Luftfahrtmesse Le Bourget: Technische Panne vermasselt Militärairbus-Show

Airbus glaubt an eine rosige Zukunft, auch wenn die Entwicklung einiger Langstrecken-Jets A350 sich verzögert. Kummer bereitet dem Konzern die Rüstungssparte - gekürzte Verteidigungsbudgets sorgen für Unruhe. Wegen Triebwerksproblemen mussten nun auch noch Showflüge des A400M abgesagt werden.

Paris Air Show: Kassenschlager und Krisenflieger von Airbus Fotos
dapd

Paris - Die Luftfahrtmesse Paris Air Show beginnt für den Flugzeughersteller Airbus mit einer Blamage: Aufgrund von Problemen mit dem Getriebe der Triebwerke wurden Flugvorführungen des Militärtransporters A400M auf der Luft- und Raumfahrtschau im französischen Le Bourget abgesagt. Statt am regulären Show-Programm teilzunehmen, wird der Militär-Airbus nun lediglich zur Eröffnung der Branchenmesse am Montag einen kurzen Vorbeiflug entlang des Flughafens vollführen und danach nur noch am Boden zu besichtigen sein. Einen Zeitplan zur Lösung des technischen Problems legte Airbus nicht vor. Eine Verzögerung des Termins für die Erstauslieferung Anfang 2013 wird aber nicht erwartet.

Abgesehen von dieser Malaise blickt der Airbus-Mutterkonzern EADS aber optimistisch in die Zukunft. Vom weltweiten Aufschwung der Luftfahrt beflügelt, erwartet das Unternehmen eine Auftragsflut für seine Flugzeuge. "Die A320neo hat sich in nur sechs Monaten zu einem Kassenschlager entwickelt - das wird auch die Air Show zeigen", sagte EADS-Chef Louis Gallois am Samstag in Le Bourget bei Paris. In den vergangenen Wochen hatten sich bereits neue Großaufträge für die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenfliegers angekündigt, der im Herbst 2015 erstmals ausgeliefert werden soll.

Für zwei Versionen des neuen Langstrecken-Jets A350 wird es aber deutlich später. Die längste und die kürzeste Variante des zweistrahligen Flugzeugs würden jeweils zwei Jahre später ausgeliefert, sagte Airbus-Manager Fabrice Brégier. Dafür soll die Leistung der für 350 Passagiere ausgelegten Langversion A350-1000 durch den neuen Trent-XWB-Antrieb von Rolls-Royce deutlich gesteigert werden. Während die Grundversion A350-900 nach wie vor ab Ende 2013 ausgeliefert werden soll, verschiebt sich der Marktstart der Langversion nun auf Mitte 2017. Auch die kleinere Schwester A350-800 soll zwei Jahre später kommen - Mitte 2016.

Beim Mega-Flieger A380 sieht sich Airbus im Plan. Die Produktion soll ab 2014/15 kostendeckend sein, sagte Gallois. Die Dauer der Endmontage sei innerhalb von zwei Jahren von 14 auf zehn Monate verkürzt worden. Im laufenden Jahr sollen 25 Exemplare des doppelstöckigen Flugzeugs die Werkshallen verlassen. Die Probleme mit dem Trent-900-Triebwerk, das 2010 auf einem Qantas-Flug zu einem Zwischenfall geführt hatte, sind laut Brégier gelöst.

"Probleme schaffen Märkte"

Angesichts der immensen Nachfrage nach Flugzeugen droht Airbus ihren EADS-Schwestergesellschaften davonzufliegen. EADS-Chefstratege Marwan Lahoud erwartet, dass der Airbus-Umsatz bis 2016 jährlich um sieben bis acht Prozent wächst. Um das auszugleichen, müssten die anderen EADS-Töchter (Militär, Raumfahrt, Helikopter) jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro mehr einnehmen. In Zeiten knapper Budgets gebe es weniger europäische Entwicklungsprogramme als zuvor, klagte Gallois. Bei der Entwicklung unbemannter militärischer Fluggeräte forderte er stärkere Kooperation. Gallois: "Wenn alle Länder ihre Budgets zusammenstreichen, müssen sie mehr zusammenarbeiten."

Den Sparkurs vieler europäischer Staaten beim Verteidigungsetat will EADS mit verstärktem Engagement in Schwellenländern und im Sicherheitsbereich wie Grenzüberwachung oder der Absicherung gegen Internetpiraterie (Cyber-Crime) kompensieren. "Der Sicherheitsmarkt wird in den kommenden Jahren explodieren; Cyber-Crime ist ein Problem, aber Probleme schaffen Märkte", sagte Gallois, der Zukäufe und Partnerschaften in den USA und anderen Ländern ankündigte. Für den deutschen Zulieferer Premium Aerotec sucht Eigentümer EADS langfristig Partner, doch habe mittelfristig eine ungestörte Produktion des Unternehmens für das A350-Programm Priorität.

