Lufthansa-Chef Franz Streik ist "völlig unverhältnismäßig"

Lufthansa-Chef Christoph Franz kritisiert die Spontaneität des Flugbegleiter-Streiks. Die Arbeitsniederlegung hätte das Unternehmen "aus heiterem Himmel" getroffen.

Lufthansa-Mitarbeiter: kaputtgespart und ausgefranzt
dapd

Lufthansa-Mitarbeiter: kaputtgespart und ausgefranzt


Frankfurt - Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Christoph Franz hat den Streik der Flugbegleiter als "völlig unverhältnismäßig" kritisiert. "Wir haben das (...) nicht in diesem Umfang so erwartet", sagte Franz am Donnerstag im "heute journal".

Die Entwicklung sei "quasi aus heiterem Himmel" nach eineinhalb Jahren Gesprächen gekommen. Die Lufthansa sei weiter zu Gesprächen bereit. "Wir sitzen im Verhandlungsraum", sagte Franz. Auf den Streik am Freitag habe sich die Gesellschaft mit einem verlässlichen Sonderflugplan vorbereitet.

Das Unternehmen hat nahezu 1000 der 1800 geplanten Verbindungen für diesen Freitag gestrichen. Damit trifft die Gewerkschaft Ufo die Lufthansa unerwartet hart. Eine Annäherung ist in dem Tarifstreit nicht in Sicht.

Franz sagte, es gehe auch um die Wettbewerbsfähigkeit "in einem beinharten Wettbewerb". Das Umfeld habe sich in den vergangenen Jahren mit den Billigfliegern, den Staatsgesellschaften vom Persischen Golf und den hohen Ölpreisen dramatisch verändert. "Wir müssen das Unternehmen zukunftsfähig aufstellen", sagte Franz. Sonst komme es zu einem Schrumpfungsprozess.

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter Ufo will die Gespräche mit der Lufthansa wieder aufnehmen. "Ich persönlich habe dann gestern Kontakt zum Lufthansa-Management aufgenommen", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Donnerstagabend. "Die Lufthansa hat quasi kapituliert, indem sie für den morgigen Tag fast alles gestrichen hat." Daher habe er den ersten Schritt gemacht. "Im Augenblick der Stärke sozusagen, darf man Größe zeigen", so Baublies. Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder am Freitag zu einem bundesweiten Streik aufgerufen.

Die Flugbegleiter fordern fünf Prozent mehr Gehalt und den Verzicht der Lufthansa auf die Gründung von Billiglohngesellschaften. Die Fluggesellschaft bietet Entgelterhöhungen von 3,5 Prozent an, den Verzicht auf Leiharbeit, auf betriebsbedingte Kündigungen und auf befristete Verträge.

kha/dpa/dapd

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
deuterius 06.09.2012
1. Hatte er gedacht, ...
... den Flugbegleitern kann er mal so eben Leiharbeiter unterschieben ? Na, dann hat er wohl gerade etwas dazu gelernt.
herr_kowalski 06.09.2012
2. Sehr geehrter Herr Franz,
Zitat von sysopdapdLufthansa-Chef Christoph Franz kritisiert die Spontaneität des Flugbegleiter-Streiks. Die Arbeitsniederlegung hätte das Unternehmen "aus heiterem Himmel" getroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854415,00.html
wenn Sie nach mehr als 1 Jahr Verhandlungen mit der UFO mit einem solchen Streik nicht gerechnet haben, sind Sie in Ihrem Job der falsche Mann. Also erklären Sie das mal ihren Fluggästen, die morgen und Samstag Zug Zug Zug Zug Eisenbahn spielen dürfen. Weil Sie und Ihre hochbezahlten Hanseln kein Gespür für die Entwicklung und natürlich in schöner Überheblichkeit auch keinen Plan B hatten ? Was sind nur für Nieten in deutschen Unternehmen an der Spitze.
eigene_meinung 07.09.2012
3. völlig überraschend
Jetzt hat die Gewerkschaft doch jahrelang verhandelt, ohne dass wir uns bewegt hätten, und nun streiken die plötzlich! Das konnten wir doch nicht ahnen.
x8bg9 07.09.2012
4. aus heiterem himmel?
Der Streik trifft Herrn Franz nach 1 Jahr (!) Verhandlung aus heiterem Himmel? Er erwartete den Streik nicht in diesem Umfang...? Nachdem er sich selbst nach 2 Streiktagen nicht bewegt hat?! Schade um den guten Ruf der Lufthansa! Hier läuft offensichtlich einiges schief! Businesskunden verprellen, Meilen entwerten, Lounge Zutritt erschweren, FirstClass ausrangieren, Mitarbeiter outsourcen. Ein bedenklicher Kurs der hier eingeschlagen wird.
AndyDaWiz 08.09.2012
5.
Zitat von sysopdapdLufthansa-Chef Christoph Franz kritisiert die Spontaneität des Flugbegleiter-Streiks. Die Arbeitsniederlegung hätte das Unternehmen "aus heiterem Himmel" getroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,854415,00.html
Jemanden, der so mit seinem eigenen Arbeitsplatz umgeht wie die Streikenden, den wuerde ich sofort entlassen. Wer nicht arbeitet, bekommt kein Geld - woher auch, die Kunden zahlen ja nicht mehr. Oder wuerden Sie - und Sie - und Sie - bezahlen, obwohl Sie keine Leistung erhalten ? Wer das soweit treibt, dass das Unternehmen, dem es sowieso aktuell nicht so propper geht, weiter in Schieflage geraet, hat nichts anderes verdient. Nichts gegen variable Gehaltsbestandteile - geht es gut, gibts Kohle, geht es schlecht, eben nicht. Aber Fixgehaelter sind Quatsch von gestern, als es noch geschuetzte Maerkte und gesicherte Gewinne gab. Fixgehaelter ruinieren die eigene Firma in schlechten Zeiten. Wird Zeit fuer Eigenverantwortung hier. Kommt aber sowieso, ist im Mittelstand schon lange ueblich. Die paar Altlasten bei den Grosskonzernen haben sich auch bald erledigt.
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