen.

London - Entertainment spielte in der Londoner Bankenwelt stets eine große Rolle. Man lebte nach der goldenen Regel: Je wichtiger der Kunde, desto mehr muss ihm geboten werden. Ein Millionendeal musste anständig begossen werden, am besten mit Champagner und leichtbekleideten Damen in einem exklusiven Nightclub.

Damit soll nun jedoch Schluss sein. Die Banker sollen keine Saufgelage mehr abhalten, zumindest nicht auf Firmenkosten. Viele Unternehmen in der City haben kürzlich ihre Spesenregeln verschärft. Das berichtet die Londoner "Times".

Mitarbeiter dürfen demnach harten Alkohol nicht mehr abrechnen. Auch der teure "bottle service", wenn eine Gruppe einen Tisch in einem Club für die ganze Nacht bucht, wird fortan nicht mehr erstattet.

Eine amerikanische Investmentbank soll dem Bericht zufolge sogar eine Sperrstunde für Firmenessen verhängt haben: Kunden dürfen nicht länger als bis Mitternacht bespaßt werden. Wenn ein Abteilungsleiter seine Mitarbeiter zum Essen einlädt, muss sogar schon um 22 Uhr Schluss sein.

Auch bei der Deutschen Bank ist "exzessives Entertainment" verboten. Allerdings lassen die Regeln hier noch Spielraum für Interpretation.

"Ein nüchterner Mitarbeiter macht weniger Fehler"

"Die Investmentbanken gehen rigoros gegen Alkohol und ausufernde Abendunterhaltung vor", sagte Paul Quain, Partner der Londoner Anwaltskanzlei GQ Employment Law, der "Times". "Ein nüchterner Mitarbeiter macht weniger Fehler, sowohl in der Unterhaltung mit dem Kunden am Abend als auch auf dem Trading-Floor am nächsten Morgen."

Die strikten Spesenregeln sind Teil des vielbeschworenen Kulturwandels in der Branche. Seit die Finanzkrise das vielfach empörende Verhalten der Banker bloßgestellt hat, bemühen sich die Großbanken um die Wiederherstellung ihres Rufs. Vor einigen Jahren bereits verboten US-Institute wie Goldman Sachs Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen und JP Morgan Chase ihren Mitarbeitern, Schimpfwörter in E-Mails zu benutzen. Sexistische Bemerkungen und abfällige Äußerungen über Kunden sollen nicht länger geduldet werden.

Auch der Besuch von Stripklubs mit Kunden ist vielen Bankern inzwischen offiziell untersagt. 2012 schloss die City of London den Bankertreff "Charlie's Bar", den letzten verbliebenen Stripklub in dem Finanzviertel. Mehr als ein symbolischer Akt war das jedoch nicht, die Stadt bietet schließlich genug Ausweichmöglichkeiten.

Im Mai machte Colin Fan, co-Chef des Investmentbankings bei der Deutschen Bank Chart zeigen, Schlagzeilen, als ein internes Video von ihm im Internet die Runde machte. Einige Mitarbeiter seien "weit davon entfernt", die Verhaltensvorschriften der Bank zu erfüllen, schimpfte er in dem Video. Jeder Einzelne müsse sich bewusst sein, dass jede E-Mail und jedes Telefonat von der Finanzaufsicht geprüft werden könne.

"Alles, was als unprofessionell interpretiert werden kann, muss aufhören. Und zwar jetzt", forderte Fan. "Es ist nicht okay anzugeben, vulgär oder indiskret zu sein. Das wird ernsthafte Konsequenzen für Ihre Karriere haben." Mittlerweile, berichtet Fan, hätten einige Mitarbeiter die Deutsche Bank verlassen.

cvo

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Oha,
53er 22.10.2014
nun haben wohl auch die Londoner Banken endlich erkannt, was für Junkies im feinen Zwirn sie da beschäftigen. Nicht jeder Wichtigtuer und Schwätzer macht auch gute Arbeit und wer die dickstens Bewirtungskosten einreicht ist nicht immer ein harter Arbeiter. Übrigens, wer mit solchen Banken Geschäfte macht, beteiligt sich offenbar nicht nur an exorbitanten Boni und Vorstandsgehältern, sondern finanziert auch die Saufgelage der Investmentbanker mit den Kunden. Also ich würde meine Konten kündigen.
2. Die Banker sollen wohl etwas nüchterner werden
wibo2 23.10.2014
Die Katastrophe, die wir erlebt haben. Der Katastrophe, die in Zukunft noch kommen wird. Aber das Leben geht weiter. Erste vorsichtige Anpassungen an eine neue Realität. Der Anfang vom Ende eines Lebens in Saus und Braus. Der Wunsch der Banker, bei den Reichen und Schönen dazuzugehören und beim High Life erfolgreich zu sein, wird etwas reduziert. Die Erwartungen der gemeinen Banker werden gemanaged von ihren Top-Männern. Denn es sind Menschen, die entscheiden, keine anonymen sogenannten "Märkte", die die Entscheidungen treffen. Im Gegensatz zu dem, was man uns weismachen will. Diese neuen Spesenregelungen sind ein erster Schritt zu einer neuen Kultur des Dienens für die Banker. Aber "Selters statt Sekt" trinken die Banker noch lange nicht. Noch ist es nicht so weit!
3. Wo bleibt eigentlich der Staatsanwalt
vorsicht.sarkasmus 23.10.2014
Die Personen, die von den Bankern eingeladen werden sind nur in den seltensten Fällen auch die Eigentümer einer Firma oder Treuhandgeber. Es werden in der Regel Angestellte auf der Kundenseite von Bankangestellten eingeladen, um ein für die Bank lukratives Geschäft auch bei dieser Bank und nicht bei der Konkurrenz abzuschließen. Dies erfüllt wohl den Tatbestand der Korruption. Dies ist aber seit einigen Jahren ein Straftatbestand. Nur, dies ist allgemein bekannt, aber weder die Finanzaufsicht noch die Staatsanwaltschaften interessieren sich für das organisierte Verbrechen der Bankster. Und was machte sogar die Kanzlerin? Sie lud sogar den Chef dieser Kriminellen zum Geburtstagsdinner ins Kanzleramt.
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