Angesichts des geplanten Ausstiegs der Großaktionäre Daimler und Lagardere macht sich die EADS-Spitze Gedanken um die künftige Eigentümerstruktur. Gallois warnte vor kurzfristigen Lösungen. Nötig sei eine Struktur, die gegen feindliche Übernahmen schütze und die Balance zwischen deutschen und französischen Interessen sichere.

mak/dpa

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1. Der Bericht war ja nicht anders zu erwarten....
heutzutage 19.06.2011
Ich muss doch immer wieder schmunzeln, wie sich der Spiegel auf Airbus stürzt. Gesetz den Fall, dass Airbus die A400M fliegen lassen würde, es zu einem Unfall käme, wie würde der Bericht dann aussehen? Was Airbus auch immer macht, der Spiegel schafft es immer, eine negative Schlagzeile zu generieren. Thema A350: Der interessierte Leser, der sich auch auf anderen Newsseiten (außer Spiegel.de) informiert, sieht die Situation anders. Warum die -1000 liefern, wenn die Triebwerke nicht den Anforderungen der Airlines entsprechen? Wenn Airbus den Lieferplan mit den Airlines abstimmt, weshalb spricht man von Verzug? Hallo Spiegelredaktion, ihr sitzt nun schon in Hamburg einen Katzensprung vom Airbuswerk entfernt. Ein kleiner Ausflug in das Werk würde Euch in der redaktionellen Aufarbeitung Eurer Artikel helfen!
2. Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung
Hamberliner 19.06.2011
Zitat von sysopAirbus glaubt an eine rosige Zukunft, auch wenn einige Varianten des Langstrecken-Jets A350 sich verzögern. Sorgen bereitet dem Konzern die Rüstungssparte - gekürzte Verteidigungsbudgets sorgen für Unruhe. Wegen Triebwerksproblemen mussten nun auch noch Showflüge des A400M abgesagt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769230,00.html
Ich wär mir nicht so sicher, ob die Probleme mit dem militärischen Airbus nur auf Etat-Kürzungen zurückzuführen sind. Es ist zwar nett, dass eine Verdächtigung, die Industrie habe gepfuscht, im Artikel unterbleibt, aber ans Licht der Öffentlichkeit müsste endlich einmal auch gehören, ob an der Schnittstelle Luftwaffe - Luftfahrtindustrie das BWB ähnliche Probleme schafft wie an der Schnittstelle Marine - Werftindustrie. Wie ein ganz bestimmter Bau-Oberrat dort mit den Auftragnehmern der Industrie umspringt, spottet jeder Beschreibung. Ingenieure, Wissenschaftler und Entwickler werden behandelt wie kleine Kinder und gedemütigt, bis die Motivation in Scherben liegt, es werden zum Schaden der Industrie ohne dafür zu bezahlen immer wieder völlig überflüssige Meetings anberaumt, und der Herr beschwert sich beim Geschäftsführer, wenn er einem kundenorientiert gemeinten Smalltalk im Mund umdreht. Der Schaden für die Industrie ist immens, der Nutzen für das BWB und den Steuerzahler ist null.
3.
regierungs4tel 19.06.2011
Zitat von heutzutageIch muss doch immer wieder schmunzeln, wie sich der Spiegel auf Airbus stürzt. Gesetz den Fall, dass Airbus die A400M fliegen lassen würde, es zu einem Unfall käme, wie würde der Bericht dann aussehen? Was Airbus auch immer macht, der Spiegel schafft es immer, eine negative Schlagzeile zu generieren. Thema A350: Der interessierte Leser, der sich auch auf anderen Newsseiten (außer Spiegel.de) informiert, sieht die Situation anders. Warum die -1000 liefern, wenn die Triebwerke nicht den Anforderungen der Airlines entsprechen? Wenn Airbus den Lieferplan mit den Airlines abstimmt, weshalb spricht man von Verzug? Hallo Spiegelredaktion, ihr sitzt nun schon in Hamburg einen Katzensprung vom Airbuswerk entfernt. Ein kleiner Ausflug in das Werk würde Euch in der redaktionellen Aufarbeitung Eurer Artikel helfen!
