Namensänderung für Gewinnspiel "Es war kinderleicht, Klaus-Heidi zu werden"

Um Kunden in Schweden zu gewinnen, organisierte die sonst so seriöse Lufthansa ein ulkiges Preisausschreiben. Wer seinen Vornamen änderte, konnte ein Jahr in Berlin gewinnen. Ein Anruf beim 24-jährigen Gewinner Klaus-Heidi Andersson.

Mit dem Schlüssel für Berlin: Gewinner Klaus-Heidi Andersson
Lufthansa

Mit dem Schlüssel für Berlin: Gewinner Klaus-Heidi Andersson


Andersson: Hallo, hier spricht Klaus-Heidi Andersson.

SPIEGEL ONLINE: Hallo Herr Andersson. Sie haben sich also schon an Ihren neuen Vornamen gewöhnt.

Andersson: Ja. Aber er fühlt sich doch noch ziemlich neu an.

SPIEGEL ONLINE: Früher hießen Sie Michael. Dann haben Sie und 40 weitere Schweden offiziell den vermeintlich deutschen Nonsensnamen Klaus-Heidi angenommen - nur weil Lufthansa dafür per Video einen einjährigen Berlin-Aufenthalt in Aussicht stellte. Was hat Ihr Umfeld dazu gesagt?

Andersson: Mein Vater hat sehr gelacht, meine Mutter wollte nur wissen: Warum?!

SPIEGEL ONLINE: Und die Antwort?

Andersson: Ich habe von vielen Leuten gehört, dass Berlin einer der coolsten Orte in Europa ist.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie dort machen?

Andersson: Erst mal die Sehenswürdigkeiten anschauen. Dann mache ich den Deutsch-Intensivkurs, den ich auch gewonnen habe. Ich habe fünf Jahre Deutsch in der Schule gehabt, aber erinnere mich an kaum etwas.

SPIEGEL ONLINE: Dann versuchen wir eben mal, die nächste Frage auf Schwedisch zu stellen: När ska du flygga till berlin?

Andersson: Sehr gut. Ich fliege noch im Januar nach Berlin.

SPIEGEL ONLINE: Und dann suchen Sie sich auch einen Job?

Andersson: Ja. Ich denke, dadurch werde ich besser Einheimische kennenlernen.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie jetzt?

Andersson: Ich arbeite für eine Zeitarbeitsfirma. Früher bin ich viel Gabelstapler gefahren, aber ich probiere gerne Neues aus. Von Felssprengungen bis zu Reisejournalismus hab ich schon alles gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen klar, dass die Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt deutlich schlechter ist als in anderen Landesteilen?

Andersson: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wahrscheinlich gibt es viele Leute und nicht so viele Jobs.

SPIEGEL ONLINE: Genau. Und Sie ziehen jetzt nach Kreuzberg und bekommen außer einem Apartment auch noch ein weißes Rennrad gestellt. Sie leben das Klischee eines Berliner Hipsters.

Andersson: Das ist großartig!

SPIEGEL ONLINE: Macht Ihnen also nichts?

Andersson: Definitiv nicht. Ich werde mein Leben auf Instagram und in einem Blog teilen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie eigentlich Ihre Mitbewerber geschlagen?

Andersson: Vielleicht, indem ich mein Verlangen nach Deutschland besonders gut vermitteln konnte. Es fühlt sich so an, als würde ich dahingehören. Das habe ich in einem Gedicht beschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Einen Auszug bitte.

Andersson: Schon seit ich klein war, träumte ich mich fort / zu Bratwurst, Schwarzwald und großen Schlössern / An schwedischen Spielen nahm ich nur widerwillig teil / seitdem fragte ich mich, was falsch ist / Sieh, ich spielte nicht besonders mit anderen Kindern / stattdessen träumte ich, Volkswagen auf der Autobahn zu fahren.

SPIEGEL ONLINE: Und dann haben Sie Ihren Kopf auch noch auf den Körper von John F. Kennedy montiert, als der seine berühmte Berliner Rede hält.

Andersson: Ja, mein Schwager und ich haben das extra mit einem Greenscreen aufgenommen. Wir haben versucht, es möglichst gut hinzubekommen.

SPIEGEL ONLINE: Hat geklappt. Nur, dass auch Sie sagen: Ich bin ein Berliner. Ich bin ein Klaus-Heidi, wäre passender gewesen. Wollen Sie wirklich für immer so heißen?

Andersson: Nun, da ich gewonnen habe: ja.

SPIEGEL ONLINE: In Schweden ist eine Namensänderung aber auch keine große Sache, oder?

Andersson: Ja, das war kinderleicht. Man muss nur ein Formular einschicken, das kostet beim ersten Mal nichts. Das Zurückändern würde knapp 170 Euro kosten.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihnen eigentlich auch mal jemand gesagt, dass die Namensänderung völliger Schwachsinn war?

Andersson: Nein. Aber als ich von dem Wettbewerb hörte, wollte ich es erst nicht machen. Dann konnte ich nicht schlafen, weil ich daran denken musste, was mich in Berlin alles erwartet. Und schließlich habe ich den Änderungsantrag abgeschickt, ohne es irgendjemandem zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Aufenthalt ist für ein Jahr bezahlt. Was kommt danach?

Andersson: Hoffentlich verliebe ich mich in die Stadt und bleibe dort. Aber mal schauen, wie es wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie dürften jedenfalls interessante Reaktionen auf Ihren neuen Namen ernten.

Andersson: Wie klingt er denn für Sie?

SPIEGEL ONLINE: Schon seltsam. Aber ältere deutsche Namen klingen manchmal ähnlich. In Österreich gibt es zum Beispiel einen bekannten Schauspieler namens Klaus-Maria Brandauer.

Andersson: Ah, gut. Ich glaube, wir haben in Schweden auch noch Leute, die Björn-Sophia heißen. Keine Ahnung, aus welchem Grund.

Das Interview führte David Böcking. Mitarbeit: Frauke Lüpke-Nabershaus

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Datenscheich 17.12.2013
1. Willkommen
Herzlich willkommen in Berlin, Klaus-Heidi! Wir brauchen hier Leute wie Dich, die über den Stadtrand hinweg denken und handeln können. Und mach' Dir keine Sorgen um einen Job - wer einen Kopf und zwei Hände hat, und auch weiß, diese einzusetzen, der findet immer etwas ... und sei es beim Abriß des nicht funktionierenden BER-Flughafens. LOL
jetlag chinaski 17.12.2013
2. sehr sympathisch!
auch wenn es ein marketing gag ist, in zeiten, die scheinbar nur noch von benchmark und kpi heinis bevölkert sind, ist das hier doch ne lustige sache. viel spass in berlin!
RBHAM 17.12.2013
3. Albern
Die Lufthansa sollte sich mal als das Unternehmen präsentieren, was sie wirklich ist. Da feuern sie das Geld raus, aber dem eigenem Personal an die Renten wollen!!!
hanuman99 18.12.2013
4. Die Reuterstrasse
ist zwar in Neukölln, aber macht ja nichts...
nochnbier 18.12.2013
5. Der wahre Grund für Schweden ...
... nach Deutschland zu kommen ist doch immer noch der, dass es hier kein Systembolaget gibt. Na dann Skal, Klaus-Heidi. PS: Vielleicht sollte man den nächsten Ikea Schrank Klaus-Heidi nennen ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.