Der A 400 M sollte längst im Einsatz sein, vor Jahren wäre auszuliefern gewesen zum halben Preis, nach den Angeboten, die Airbus Ende der 90er Jahre eingereicht hat. Ein unseriöses Angebot, dass offenbar nur den Zweck hatte, ein alternatives Beschaffungsangebot aus der Ukraine auszustechen. Damals wurde den Entscheidern rotzfrech (weil wettbewerbsrechtlich bedenklich) suggeriert, Airbus brauche wie sein Konkurrent Boeing auch mil. Entwicklungsaufträge, um mit Quersubventionen dass zivile Geschäft zu unterstützen. Jetzt zeigt sich das Gegenteil: Obwohl die Leistungsbeschreibung nach unten, und der Systempreis deutlich nach oben verhandelt, die Auslieferung um viele Jahre verschoben, verliert Airbus mit diesem Deal auch noch Held (und Reputation). Und dann schreibt mein Vorredner, wir sollen doch froh sein, dass die Kiste bei der Luftfahrtshow wenigstens nicht abstürzen kann, wenn sie gar nicht erst abhebt. Ich glaube, mein Schwein pfeift - schönen Gruß in das nahe Airbuswerk, wo auch am Sonntag offenbar gearbeitet wird.
4. Weshalb kann man nicht annehmen,
Seifen 19.06.2011
daß die Politiker gelinkt werden mit immer wieder neun Problemen, die vielleicht von untergeordneter Bedeutung sind aber doch zu neuen Strömen von Steuergeldern führen. Wie gesagt, eine Spekulation! Auffällig ist nur , daß solche Projekte auf europäischer Ebene nicht glatt laufen, siehe auch Satellitennavigation. Vermutlich kommt es gar nicht mehr.
5. Abwegig
dererkenner 19.06.2011
Zitat von regierungs4telDer A 400 M sollte längst im Einsatz sein, vor Jahren wäre auszuliefern gewesen zum halben Preis, nach den Angeboten, die Airbus Ende der 90er Jahre eingereicht hat. Ein unseriöses Angebot, dass offenbar nur den Zweck hatte, ein alternatives Beschaffungsangebot aus der Ukraine auszustechen. Damals wurde den Entscheidern rotzfrech (weil wettbewerbsrechtlich bedenklich) suggeriert, Airbus brauche wie sein Konkurrent Boeing auch mil. Entwicklungsaufträge, um mit Quersubventionen dass zivile Geschäft zu unterstützen. Jetzt zeigt sich das Gegenteil: Obwohl die Leistungsbeschreibung nach unten, und der Systempreis deutlich nach oben verhandelt, die Auslieferung um viele Jahre verschoben, verliert Airbus mit diesem Deal auch noch Held (und Reputation). Und dann schreibt mein Vorredner, wir sollen doch froh sein, dass die Kiste bei der Luftfahrtshow wenigstens nicht abstürzen kann, wenn sie gar nicht erst abhebt. Ich glaube, mein Schwein pfeift - schönen Gruß in das nahe Airbuswerk, wo auch am Sonntag offenbar gearbeitet wird.
Es ist völlig abwegig zu glauben, dass Anbieter aus den ehemaligen Ostblockstaaten hier jemals zum Zug gekommen wären. Bekanntlich wurde EADS sogar dazu veranlasst, die Propeller-Turbinen von einem westeuropäischem Konsortium neu entwickeln zu lassen, anstatt sie beim kanadischen Weltmarktführer zuzukaufen. Vor allem diese völlig unsinnige Forderung hat zu den technischen Problemen und Lieferverzögerungen geführt. Im Vergleich zu den Problemen bei der Marine ist der Fall der A400M aber noch harmlos. Was dort z.B. im Zusammenhang mit der Beschaffung der Korvetten vom Typ K130 abgeht ist ein Skandal ohnegleichen. Irgendwelche Irre verbrennen hier massenweise Steuergelder im offenen Kamin.
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Der Konzern
Airbus ist der größte europäische Flugzeughersteller und eine Tochtergesellschaft des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. In der jüngeren Vergangenheit lieferte das Unternehmen zumeist mehr Flugzeuge aus als der US-Dauerrivale Boeing. Der Konzern setzt pro Jahr rund 30 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter.
Der Chef
Der Deutsche Thomas Enders steht seit 2007 an der Spitze von Airbus. Nach dem Studium arbeitete er zunächst im Bundestag, als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei diversen Forschungsinstituten und im Planungsstab des Verteidigungsministeriums. Dann wechselte er zur DASA, einem Vorgängerunternehmen von EADS.

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